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Schilddrüse Die Schaltzentrale im Hals

Die Schilddrüse ist nur so groß wie eine Walnuss. Doch wenn ihre Hormonproduktion nicht funktioniert, kann der ganze Körper durcheinander kommen. Oft werden Schilddrüsenerkrankungen erst spät entdeckt.

© plainpicture/STOCK4B-RF Vergrößern Viele Schilddrüsenerkrankungen beginnen schleichend.

Erst merkten es die Kollegen, dann wurde es Barbara Schulte selbst bewusst: Langweilig und träge sei sie geworden, sagt sie, vergesslich und unkonzentriert. Quälend langsam schleppte sich die 43-Jährige durch den Tag. Nach Feierabend war sie erschöpft und ging schlafen. Als endlich klarwurde, dass hinter ihrer Antriebslosigkeit eine Erkrankung der Schilddrüse vom Typ Hashimoto-Thyreoiditis steckt, hatte Barbara Schulte schon zahlreiche Arztbesuche hinter sich gebracht.

Das ist durchaus typisch: Das Leiden, das zum ersten Mal 1912 von dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto beschrieben wurde und in mehreren Verlaufsformen vorkommt, tritt zwar familiär gehäuft auf - es bleibt aber auch in vielen Fällen lange unentdeckt.

Das ist deshalb problematisch, weil bei der Krankheit, die am häufigsten bei Frauen mittleren Alters beobachtet wird, eine Reaktion des Immunsystems zur allmählichen Zerstörung der Schilddrüsenzellen führt. Im Anfangsstadium kann es dabei sogar zu einer Überfunktion kommen, langfristig aber ist eine Unterfunktion die Folge.

Die Symptome sind vielfältig

Das Organ produziert dann zu wenig Hormone. Übergewicht, Müdigkeit und Erschöpfung, Haarausfall, Veränderungen der Haut, Ausbleiben der Menstruation oder grundlose Traurigkeit sind nur einige der individuell sehr unterschiedlichen Symptome.

Die Hauptaufgabe der schmetterlingsförmigen Schilddrüse (siehe Grafik) besteht in der Speicherung von Jod und - mit dessen Hilfe - der Produktion der Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3). Beide treten in den Blutkreislauf ein und gelangen mit Hilfe von Transportmolekülen in die Zellen. Dort werden sie für verschiedene Prozesse benötigt: Sie regulieren den Sauerstoffverbrauch und den Energiestoffwechsel, sie sorgen dafür, dass das zentrale Nervensystem, die Reflexe und die Muskulatur richtig funktionieren, sie stimulieren das Herz und wirken sich letztlich auch auf die Psyche aus.

Infografik / Die Lage der Schilddrüse © F.A.Z. Vergrößern Unter dem größten Knorpel des Kehlkopfes, dem Schildknorpel, sitzt die Schilddrüse. Ihre beiden Lappen sind durch den Isthmus verbunden.

Weil die Hormone aber in derartig vielen Bereichen wirken, ist das Krankheitsbild bei der Schilddrüsenunterfunktion auch so diffus. „Es gibt wenig spezifische Symptome“, sagt Roland Gärtner, Endokrinologe an der Universitätsklinik München. Und es gibt bei weitem nicht nur eine einzige Krankheit, die zu einer Fehlfunktion der Schilddrüse führt (siehe „Ein anfälliges Organ“).

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis dringen bestimmte Zellen des Immunsystems, die Lymphozyten, in die Schilddrüse ein. „Man kann sich das bildlich so vorstellen, dass das Organ vom Immunsystem als etwas Fremdes erkannt wird“, sagt Roland Gärtner. Die Lymphozyten sorgen dann dafür, dass Antikörper gegen bestimmte Proteine gebildet werden, die bei der Hormonbildung helfen. Die Rolle dieser Antikörper im Krankheitsverlauf ist kompliziert.

Hashimoto muss früh erkannt werden

Bei vielen diagnostizierten Hashimoto-Fällen sind sie zwar nachweisbar. Umgekehrt leiden aber nicht alle, die diese Antikörper aufweisen, auch an der Krankheit. Trotzdem gilt es als wahrscheinlich, dass die Antikörper die Entzündung der Schilddrüse verstärken. Ein zweites Problem für Hashimoto-Patienten ist, dass es bei ihnen zur Ausschüttung von Zytokinen kommt. Diese Botenstoffe können dazu führen, dass die Schilddrüsenzellen buchstäblich Selbstmord begehen.

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Veröffentlicht: 18.09.2012, 09:30 Uhr