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Zukunft der Raumfahrt Noch einmal zum Mond?

20.07.2009 ·  Der Mars ist das nächste ferne Ziel der bemannten Weltraumfahrt. Es besteht wohl kein Zweifel, dass eines Tages Menschen auch auf diesem Planeten landen werden. Den Mond braucht man dafür nicht.

Von Günter Paul
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Große Ziele lassen sich ohne eine Vision und außergewöhnliche Umstände selten erreichen. Als vor vierzig Jahren Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen auf dem Mond landeten, war das zweifellos auch dem Kalten Krieg zu verdanken. Der Sputnikschock - das Entsetzen darüber, dass es dem technisch auf den meisten Gebieten abgeschlagenen Klassenfeind in der Sowjetunion gelungen war, nicht nur die ersten Erdsatelliten, sondern mit Juri Gagarin auch den ersten Menschen in den Weltraum zu bringen - hatte Amerika ergriffen. Daraufhin setzte Präsident Kennedy der Nation die Erfüllung eines Menschheitstraums als Ziel: Noch in demselben Jahrzehnt sollten Menschen auf dem Mond landen und sicher zur Erde zurückkehren.

Vierzig Jahre danach werden die damaligen Mondflüge gelegentlich auf den Kalten Krieg reduziert und die Mondfahrer zu nüchternen Befehlsempfängern abgestempelt, die den Erdtrabanten nicht für unsere Gefühlswelt hätten erschließen können. Aber als Apollo 11 kurz vor der Landung fast gescheitert wäre, weil die Landekapsel auf ein Geröllfeld zuflog, konnte nur jemand wie der frühere Testflieger Armstrong den Erfolg der Mission sicherstellen. Armstrongs erster kleiner Schritt auf dem Mond wird von Kritikern auch deshalb nicht als ein großer Sprung für die Menschheit anerkannt, weil es für die Apollo-Mission keine Nachfolge gab. Aber ändert das etwas an dem Triumph, dass Menschen auf einem anderen Himmelskörper gelandet sind?

Längst hinfällig

Im Januar 2004 hat der jüngere Präsident Bush eine Rückkehr von Menschen zum Mond um 2020 und einen späteren Weiterflug zum Mars angekündigt. Dabei mag er sich wie ein zweiter Kennedy gefühlt haben. Doch vieles deutet darauf hin, dass diesmal die Motivation für ein so großartiges Projekt nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Bush hatte vermutlich nur ein eher persönliches Ziel, das wenige mitreißen kann: Er wollte in der Geschichte der Präsidenten besser dastehen und ein Vermächtnis seines Vaters - zumindest in Stufen - erfüllen: Bush senior hatte schon 1989 Astronauten direkt zum Mars schicken wollen, aber keine Unterstützung für das kostspielige Vorhaben gefunden. Vater und Sohn ließen die Frage der Finanzierung weitgehend offen.

Kennedy hatte in der damals noch jungen Raumfahrtbehörde Nasa und vor allem bei dem enthusiastischen Raketenbauer und Visionär Wernher von Braun die notwendige Unterstützung gefunden. Heute jedoch scheint bei der Nasa, zumindest was die bemannte Raumfahrt anbelangt, die Bürokratie zu herrschen. Der seinerzeit amtierende Nasa-Administrator Griffin hat sich zwar rasch den Plänen Bushs angeschlossen, aber letztlich ohne Überzeugung. Denn ein bemannter Mondflug ist ohne Risiko nicht möglich, und Griffin hat das Risiko in der Raumfahrt weitgehend ausschalten wollen. Zwischenzeitlich hatte er sogar den letzten Wartungsflug einer Raumfähre zum Hubble-Weltraumteleskop gestrichen, weil die Astronauten sich gegebenenfalls nicht zur Internationalen Raumstation hätten retten können. Wie soll man bei dieser Einstellung zum Mond fliegen?

Geklärt werden müsste auch, warum die Nasa eigentlich wieder zum Mond fliegen soll. Weil er ein Sprungbrett zum Mars sei, heißt es gelegentlich; aber eine Flotte von Marsschiffen kann genauso gut in der Erdumlaufbahn zusammengesetzt werden. Und auch im Hinblick auf die Wissenschaft ist das Vorhaben schlecht durchdacht. Als die Nasa sich schon für den Bau einer Forschungsstation auf dem Mond festgelegt hatte, startete sie eine Umfrage unter Wissenschaftlern, wie man diese Niederlassung nutzen könne. In den Antworten war häufig von Teleskopen auf dem Mond die Rede, so als gäbe es die zuverlässigen Weltraumteleskope nicht, oder von einer Beobachtung der Erde vom Mond aus. Das alles ist durch moderne Entwicklungen längst hinfällig geworden.

Kein Zweifel

Auch über die technische Realisierung des Vorschlags von Bush scheint man sich bei der Nasa den Kopf nicht sonderlich zerbrochen zu haben. Irgendwie kam eine Einigung zustande, wie bei den Apolloflügen vorzugehen sei; so will man beispielsweise die Astronauten mit konischen Kapseln zur Erde zurückkehren lassen, die dann im Meer landen. Vor einem Jahr tauchten Wissenschaftler der Nasa im Ableger des National Air and Space Museum der Smithsonian Institution in Suitland (Maryland) auf, um die dort aufbewahrten Hitzeschutzschilde der Apollo-Kapseln zu studieren. Und eine andere Forschergruppe der Nasa hat derweil die mit Drahtgittern produzierten Räder der Apollo-Mondfahrzeuge im Museum inspiziert und zwölf Replikate zum Studium ihrer Eigenschaften bauen lassen.

Es besteht wohl kein Zweifel, dass eines Tages Menschen auch auf dem Planeten Mars landen werden. Ob sie in absehbarer Zeit — in Vorbereitung einer solchen Expedition — zum Mond zurückkehren, ist jedoch ungewiss. Präsident Obama jedenfalls hat zunächst einmal eine unabhängige Kommission einberufen, die bis zum September die Pläne der Nasa prüfen soll; und auch der neue Nasa-Chef Bolden hat sich noch nicht festgelegt.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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