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Asteroidengefahr : Luzifers Hämmerchen

Das sieht nicht gut aus. Schon ab 20 Metern Durchmesser kann ein abgestürzter Asteroid ein Desaster auslösen. Bild: Astrofoto/van Ravenswaay

Unsere Zivilisation wird nicht durch den Einschlag eines großen Asteroiden untergehen. Doch die kleineren Brocken aus dem All sollten uns Sorgen machen.

          Am Freitag den 1. September flog der Asteroid „3122 Florence“ an der Erde vorbei. Mit knapp fünf Kilometern Durchmesser gehört er in dieselbe Gewichtsklasse wie der Chicxulub-Bolide, der vor 65 Millionen Jahren eines der größten Artensterben der Erdgeschichte zumindest mitverursachte. Das weiß die Wissenschaft seit 1980. Doch schon zuvor begann die Kulturwelt nach dem Abflauen der Atomkriegsgefahr, sich so den Weltuntergang vorzustellen. Der Roman „Luzifers Hammer“ von Larry Niven und Jerry Pournelle erschien 1977. Als 1998 gleich zwei Hollywood-Dramen zu dem Thema in die Kinos kamen, war längst das Interesse der Politik geweckt. Im gleichen Jahr verkündete die Nasa ein Programm zur systematischen Suche nach „Near Earth Objects“ (Neos) ab einem Kilometer Größe, die im Falle eines Treffers globale Verwüstungen anrichten. „3122 Florence“ ist so eines. Und seit über hundert Jahren kam kein solch dicker Neo mehr unserem Planeten derart nahe wie an diesem 1. September.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber was heißt nahe? Zwischen uns und Florence blieb mehr als der 18-fache Abstand des Mondes zur Erde. Enger wird es am 12. Oktober mit „2012 TC4“. Dieser Asteroid wird innerhalb der Bahn geostationärer Fernsehsatelliten vorbeirauschen. Dafür misst er lediglich zwischen 10 und 30 Meter. Träfe er die Erde – was ausgeschlossen ist – dürften ihn die Kräfte der Luftreibung zermahlen und nur Bruchstücke am Boden ankommen.

          Doch seit dem 15. Februar 2013 hat man auch vor solchen Mini-Asteroiden Respekt. Auch an diesem Tag freuten sich die Planetologen auf einen nahen Vorbeiflug – den des etwa 30 Meter großen Asteroiden „367943 Duende“. Doch hätte es kein Internet gegeben, wären sie auf ihren Pressekonferenzen in Europa und Amerika kalt erwischt worden von dem, was sich dann in der Morgendämmerung nahe der russischen Stadt Tscheljabinsk zutrug. Dort sauste aus der entgegengesetzten Richtung zu Duende ein etwa 20 Meter großer Bolide heran, traf die Atmosphäre, durchquerte sie vor aller Augen und Handykameras (siehe Bild), bis er sich explosionsartig zerlegte. Etwa 1.500 Menschen wurden durch Fensterglassplitter verletzt.

          Zum Glück nur ein Streifschuss: Der Kondensstreifen des Himmelsbrockens von Tscheljabinsk am 15. Februar 2013 zeigt, wie flach er aufkam.
          Zum Glück nur ein Streifschuss: Der Kondensstreifen des Himmelsbrockens von Tscheljabinsk am 15. Februar 2013 zeigt, wie flach er aufkam. : Bild: dpa

          Die freigesetzte Energie entsprach mit etwa 500 Kilotonnen TNT der einer modernen Kernwaffe. Und genau deren Zerstörungskraft – abgesehen von der Radioaktivität – hätte das Tscheljabinsk-Objekt auch entfaltet, wenn es einen steileren Winkel genommen und dadurch mehr Energie zum Boden fokussiert hätte. Über einer dichter besiedelten Gegend wäre es dann zu einer lokalen Katastrophe gekommen – und in einer Weltgegend mit nuklear bewaffneten verfeindeten Nachbarn wie Indien und Pakistan vielleicht zu etwas noch Schlimmerem.

          Brocken, die das Weltende bringen, sind fast alle bekannt

          Wie groß also ist die Gefahr aus dem All? Stand Freitag sind 16.490 Asteroiden sowie 106 Kometen bekannt, deren Orbits sie näher als das 1,3-fache des Erdbahnradius an die Sonne oder etwa 45 Millionen Kilometer an die Erde heranführen und damit als Neos qualifizieren. Der Größte misst 35 Kilometer, er kann aber allenfalls dem Mars einmal gefährlich werden. Außer ihm haben noch 880 weitere Neos Kaliber von einem Kilometer und mehr, davon kreisen aber nur 157 auf Bahnen, die sie theoretisch einmal mit der Erde zusammenstoßen lassen könnten. Bei keinem dieser 157 großen Neos ist dies innerhalb der kommenden hundert Jahre zu erwarten, und länger lassen sich die Bahnen kleiner Objekte im Sonnensystem nicht mehr genau vorausberechnen.

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