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Reproduktionsmedizin : Das anonyme Geschäft der Samenbanken

Künstliche Befruchtung: Einbringen einer Samenzelle in eine Eizelle Bild: picture-alliance / dpa

In den Vereinigten Staaten wurden mittlerweile rund eine Million Kinder auf anonyme Weise über Samenbanken gezeugt. In Deutschland wird ihre Zahl auf 100 000 geschätzt. Das Recht auf Kenntnis ihrer genetischen Abstammung besitzen sie seit 1989.

          Die künstliche Befruchtung einer Frau mit dem Samen eines fremden Mannes galt lange Zeit als medizinisches Tabu. Noch 1959 verurteilte der Deutsche Ärztetag entsprechende Versuche als "standesunwürdig". Erst in den siebziger Jahren setzte sich weltweit eine Liberalisierung durch. Seitdem wird die sogenannte "donogene Insemination" dann empfohlen, wenn der männliche Partner an vollständiger Unfruchtbarkeit leidet oder die Gefahr besteht, dass er eine Krankheit vererben könnte.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Männliche Samenzellen lassen sich, anders als weibliche Eizellen, problemlos in flüssigem Stickstoff einfrieren und in Samenbanken fast unbegrenzt lagern. Kosten und Aufwand einer künstlichen Insemination sind im Vergleich zu einer Reagenzglasbefruchtung relativ gering. Ärztliche Assistenz ist nicht einmal notwendig, doch wird empfohlen, den Tag des Eisprungs genau zu kontrollieren und das Sperma durch eine Kanüle direkt in den Uterus einzuführen.

          Erfolgsrate bei 10 bis zwanzig Prozent

          Die Erfolgsrate liegt bei unter dreißigjährigen Frauen mit zehn bis zwanzig Prozent pro Behandlungszyklus ähnlich hoch wie bei einer normalen Empfängnis. Zusätzliche Komplikationen sind nicht zu erwarten, solange sich die Frau nicht einer hormonellen Behandlung unterzieht. Über sonstige Risiken der künstlichen Insemination wurde bislang nichts bekannt. Sperma aus Samenbanken gilt sogar als besonders sicher, weil es systematisch auf Krankheitserreger und eventuelle genetische Belastungen hin untersucht wird.

          In die Schlagzeilen geriet das Geschäft der Samenbanken, als der amerikanische Geschäftsmann Robert Graham 1980 ankündigte, gezielt das Sperma von Nobelpreisträgern verbreiten zu wollen, wozu es aber nur in einem einzigen Fall kam. Sein damaliger Mitarbeiter Cappy Rothman betreibt heute mit der California Cryobank eine der größten kommerziellen Spenderbanken der Welt. Der Elitegedanke spielt bei der Auswahl nach wie vor eine Rolle, wird aber nicht mehr als anstößig empfunden. Die Spenderprofile bieten meist detaillierte Angaben zu ethnischer Zugehörigkeit, Aussehen, Bildungsgrad und sonstigen Eigenschaften.

          Recht auf die Kenntnis genetischer Abstammung

          Rund eine Million Kinder sind in den Vereinigten Staaten mittlerweile auf anonyme Weise über eine Samenbank gezeugt worden; in Deutschland schätzt man ihre Zahl auf 100 000. Inzwischen versuchen viele von ihnen, ihre genetische Herkunft aufzuklären. Die amerikanische Selbsthilfeorganisation Donorsibling Registry hat nach eigenen Angaben bereits fünftausend Halbgeschwister identifiziert, die gemeinsame biologische Spenderväter besitzen.

          In Deutschland gilt seit 1989, dass Kinder generell ein Recht auf die Kenntnis ihrer genetischen Abstammung besitzen. Seit 2006 sind Ärzte, die eine künstliche Insemination durchführen, nach europäischem Recht verpflichtet, alle nötigen Nachweise über dreißig Jahre hinweg aufzubewahren. Länder wie Schweden oder Großbritannien haben die anonyme Samenspende inzwischen verboten.

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