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Schock unter Wasser : Wie man seine Feinde fernsteuert

Zitteraal mit Beute. Bild: F.A.Z., Vanderbilt University

Elektroschocks zum Angeln: Ein amerikanischer Forscher hat entdeckt, wie der Zitteraal ein paar hundert Volt einsetzt, um seine Feinde fernzusteuern. Jagd, Brautschau - mit Strom geht viel mehr als man denkt.

          Er ist der elektrostuhlgewordene Alptraum von Fischern, Wanderern und Erforschern der lateinamerikanischen Wildnis: Der Zitteraal, ein bis zu zweieinhalb Meter langer, muskelbepackter Neuwelt-Messerfisch mit einer Art körpereigenem Hochvoltgenerator, hatte bereits Anfang des achtzehnten Jahrhunderts dem deutschen Forscherpionier Alexander von Humboldt auf dessen Streifzügen durch die Amazonas- und Orinoco-Region buchstäblich das Fürchten gelehrt. Das zeigen dessen Reiseberichte nur zu deutlich:

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          • „Unsere Führer brachten Pferde und Maultiere und jagten sie ins Wasser. Ehe fünf Minuten vergingen, waren zwei Pferde ertrunken. Der 1,6 Meter lange Aal drängt sich dem Pferde an den Bauch und gibt ihm einen Schlag. Aber allmählich nimmt die Hitze des ungleichen Kampfes ab, und die erschöpften Aale zerstreuen sich. In wenigen Minuten hatten wir fünf große Aale. Nachdem wir vier Stunden lang an ihnen experimentiert hatten, empfanden wir bis zum anderen Tage Muskelschwäche, Schmerz in den Gelenken, allgemeine Übelkeit.“
          Zitteraale

          Längst ist klar, wie der Fisch den Strom mit einer Leistung von mehreren hundert Watt erzeugt: mit Hilfe von Tausenden von Elektrozyten - umgewandelten, elektrische Spannung erzeugenden  Muskelzellen -, die in dem langen Körper in Reihe geschaltet sind und dadurch  furchteinflößende Elektroschocks erzeugen können - können wohlgemerkt! Denn der Zitteraal kann auch sanfte elektrische Ströme produzieren, etwa bei der Partnerwahl. Ob er allerdings auch bei der Auserwählten die wohldosierte elektrische „Gewalt“ einsetzt, wie er sie für die Jagd auf Fische und Wirbellose im Wasser nutzt , weiß man nicht genau. Klar ist:  Der Zitteraal setzt beim Jagen seine Elektroschocks nicht nur zum abrupten Lähmen und Töten der Opfer nach Feindkontakt ein. Vielmehr nutzt er sie ganz gezielt und dosiert  sie entsprechend, um sein Ziel sozusagen fremd zu steuern. Er nutzt dabei eine Doppelstrategie: Einerseits erzeugt er sanfte Elektroschocks, um seine Beute auszuspähen, sie zu orten und gewissermaßen ein elektrisches Profil seines Ziels zu generieren. Andererseits ist der Elektroschock für ihn in der Hochvolt-Version die ultimative Waffe. 

          Wie der  amerikanische Biologe Kenneth Catania von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, in der Zeitschrift „Science“ berichtet, sind die Stromstöße des Fischs so reguliert, dass er die Beute sogar regelrecht aus ihrem Versteck heraus manövrieren kann. Der Trick ist, dass der elektrische Strom die Motoneurone und damit die mit den Nerven verdrahteten Muskeln der Beutefische aktiviert und so unwillkürliche Bewegungen erzeugt. Er produziert also ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Elektroschocks. 

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