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Astronomie Die hellsten Kerzen am Sternenhimmel

 ·  Die Entfernungen von Quasaren, äußerst aktive Galaxienkerne, lassen sich jetzt recht präzise ermitteln. Dadurch könnte das Rätsel um die Dunkle Energie bald gelüftet werden.

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Quasare, jene extrem leuchtkräftigen Zentren vieler Galaxien, eignen sich möglicherweise zur Entfernungsbestimmung im Weltall. Sie könnten damit - wie bestimmte Typen von Supernovae - bei der Vermessung der Expansionsgeschichte des Kosmos und der Entschlüsselung der rätselhaften „Dunklen Energie“ helfen. Anlass zur Hoffnung geben amerikanische und südafrikanische Astronomen. Ihnen ist es offenbar gelungen, die Rotverschiebung einiger Quasare direkt zu bestimmen. Die kosmologische Rotverschiebung ist ein Maß für die Entfernung eines Objekts. Sie kommt durch die Ausdehnung des Kosmos zustande, da der expandierende Raum den Quasar von uns „fortträgt“. Dadurch werden die Wellenlängen des von ihm ausgesandten Lichts gedehnt, der Quasar erscheint somit „rötlicher“.

Die Natur der Galaxienkerne

Der Name „Quasar“ ist ein Kunstwort, das aus dem englischen Begriff „quasi stellar radio source“(quasistellare Radioquelle) entstanden ist. Als man die Objekte Mitte des 20. Jahrhunderts mit Radioteleskopen entdeckte, stellte man fest, dass sie zwar wie Sterne punktförmig erscheinen, ihre Entfernungen aber im Bereich fernster Galaxien liegen. Ihre enorme Leuchtkraft - sie strahlen weit heller als ganze Galaxien - entsteht, weil in ihrem Innern Materie in ein viele Millionen Sonnenmassen schweres Schwarzes Loch strömt. Doch strahlen Quasare nicht gleichmäßig, sondern sie zeigen Helligkeitsschwankungen im Laufe von Monaten und Jahren. Dieses „Flackern“ nutzen De-Chang Dai von der Universität Kapstadt und seine Kollegen dazu, die kosmische Rotverschiebung der aktiven Galaxienkerne zu messen. Das war bislang bei nur wenigen Exemplaren möglich - und nur indirekt, etwa durch die Beobachtung der Spektren der zugehörigen Galaxien oder durch die Absorption des Quasarlichts in Gaswolken auf dem Weg bis zur Erde.

Nützliches Flackern

Für ihre Messungen nutzen die Forscher einen Effekt der speziellen Relativitätstheorie. Danach tickt die von einem sich relativ zu uns bewegenden Quasar mitgeführte hypothetische Uhr aus Sicht der Erde langsamer. Das „Ticken der Quasaruhr“ manifestiert sich in charakteristischen Helligkeitsschwankungen: Bei weit entfernten Quasaren sollten diese für einen irdischen Beobachter langsamer ablaufen als bei näheren. Dai und seine Kollegen untersuchten insgesamt dreizehn Quasare, deren Rotverschiebung bereits aus anderen Messungen bekannt war. Die Helligkeitsschwankungen waren von Objekt zu Objekt zunächst recht unterschiedlich stark ausgeprägt.

Als die Forscher jedoch die jeweilige Rotverschiebung berücksichtigten, variierte die Helligkeit der Quasare in gleichem Maße (“Physical Review Letters“, Bd. 108, Nr. 231302). Das ursprünglich beobachtete Flackern hing also nur von der Rotverschiebung und somit von der Entfernung der Quasare ab. Nach Ansicht von Dai und seinen Kollegen könnte man auf ähnliche Weise auch die unbekannten Rotverschiebungen anderer Quasare bestimmen. Allerdings sei das Verfahren dafür noch nicht ausgereift. So fehle bislang eine Erklärung dafür, wie das Quasarflackern eigentlich entsteht.

Neue kosmische Standardkerzen

Beschleunigte Expansion

Vor rund zehn Jahren hatten zwei Forschergruppen unabhängig voneinander festgestellt, dass das Leuchten der als Standardkerzen verwendeten Supernovae schwächer erschienen, als deren Rotverschiebung erwarten ließ. Dafür gibt nach Meinung vieler Astrophysiker nur eine Erklärung: Der Kosmos dehnt sich immer schneller aus - vielleicht verursacht durch die sogenannte „Dunkle Energie“, aus der das Universum zu siebzig Prozent bestehen soll. Was sich hinter dieser Art von Antischwerkraft verbirgt, ist noch völlig unklar. Für die Entdeckung der beschleunigten Expansion erhielten Saul Perlmutter, Adam Riess und Brian Schmidt im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Physik.

Seltsame Energie

Kosmologen würden ihre Messungen zur „Dunklen Energie“ mit noch weiter entfernten Objekten fortsetzen, schließlich sollte der Effekt der Beschleunigung umso deutlicher auftreten, je weiter entfernt die Standardkerzen sind. Hier könnten die Quasare einen wichtigen Beitrag leisten, denn sie leuchten weitaus heller als Supernovaexplosionen. Leider war die absolute Leuchtkraft von aktiven Galaxienkernen lange Zeit unbekannt. Im Herbst 2011 jedoch war es Wissenschaftlern aus Australien und Dänemark gelungen, die Leuchtkraft zumindest eines bestimmten Typus von Galaxienkernen zu ermitteln (“The Astrophysical Journal Letters“, Bd. 740, S. L49). Damit wären diese Quasare als Standardkerzen geeignet. Kombiniert mit dem Verfahren von Dai und seinen Mitarbeiten ist es somit vielleicht bald möglich, die Entwicklung der kosmischen Expansion bis in weit größere Entfernungen zurückzuverfolgen und vielleicht sogar die Natur der „Dunklen Energie“ zu entschlüsseln.

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