Home
http://www.faz.net/-gwz-qgtm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Raumfahrt EADS: Raumgleiter statt Ariane

17.05.2005 ·  Die Entwicklung einer leistungsstärkeren Ariane-Trägerrakete wird vom Raumfahrtkonzern EADS gestoppt. Für einen solchen Lastentransporter gebe es derzeit keinen Bedarf.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Bei einer Nutzlast von zehn Tonnen ist für Europas Trägerrakete Ariane erst einmal Schluß: Wie der zuständige Spitzenmanager des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS Josef Kind, der Zeitung „Financial Times Deutschland“ sagte, will sein Haus die Entwicklung einer noch stärkeren Rakete für Transporte von bis zu zwölf Tonnen stoppen. Der Chef von EADS Space Transportation brachte stattdessen die Entwicklung unbemannter Raumgleiter ins Spiel. Ein derartiges Vorhaben würde nach Einschätzung von Kind auch von Deutschland unterstützt.

Europas Trägerraketen können in ihrer bislang stärksten Form als Ariane-5 ECA bis zu zehn Tonnen Nutzlast ins All befördern; dies entspricht zwei großen Satelliten. Pläne für eine noch stärkere Rakete gibt es seit 2001, sie erlitten aber mit dem Absturz der allerersten Ariane-5 ECA im Dezember 2002 einen erheblichen Dämpfer. Inzwischen absolvierte eine umgebaute Ariane-5 ECA einen ersten erfolgreichen Flug; ein zweiter soll im Sommer folgen. „Eine Zwölf-Tonnen-Version brauchen wir derzeit nicht. Es fehlt dafür der Markt“, sagte Kind und fügte hinzu: „Wir sollten das Vorhaben auf Eis legen.“ EADS Space Transportation ist größter industrieller Arianespace-Anteilseigner.

2006: Esa-Raumgleiter zur ISS

Unbemannte europäische Raumgleiter könnten dem Bericht zufolge zwischen 2015 und 2020 einsatzbereit sein. EADS-Spitzenmanager Kind hofft dazu nach eigenen Angaben auf eine Grundsatzentscheidung beim Esa-Ministertreffen im Dezember. „Ich sehe hierfür auch die Unterstützung der Bundesrepublik“, sagte Kind. Das Projekt würde demnach pro Jahr 200 bis 250 Millionen Euro kosten und könne dabei 1500 Arbeitsplätze sichern.

Das Ariane-Raketenprogramm war nach dem Absturz der ersten Ariane-5 ECA ins Trudeln gekommen und mit einem 960 Millionen Euro teuren Programm gerettet worden. Im nächsten Jahr will die Esa einen ersten unbemannten Raumfrachter zur Internationalen Raumstation ISS schicken. 2007 soll dann Europas erste kleine Trägerrakete namens Vega ins All starten. Zugleich suchen die Experten nach möglichen Nachfolge-Konzepte für die Ariane; dabei dreht sich der Streit im Grundsatz darum, ob ein wieder verwendbares System oder eine Einwegrakete günstiger ist.

Die Entwicklungskosten für die All-Transporter der neuesten Generation werden auf bis zu 20 Milliarden Euro geschätzt. Die Esa will damit mittelfristig die Beförderungskosten in den Weltraum von derzeit etwa 9500 Euro pro Kilogramm halbieren. Bemannte Raumgleiter wie die Space Shuttles der amerikanischen Nasa sind bisher nicht geplant.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7