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Veröffentlicht: 02.01.2012, 12:43 Uhr

Sternzeit Ausreißer mit Speed

VFTS 102 ist ein ungewöhnliches Gestirn in der Großen Magellanschen Wolke. Es rotiert so schnell, dass es zu zerreißen droht. Über seine Geschichte rätseln die Astronomen.

von Jan Hattenbach
© dpa Animation: Rotierendes Gestirn VFTS 102

Gemächlich rotiert unsere Sonne. Um sich einmal um die eigene Achse zu drehen, benötigt sie fünfundzwanzigmal so lang wie die Erde. Der Stern VFTS 102 in der Großen Magellanschen Wolke, einer 160 000 Lichtjahre entfernten Nachbargalaxie, schafft das in nur zwei Stunden. Er rotiert dreihundertmal so schnell wie unser Tagesgestirn. An seinem Äquator bewegen sich die Gasmassen mit einem Tempo von rund sechshundert Kilometern pro Sekunde. Das ist ein Geschwindigkeitsrekord und hart an der Stabilitätsgrenze. Denn würde er noch schneller rotieren, dann sorgten die nach außen gerichteten Fliehkräfte dafür, dass sein flüchtiges Material in den Weltraum geschleudert und er so förmlich zerrissen würde.

Steckbrief von VFTS 102 

Der stellare Kreisel ging den Astronomen um Philip Dufton von der Queen's University in Belfast ins Netz, die mit dem Very Large Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile nach massereichen Sternen in der Magellanschen Wolke suchten. Der Stern VFTS 102 bringt das Fünfundzwanzigfache der Sonnenmasse auf die Waage und ist etwa hunderttausendmal so leuchtkräftig wie unsere Sonne. Außerdem rast er mit einem vergleichsweise hohen Tempo durch die Galaxie.

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Rätselhafte Geschichte

Die Forscher um Dufton haben wegen dieser ungewöhnlichen Eigenschaften ein interessantes Szenario für die unbekannte Geschichte von VFTS 102 entworfen - das allerdings freilich höchst spekulativ ist, wie die Forscher in der kommenden Ausgabe der "Astrophysical Journal Letters" (doi: 10.1088/ 2041-8205/743/1/L22) betonen. Danach ist das schnelle Objekt wahrscheinlich ein sogenannter Ausreißerstern: Ursprünglich könnte VFTS 102 Teil eines Doppelsternsystems gewesen sein, der ständig Materie von einem Begleitstern aufsammelte. Dabei haben seine Masse und seine Rotationsgeschwindigkeit immer weiter zugenommen. Als der Begleiter schließlich als Supernova explodierte, wurde VFTS 102 aus dem System herausgekickt. Seither entfernt er sich - sollte die These von Dufton und seinen Kollegen richtig sein - immer weiter von seinem einstmaligen Partner. Tatsächlich befinden sich in der Nachbarschaft ein Pulsar und eine expandierende Gaswolke, die als Überreste einer Supernova in Frage kommen.

Lebensende als  Supernova

Dem Stern VFTS 102 wird übrigens das gleiche Schicksal widerfahren wie seinem - hypothetischen - ehemaligen Begleiter: Aufgrund seiner großen Masse wird auch er eines Tages als Supernova explodieren. Dabei dürfte er hell genug sein, dass man ihn auch am irdischen Himmel mit bloßem Auge sehen kann. Sterngucker sollten allerdings Geduld haben: Bis zum feurigen Ende von VFTS 102 werden noch einige Millionen Jahre vergehen.

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