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Sonntag, 12. Februar 2012
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Stammzellforschung Unbestreitbar zielgerichtet

11.04.2008 ·  Der Rechtfertigungsdruck auf die Stammzellforschung und ganz besonders auf deutsche Wissenschaftler ist enorm gewachsen. Selten hat man eine Forschungsrichtung in solchen Verlegenheiten erlebt. Doch Gerüchte, die Experimente dienten keiner Therapieabsicht mehr, sind töricht.

Von Joachim Müller-Jung
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Der Rechtfertigungsdruck auf die Stammzellforschung und ganz besonders auf deutsche Wissenschaftler ist enorm gewachsen. Selten hat man eine Forschungsrichtung in solchen Verlegenheiten erlebt. Wenige haben sich aber auch so verteidigungsbereit und konsequent gezeigt.

Den Brief mit der Unterschriftenliste von siebzehn führenden Stammzellforschern an die Bundestagsabgeordneten, in dem sie für Erleichterungen in der Forschung an importierten embryonalen Stammzellen werben, kann man als Ausdruck dieser Geschlossenheit werten. Einer demonstrativen Geschlossenheit, die von den Verfechtern embryonaler Stammzellen ebenso wie von Protagonisten der adulten Stammzellen getragen wird und die noch dazu in den zurückliegenden Monaten von diversen Stellungnahmen der Akademien, Förderorganisationen sowie schließlich auch den Internisten als der ersten medizinischen Fachgesellschaft flankiert wurde.

Forschungsrealität und Gerüchte

Was aber wird da gemeinsam verteidigt? Natürlich die embryonale Stammzellforschung, zuletzt aber vor allem auch die Forschungsrealität gegen Gerüchte. Das törichte Gerücht etwa, mit den Experimenten würden längst keine Therapieabsichten mehr verfolgt. Man muss nicht lange suchen: Sehzellen, die aus embryonalen Stammzellen hergestellt wurden, Stammzellen zur Reparatur von Blutgefäßen, Transplantate gegen Parkinson und Muskeldystrophien, Zellkulturen als Krankheitsmodell für das Fragile-X-Syndrom - alle diese Beispiele aus jüngster Zeit sind zwar noch im tierexperimentellen Stadium, aber unbestreitbar zielgerichtet.

Ein anderes Beispiel: Forscher der University of California haben zusammen mit einer "klinisch orientierten" amerikanischen Firma Anfang der Woche in der Zeitschrift "Regenerative Medicine" ein Verfahren zur quasiindustriellen Nutzung der Stammzellkulturen vorgestellt. Aus den Stammzellen wurden in kürzester Zeit und mit bisher nicht dagewesener Präzision mehr als 140 halbwegs spezialisierte Vorläuferzelltypen aus embryonalen Stammzellen hergestellt - transplantierbare Zellen, deren Bestimmung schon in der Petrischale festgelegt und deren Tumorrisiko damit stark reduziert wurde. Wie weit, weiß heute niemand genau. Das ist vielmehr Gegenstand jener Arbeiten, für die die Forschung jetzt ficht.

Die einen arbeiten dafür ...

In diesen Tagen haben Forscher aus Stanford und aus Israel gezeigt, wie nah Stammzellen auf der Ebene der Genaktivitäten jenen Zellen sind, die Krebs vorantreiben und möglicherweise sogar verursachen. Wer will, wird eine Gefahr wittern - das Risiko der Entartung von Zelltransplantaten -, wo die Forschung die Chance sieht, früher oder später neue Waffen gegen Tumore zu entwickeln. Und wo sie die konkrete Option erkennt, Körperzellen gezielt so umzuprogrammieren, dass bösartigen Wucherungen präventiv begegnet wird. Was am Ende herauskommt, ob die Hoffnungen tragen, bleibt heute Spekulation. Realität bleibt aber auch: Die einen arbeiten dafür, die anderen mit scheinbar voller Überzeugung dagegen.

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