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Veröffentlicht: 10.03.2017, 17:05 Uhr

Asteroiden im Anflug Armageddon ohne Ansage

Asteroideneinschläge gab es auf der Erde immer wieder. Doch regelmäßig treten diese Ereignisse nicht auf, wie man lange meinte.

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© REUTERS Simulation eines katastrophalen Asteroiden-Einschlags

Die Einschläge von Asteroiden auf der Erde ereignen sich nicht in periodischen Zeitabständen, wie man bislang geglaubt hat, sondern erfolgen rein zufällig. Das haben zwei Wissenschaftler von der ETH Zürich und der Universität Lund herausgefunden. Matthias Meier und Sanna Holm-Alwmark analysierten rund 22 Einschlagskrater, die in den vergangenen 500 Millionen Jahren entstanden waren.

Manfred Lindinger Folgen:

Seit fast drei Jahrzehnten wird über dieses Thema kontrovers diskutiert. Noch vor zwei Jahren  berichteten  amerikanische Geowissenschaftler von Indizien, dass im Schnitt alle 26 Millionen Jahre ein Einschlagskrater auf der Erde entstehen würde. Man glaubte sogar an die Existenz eines Begleitsterns der Sonne, eines leuchtschwachen Zwergsterns, der sich alle 26 Millionen Jahre der Erde nähern und dadurch eine Welle von Asteroiden in unserem Sonnensystem  erzeugen, die zum Teil mit der Erde kollidieren. Die nächsten Ereignisse prognostizierte man  in zehn Millionen Jahren. Beobachtet hat man den  geheimnisvollen Stern „Nemesis“ allerdings nie.  

Analyse deckt frühere Datierungsfehler auf

Rund 190 Einschlagskrater sind heute bekannt. Ihre Durchmesser erstrecken sich  von mehreren Metern bis zu mehr als hundert Kilometern. Ihr Alter beläuft sich auf bis zu einigen Milliarden Jahren. Für ihre Untersuchung konzentrierten sich Matthias Meier und Sanna Holm-Alwmark auf Einschlagskrater, die während der  vergangenen 500 Millionen Jahren, also seit  Auftreten der ersten komplexen Organismen im Kambrium, entstanden sind.

Barringer Krater in Arizona, Asteroid, Meteroriteneinschlag © Stefan Seip Vergrößern Trifft ein Asteroid auf die Erde, sind die Folgen deutlich: Der Barringer-Krater in Arizona hat einen Durchmesser von 1200 Metern und wurde von einem 50-Meter-Asteroiden verursacht, der vor 50 000 Jahren auf der Erde einschlug.

Dabei stellte man fest, dass einige Krater in der Vergangenheit offenbar falsch datiert worden waren. Die Forscher erstellten für ihre Analyse eine Liste von 22 Kratern, deren Alter  bis auf weniger als ein Prozent genau bekannt ist. In der Zeitleiste konnten sie keine signifikante Häufung der Einschlags-Ereignisse nachweisen.

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Einige der Einschläge wiesen sogar ein fast identisches Alter auf und hatten, wie die beiden Forscher in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ berichten,  höchstwahrscheinlich die gleiche Ursache. Möglicherweise wurden sie von Asteroiden verursacht, die einen kleineren Begleiter hatten. In früheren Untersuchungen hatte man solche Ereignisse übersehen, wodurch der Anschein einer vermeintlichen Periodizität erweckt wurde. Unklar ist indes, was die Ursache des Chicxulub-Kraters in Mexiko, der mit dem Dinosauriersterben in Verbindung gebracht wird, und des fast gleichzeitig entstandenen Boltysh-Kraters in der Ukraine war.  Die beiden Krater sind geographisch zu weit voneinander entfernt, um von ein und demselben Himmelskörper erzeugt worden zu sein.

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