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Welt-Biodiversitätsrat : Bonn verwaltet die globale Artenvielfalt

Scheu und streng geschützt: ein Feuersalamander Bild: dpa

Der Weltklimarat hat jetzt im globalen Naturschutz einen Bruder. Sitz des Welt-Biodiversitätsrats, der gegen das Artensterben kämpfen soll, ist überraschend Deutschland geworden.

          Das war durchaus eine Überraschung – und spannend wie ein Krimi: Deutschland hat für Bonn den Sitz der „Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) ergattert - ein Pendant zum Weltklimarat in Fragen der Artenvielfalt. Auf der entscheidenden Sitzung zur Einsetzung des neuen Uno-Gremiums in Panama City hat sich Deutschland in der Nacht zum Freitag mit seiner Bewerbung für den Sekretariatssitz im vierten Wahlgang mit 47 zu 43 Stimmen gegen den deutlichen Favoriten Südkorea durchgesetzt.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ähnlich wie der Weltklimarat IPCC, der die Regierungen wissenschaftlich über den Klimawandel berät, sollen in dem Weltbiodiversitätsrat Experten die Entwicklung der natürlichen Artenvielfalt auf der Erde erfassen und die Umweltpolitiker beraten. Grundlage sollen die Sachstandsberichte zur weltweiten Artenvielfalt sein, die regelmäßig veröffentlicht werden. Kurz vor Weihnachten 2010 hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Gründung des IPBES beschlossen. Nach Panama waren Delegationen aus 103 Ländern gereist, 92 hatten ein Stimmrecht. Neben Deutschland und Südkorea waren im ersten Wahlgang noch Kenia, Frankreich und Indien im Rennen. „Damit hat Deutschland eine Verantwortung für IPBES übernommen, zu der es langfristig stehen muss“, kommentierte Axel Pausch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, einer der deutschen Delegierten.

          Kein einziges Land konnte Artensterben bisher stoppen

          Das neue Gutachtergremium geht auf Initiativen innerhalb der Umweltabteilungen der Vereinten Nationen zurück, die bis ins Jahr 2000 zurückreichen. Damals wurde das „Millennium Ecosystem Assessment“ ins Leben gerufen, das als wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung diverser umweltpolitischer Konventionen gedacht war, die vor allem in den achtziger und neunziger Jahren zum Schutz von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen abgeschlossen worden waren.

          Bei den jüngsten Verhandlungen der Vertragsstaaten zur Biodiversitätskonvention, die 2008 in Bonn stattgefunden hatte und als großer Erfolg galt, ist deutlich geworden, dass kein einziges Land es bisher geschafft hat, das Verschwinden und Zurückdrängen heimischer Arten sowie die Einwanderung gebietsfremder Organismen zu bremsen.

          50 bis 150 Arten sterben pro Tag aus

          Nach groben Schätzungen sterben pro Tag zwischen 50 und 150 Arten aus. In den nächsten Monaten sollen nach Rücksprache mit den jeweiligen Regierungen hunderte Fachleute in den Weltbiodiversitätsrat berufen werden. Sie sind ehrenamtlich tätig und sollen vor allem die nationalen Zustandsberichte sowie neue Studien aus aller Welt zusammentragen und auswerten. Ob diese Biodiversitätsforscher völlig unabhängig von der Politik arbeiten sollen und ihre Tagesordnung festlegen, oder ob die Politik bei der Auswahl der Schwerpunktthemen ein Wörtchen mitreden soll, ist noch unklar. Auch die Frage, wo genau innerhalb der UN-Organisation das neue Gremium angesiedelt wird, ob in der Unep, der Unesco, UNDP oder FAO, will man noch bis zum Schluss der Konferenz am Wochenende klären.

          Was die Finanzen angeht, wird ein Bedarf von zweieinhalb bis fünf Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Hinzu kommen etwa drei Millionen Euro jährlich für die Unterhaltung eines zentralen IPBES-Sekretariats in Bonn und für die regionalen Sekretariate.

          Quelle: FAZ.NET

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