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Asteroidenforschung : Die zweite Identität

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Der Komet „Lovejoy“ aufgenommen von der Internationalen Raumstation am 21. Dezember 2011. Bild: dapd

Rätselhafter „Don Quixote“: Der vermeintliche erdnahe Asteroid hat sich als waschechter Komet entpuppt.

          Dreißig Jahre hat er seine wahre Natur verborgen, nun enthüllen Bilder des Weltraumteleskops Spitzer das wahre Gesicht des vermeintlichen Asteroiden (3552) „Don Quixote“: Im Jahr 2009 umhüllte eine Staubkoma und ein kleiner Schweif den 19 Kilometer großen Gesteinsbrocken. Don Quixote ist damit einer der erdnächsten Kometen.

          Nach seiner Entdeckung im Jahr 1983 wurde Don Quixote als Asteroid des sogenannten Amortyps geführt. Amor-Asteroiden sind Objekte, deren Bahnen sich von außen der Erdbahn annähern, die den Orbit unseres Planeten aber nicht kreuzen. Wie alle Asteroiden bestehen sie hauptsächlich aus Gestein. Weil sie nur wenig oder gar kein Wasser besitzen, zeigen sie keinerlei Anzeichen von Aktivität.

          Verräterische Aufnahmen

          Auch bei Don Quixote war mit erdgebundenen Teleskopen kein Schweif auszumachen. Dennoch vermuteten die Wissenschaftler eine kometenartige Natur dieses Objekts, denn seine Umlaufbahn führt den Brocken bis über die Jupiterbahn hinaus ins äußere Sonnensystem. Das ist untypisch für Asteroiden, die die Sonne meist auf nahezu kreisförmigen Bahnen im Asteroidenhauptgürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter umrunden.

          Die Wissenschaftler um Joshua Emery von der University of Tennessee in Knoxville und Michael Mommert vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin (jetzt an der Northern Arizona University) haben Aufnahmen des Spitzer-Teleskops begutachtet, die während der vergangenen Sonnenpassage des Objekts im Jahr 2009 aufgenommen worden waren. In Sonnennähe sublimieren bei Kometen die leicht flüchtigen Bestandteile, also hauptsächlich Wasser und Kohlendioxid. Dabei bilden sich die charakteristischen Schweife.

          Koma und Schweif

          Tatsächlich konnten die Forscher um Emery und Mommert eindeutige Hinweise auf eine typische Kometenkoma und einen Schweif ausmachen. Don Quixote ist also wie vermutet kein Asteroid und auch kein „toter“ Komet, dessen Wasservorräte im Laufe der Zeit verlorengegangen sind, erklärten die Forscher kürzlich auf dem European Planetary Science Congress (EPSC) in London. Vielmehr enthalte der Brocken genug Wassereis, um damit ein Gewässer von der dreifachen Größe des Bodensees zu füllen.

          Komet und kein Asteroid: Der Kern von „Don Quixote“ wurde wegen seiner großen Helligkeit ausgeblendet.

          Don Quixote ist einer von rund zehntausend sogenannter Near Earth Objects (Neo), die der Erdbahn recht nahe kommen oder diese sogar kreuzen. Etwa 95 Prozent aller Neos sind als Asteroiden klassifiziert. Im Lichte der Entdeckung von Emery und Mommert scheint es gut möglich, dass sich noch weitere Asteroiden als Kometen entpuppen. Somit wären Objekte in Erdnähe, die Wasser enthalten, häufiger anzutreffen als bislang angenommen. Dies könnte die Theorie befeuern, der zufolge ein Großteil des irdischen Wassers einst von Kometen zur Erde gebracht wurde.

          Die aktiven Asteroiden

          Aber auch im Asteroidenhauptgürtel hat man seit 1996 insgesamt elf vermeintliche Asteroiden gefunden, die ein „kometenhaftes“ Verhalten zeigen - also periodisch ein Koma und einen Schweif entwickeln. Möglicherweise stammen diese als „Hauptgürtelkometen“ oder „aktive Asteroiden“ bezeichneten Objekte aus dem äußeren Sonnensystem, von wo aus sie durch den Einfluss der großen Gasplaneten in Richtung Sonne gelenkt wurden.

          Fast gänzlich wasserlos ist dagegen das merkwürdige Objekt (3200) Phaeton, über das David Jewitt von der University of California in Los Angeles in London berichtete. Ebenfalls im Jahr 1983 entdeckt, entspricht das Orbit von Phaeton dem eines erdbahnkreuzenden Asteroiden. Doch entlang seiner Bahn hinterlässt das Objekt eine langgestreckte Staubwolke, wie es typisch für einen Kometen ist. Auf Bildern der eigentlich zur Sonnenbeobachtung bestimmten Stereo-Sonden der Nasa fanden Jewitt und seine Kollegen nun einen kleinen Schweif, der anders als bei Kometen nicht durch die Ausgasungen von Wasser entstanden sein kann.

          Himmelsschauspiel im Dezember

          Vielmehr glauben die Forscher, dass der extreme Temperaturstress auf der Asteroidenoberfläche kleine Staubteilchen löst und so den Schweif ausbildet. Phaeton kommt auf seiner Bahn der Sonne näher als jeder andere bekannte Asteroid, daher steigt seine Oberflächentemperatur auf mehr als 700 Grad Celsius. Bei keinem der genannten Himmelsobjekte besteht übrigens derzeit die Gefahr einer Kollision mit der Erde.

          Die von Phaeton ausgestoßenen Staubpartikel lassen sich jedoch regelmäßig mit bloßem Auge bewundern: als Sternschnuppen der Geminiden. In diesem Jahr wird das Maximum der Geminidenmeteore in den Morgenstunden des 14. Dezember erwartet.

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