Home
http://www.faz.net/-gwz-75dml
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.12.2012, 15:09 Uhr

Raumfahrt Nasa-Experte von Puttkamer gestorben

Jesco von Puttkamer war eines der bekanntesten Gesichter der Nasa. Selbst im Abspann des „Star Trek“-Films taucht er auf - als Berater. Er starb am Donnerstag im Alter von 79 Jahren.

© dpa Jesco von Puttkamer testet einen Skylab-Raumanzug (Aufnahme von 1974).

Der deutsch-amerikanische Luftfahrtingenieur und Publizist Jesco von Puttkamer ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 79 Jahren, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Johann-Dietrich Wörner. Von Puttkamer starb nach Angaben aus Nasa-Kreisen an Herzversagen. Wörner nannte von Puttkamer einen „großen Kämpfer für die bemannte Raumfahrt“.

Der gebürtige Leipziger von Puttkamer war nach einem Maschinenbaustudium 1962 in die Vereinigten Staaten ausgewandert. „Der Mond war sein großes Lebensthema, der Mars seine große Zukunftshoffnung“, sagte der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), in einer ersten Reaktion. „Die deutsche Raumfahrt trauert mit dem amerikanischen Volk um einen genialen Raumfahrt-Ingenieur und begnadeten Vermittler von Raumfahrt-Themen.“ Von Puttkamer habe das Gesicht der Raumfahrt an der Seite Wernher von Brauns geprägt. Als Nasa-Experte war er einem breiten Fernsehpublikum bekannt geworden.

Enthusiast für die Raumfahrt

Der deutsch-amerikanische Fachmann arbeitete in den 1960er Jahren unter Wernher von Braun am Apollo-Mond-Programm. Nach dem Ende des Programms leitete er im NASA-Hauptquartier in Washington eine Arbeitsgruppe zur permanenten Erschließung des Alls. Seine Begeisterung für die Raumfahrt war auch durch Rückschläge nicht zu erschüttern. So vertrat er die Auffassung, dass die „Ausbreitung des Lebens ins All ein Hauptziel der Entwicklungsgeschichte des Menschen sein“ könnte und es „der Zweck der menschlichen Intelligenz und ihrer Schöpfung, der Technik“, sei, „diesem Ziel zu dienen“.

Ende des Jahrtausends war von Puttkamer als dienstältester Mitarbeiter zum Leiter des täglichen Bordbetriebes der Internationalen Raumstation ISS avanciert. An dem Projekt waren neben den Vereinigten Staaten 13 weitere Staaten beteiligt. Die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit sah von Puttkamer nicht nur darin, dass kein einzelner Staat den finanziellen Kraftakt allein stemmen musste, sondern auch, dass durch ein solch „friedliches Rüstungsprogramm“ Mittel gebunden wären, die „andernfalls in den militärischen Bereich gesteckt würden“.

Noch voller Zukunftsideen

2004 begann die Nasa mit einer „Langfriststrategie“ zur Weltraumerforschung, woran von Puttkamer in führender Stellung beteiligt war. Neben seiner Arbeit als Stratege bei der Nasa hatte er sich in Fachkreisen auch eine Reputation als Wissenschaftler erworben, der sich um einen Brückenschlag zwischen den Geistes- und Kulturwissenschaften einerseits und den Technologien andererseits bemühte.

So hat er neben verschiedenen Science-Fiction-Werken auch eine ganze Reihe von Sachbüchern publiziert. Darin setzte er den Lesern die Raumfahrt, ihre wissenschaftliche Bedeutung und ihre Fortschritte in verständlicher Sprache auseinander.

Zwischen 1978 und 1980 wirkte er darüber hinaus als Berater für die Umsetzung des Science-Fiction-Abenteuers „Star Trek - Der Film“. Zwischen 1985 und 2000 arbeitete er auch als Honorarprofessor an der Fachhochschule Aachen.

Luftfahrtingenieur Jesco von Puttkamer gestorben © dapd Vergrößern Jesco von Puttkamer, 1933-2012.

Von Puttkamer sei erst Ende November für eine Woche in Aachen zu Gast gewesen, und habe in seiner Tätigkeit als Honorarprofessor Vorträge vor Studenten gehalten, sagte der Sprecher der FH Aachen, Roger Uhle. „Mit seiner Begeisterung für die Raumfahrt hat er die Studierenden regelrecht angesteckt.“ In „äußerst guter Verfassung und Kondition“ habe er den 79-Jährigen bei seinem Aufenthalt in Aachen erlebt, weitere Treffen seien vereinbart worden.

DLR-Vorstandschef Wörner zeigte sich betroffen vom Tod des Wissenschaftlers. „Wir bedauern das sehr. Er war jemand, der von der Apollo-Ära immer noch überzeugend und authentisch berichten konnte.“ Erst vor drei Wochen habe er noch guten Kontakt mit von Puttkamer gehabt. Sie hätten vereinbart, sich wieder zu treffen, „um über Zukunftsideen nachzudenken“.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Raketentest Amerika fordert beispiellose Sanktionen gegen Nordkorea

Mit dem Raketentest hat Nordkorea die Weltgemeinschaft brüskiert. Die Vereinigten Staaten wollen im UN-Sicherheitsrat nun die bislang härteste Reaktion auf die Provokation durchsetzen. Mehr

08.02.2016, 07:45 Uhr | Politik
Trailer Familie Braun

Trailer zur ZDF-Serie Familie Braun Mehr

04.02.2016, 16:09 Uhr | Feuilleton
Zum Tod von Paul Kantner Rock unter Kontrolle

Er war der Gitarrist und Songschreiber bei Jefferson Airplane und überlebte die achtziger Jahre mit eher mittelmäßiger Musik. Jetzt ist Paul Kantner, dem gerade der Ehren-Grammy zugesprochen wurde, gestorben. Mehr Von Edo Reents

29.01.2016, 16:01 Uhr | Feuilleton
Blizzard Mehrere Tote bei Schneesturm in Amerika

In der Nacht zu Samstag ist es im Osten der Vereinigten Staaten aufgrund des schlechten Wetters zu schweren Autounfällen gekommen, bei denen mehrere Menschen starben. Mehr

23.01.2016, 11:01 Uhr | Gesellschaft
Kampf gegen Tabak Die WHO will, dass in Filmen nicht mehr geraucht wird

Rauchende Colts sind okay. Rauchende Cowboys nicht. Schon gar nicht, wenn sie von Stars gespielt werden. Die WHO warnt vor dem Nachahmer-Effekt bei Jugendlichen und fordert strenge Auflagen. Mehr

01.02.2016, 11:31 Uhr | Gesellschaft