http://www.faz.net/-gwz-721ss
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.08.2012, 15:44 Uhr

Stadtklima Die reinste Sauna

Das Problem mit der Hitze hat Freiburg genauso wie New York. Klimaforscher warnen schon seit langem: Unsere Städte heizen sich auf. Doch Stadtplaner wissen immer noch nicht so recht, was sie dagegen tun sollen.

von Andreas Frey
© dapd Auch Deutschlands Bankenstadt Frankfurt hat ein Problem mit dem Stadtklima.

Freiburg kann das Paradies sein. Doch in der sengenden Mittagshitze ist die Stadt eher die Hölle. Die Sonne scheint nicht, sie brät. Einzig im Schatten lässt es sich aushalten. Den findet man dieser Tage beispielsweise auf dem Platz der Alten Synagoge, der an das Freiburger Universitätsgelände grenzt. Stämmige Platanen haben an den Rändern der großen Rasenfläche ein grünes Dach aufgespannt. Noch bieten sie Schutz. Doch schon in ein paar Monaten wird die Motorsäge anrücken.

Freiburg soll urbaner werden, hat die selbsternannte „Green City“ beschlossen. Dafür müssen Rasen und zahlreiche Bäume weichen. Die Neugestaltung des Platzes ist längst zum Politikum geworden. Kritiker sprechen von einem Backofen, den man sich da in der wärmsten Stadt Deutschlands bauen werde. Ein neues Gutachten der Universität Freiburg bescheinigt, dass das zu unerträglicher Hitze im Sommer führen wird. Die Klimaerwärmung ist in dem Szenario noch gar nicht berücksichtigt.

Mehr als die Hälfte der Menschheit wohnt mittlerweile in Städten, in Deutschland sind es drei Viertel der Bevölkerung. Um Wohn- und Büroraum zu schaffen, werden Freiflächen systematisch zugebaut. Die kompakte, verdichtete City ist eines der beliebtesten Konzepte der modernen Stadtplanung.

550 Jahre Uni Freiburg © dpa Vergrößern Schon in ein paar Monaten soll es in der Nähe des Freiburger Universitätsgelände deutlich weniger schattige Plätze geben.

Welche Folgen das für das Stadtklima hat, ist bislang kaum erforscht worden. „Das Wissen über den Klimawandel in der Stadt ist kümmerlich bis nicht vorhanden“, sagt der Meteorologe Hans von Storch von der Universität Hamburg. Global gesehen sei der Klimawandel zwar sehr gut untersucht und nachgewiesen, und er sei keineswegs auf die zunehmende Urbanisierung zurückzuführen, wie Klimaskeptiker gerne behaupten. Doch auf lokaler Ebene lägen bisher lediglich dürre Ergebnisse und vage Erkenntnisse vor, sagt von Storch.

Dazu tausendundeine meteorologische Prozessstudien, die zwar hübsche Ergebnisse lieferten, aber kein überzeugendes Gesamtbild. Dabei ist der städtische „Wärmeinsel-Effekt“ schon vor zweihundert Jahren beschrieben worden. Der Apotheker, Hobby-Meteorologe und Wolkenforscher Luke Howard wies ihn 1819 am Beispiel seiner Heimatstadt London nach und verfasste zwei Bände zum Thema „The Climate of London“.

Städte sind häufig einige Grad wärmer als das Umland

Er zeigte damals, dass die Stadt, vor allem bei strahlungsintensiven Hochdruckwetterlagen, ganzjährig um ein bis drei Grad wärmer ist als ihr Umland. Ursachen für diesen Effekt sind ebenfalls schon gefunden worden: Die dichte Bebauung bremst Winde, erzeugt aus sich heraus Wärme, speichert sie und fördert damit häufig noch die Konvektion im Osten der Stadt, so dass dort mehr Regen fällt. Zudem ist die Stadt eine stete Quelle von Luftschadstoffen. Die Wärme- und Schadstoffschicht hängt häufig wie eine Glocke über der Stadt, sie kann Dutzende Meter mächtig sein.

Seit rund vierzig Jahren weiß man auch, dass die Intensität des Wärmeinsel-Effekts mit der Größe der Stadt zunimmt. Er wirkt sich in höheren Breiten stärker aus als in den Tropen. In Vancouver etwa sind in den siebziger Jahren ganze zwölf Grad Unterschied zwischen Stadt und Umland gemessen worden.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bedrohtes Weltnaturerbe Korallenbleiche gefährdet Great Barrier Reef

Alarm am Great Barrier Reef: Viel zu warmes Wasser hat die Korallen vielerorts erbleichen lassen. Eine Regeneration ist nur möglich, wenn die Wassertemperatur wieder drastisch sinkt. Die Chancen dafür sinken allerdings. Mehr

21.04.2016, 16:06 Uhr | Wissen
Uni-Ratgeber Drei Gründe, Ökonomie zu studieren

Lars Feld ist Professor an der Universität Freiburg und einer der fünf Wirtschaftsweisen der Bundesregierung. Mehr

14.04.2016, 14:54 Uhr | Aktuell
Neuschnee und glatte Straßen Nach dem Kälteinbruch bleiben die Aussichten trübe

Am Wochenende hat sich der Winter zurückgemeldet. Auf der Zugspitze fielen 14 Zentimeter Neuschnee, in Travemünde standen die Strandkörbe in der Sonne. Für die Woche erwartet uns trübes Wetter. Mehr

24.04.2016, 15:12 Uhr | Gesellschaft
Video Aufregung um kletternden Baby-Bär

Die Anwohner in Cortland im amerikanischen Bundesstaat New York staunten nicht schlecht: Ein Baby-Bär kletterte in einem Baum herum. Mehr

26.04.2016, 15:30 Uhr | Gesellschaft
Endlich Frühling Vatertagsausflüge im T-Shirt

Der Frühling setzt sich in Deutschland endlich durch. Nach einem kühlen Regentag am Dienstag und einer Nacht im Bodenfrost. Mehr

01.05.2016, 14:55 Uhr | Gesellschaft