Home
http://www.faz.net/-gx0-73aeh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

50 Jahre Eso Leben im All? Europa ist dran

Seit nunmehr fünfzig Jahren observiert die Europäische Südsternwarte Eso das Weltall. Ihre leistungsfähigen Teleskope wie das VLT in Chile haben immer Details von Sternen, Galaxien und fremden Planeten zutage gefördert und auf vielen Bildern festgehalten. Die Aufnahmen mit ihrer einzigartigen Ästhetik haben auch unsere Vorstellung vom Universum geprägt.

© G.Gillet/Eso Vergrößern Morgenstimmung am Cerro Paranal in Chile. Die vier Observatorien des Very Large Telescope vor dem untergehenden Mond.

Vor fünfzig Jahren war das Universum noch „überschaubar“. Die moderne Astronomie steckte schließlich noch in den Kinderschuhen. Anfang der sechziger Jahre wurden die Diskussionen der Himmelsforscher von neu entdeckten rätselhaften Quasaren beherrscht - Strahlungsquellen, die eine auffällige Radiostrahlung aussandten, aber selbst mit dem damals größten Teleskop, dem 1948 auf dem kalifornischen Mount Palomar in Dienst gestellten Fünf-Meter-Spiegel, punktförmig wie ein Stern erschienen. Zu jener Zeit war die Erkenntnis, dass es neben unserer Milchstraße mit ihren ungezählten Sternen noch zahllose andere, eigenständige Galaxien gibt, gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt, und die Entdeckung Edwin Hubbles, dass diese Galaxien sich alle voneinander entfernen und daher ein expandierendes Universum bevölkern, Ende der zwanziger Jahre lag auch noch nicht so lange zurück. Hubble hatte Galaxien bis in eine Entfernung von etwa drei Milliarden Lichtjahren untersucht. Zur Vermessung weiter entfernter Systeme reichte die Empfindlichkeit der ihm zur Verfügung stehenden Instrumente und Apparaturen nicht aus.

Mehr zum Thema

Rätselhafte Radioquellen

Im Jahr 1962 hätten europäische Astronomen keine Chance gehabt, das Geheimnis der Quasare zu lüften oder auch nur einen nennenswerten Beitrag zu ihrer Entschleierung zu leisten. Zwar hatte die moderne Astronomie in Europa ihren Anfang genommen. Himmelsbeobachter diesseits des Atlantiks trieben bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert die Entwicklung dieses Forschungszweiges voran und lieferten alle wesentlichen Beiträge zum damaligen Verständnis der Welt, in der wir leben. Aber die Erschließung des amerikanischen Südwestens mit seinen (astro)klimatisch deutlich besseren Gegebenheiten für Himmelsbeobachtungen und die Spendenbereitschaft einiger erfolgreicher und wohlhabender Geschäftsleute hatten in Kalifornien Observatorien entstehen lassen, die - ausgestattet mit Teleskopen zuvor ungeahnter Ausmaße - rasch zu neuen Zentren astronomischer Forschung heranwuchsen.

Europa greift zum Sternenhimmel

In dieser - schließlich auch noch durch den Zweiten Weltkrieg zusätzlich geschwächten - Forschungslandschaft entwickelte der niederländische Astronom Jan Hendrik Oort zusammen mit dem in den dreißiger Jahren nach Amerika ausgewanderten deutschen Forscherkollegen Walter Baade 1953 erste Ideen für eine europäische Forschungseinrichtung, die den Astronomen der „Alten Welt“ einen leistungs- und konkurrenzfähigen Zugang zum Sternhimmel über der Südhalbkugel der Erde ermöglichten sollte. Am Südhimmel - von Europa und den Vereinigten Staaten aus weitgehend unerreichbar - liegt das Zentrum der Milchstraße, befinden sich die beiden Magellanschen Wolken als kleine Nachbargalaxien unseres Systems, und dort vermuteten die Astronomen noch weitgehend unentdeckte Himmelsschätze.

Eso, Milchstraßenzentrum: Natur und Wissenschaft © ESo Vergrößern Das Zentrum der Milchstraße.

Das Cern als Vorbild

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was Sie heute erwartet Gleicher Sold für Jung und Alt?

<p> Ist es rechtens, wenn junge Beamte weniger verdienen? Mit dieser Frage befasst sich heute das <strong>Bundesverwaltungsgericht </strong>in Leipzig. Hintergrund ist die umstrittene <strong>Besoldung... Mehr

30.10.2014, 06:48 Uhr | Wirtschaft
Neue Aufgaben, neues Gebäude Die EZB und ihr neuer Glaspalast

Sie soll Stabilität garantieren, doch sie ist selbst im Umbau: die Europäische Zentralbank bekommt nicht nur neue Aufgaben, sondern auch ein neues Gebäude. Über 2000 Mitarbeiter sollen bis Jahresende in die 185 Meter hohen Doppeltürme in Frankfurt Ostend ziehen. Mehr

29.10.2014, 13:45 Uhr | Wirtschaft
Mainz-Torjäger Okazaki Ich bin eher der Kindergärtner-Typ

Shinji Okazaki hat fünf Tore für Mainz 05 erzielt und zum guten Start beigetragen. Vor dem Auswärtsspiel in Wolfsburg (15.30 Uhr) spricht der Japaner über das große Ego europäischer Stürmer, die Nachteile strenger Trainer und seinen Fußballklub Basara Mainz. Mehr

25.10.2014, 19:21 Uhr | Sport
Jeder sofort auf seinen Platz

Kommt wir schreiben ein K oder malen einen Stern. Jeder der kleinen KIlobots weiß genau, wo er hingehört. Mehr

15.08.2014, 11:57 Uhr | Wissen
Einführung in der Bundesliga Gibt es buntes Freistoßspray bei Schnee?

Von Freitag an wird auch in der Bundesliga gesprüht. Woraus besteht das Freistoßspray? Wer hat es erfunden? Und wie viele Dosen hat der DFB geordert? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr Von Tobias Rabe

17.10.2014, 08:15 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.10.2012, 06:00 Uhr

Antibiotika-Notstand in der Medizin

Von Joachim Müller-Jung

Immer mehr Antibiotika werden unwirksam, die Opferzahlen steigen seit Jahren. Und der Bundesminister? Der tut bestürzt und pflegt die politische Tradition: im Hintergrund bleiben. Mehr 2 86