05.10.2004 · Drei Amerikaner haben uns der Antwort auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, ein Stück näher gebracht. Dafür erhalten David Gross, David Politzer und Frank Wilczek den Nobelpreis in Physik.
Was sind die kleinsten Bausteine der Welt? Wie setzen sich die Dinge um uns herum aus diesen Partikeln zusammen? Welche Kräfte wirken in der Natur und wie funktioniert dies genau? Es sind grundlegende Fragen, die die amerikanischen Physiker David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek umtreiben. Für die Antworten, die sie auf diese Fragen gefunden haben, erhält das Trio in diesem Jahr den Nobelpreis für Physik.
Als „wichtige theoretische Entdeckung“ würdigte die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm am Dienstag die Arbeit der neu ernannten Preisträger. Gross, Politzer und Wilczek haben die besondere Eigenschaft der sogenannten „Starken Wechselwirkung“ entdeckt. Diese Kraft wirkt auf der Ebene des absolut Kleinsten, der Welt der Quarks, die sich innerhalb atomarer Kerne befindet. Sie bestimmt den Zusammenhalt dieser kleinsten uns bekannten Materieteilchen und bestimmt damit doch die Eigenschaften aller Dinge, die uns im Alltag umgeben. Denn alle Materie besteht letztlich aus kleinsten Teilchen. Die „Starke Wechselwirkung“ ist damit eine der vier fundamentalen Naturkräfte.
Beitrag zur Weltformel
Die Entdeckung der drei Forscher stammt aus dem Jahr 1973 und bildete die mathematische Grundlage für eine gänzliche neue Theorie, die ein wichtiger Zusatz zum physikalischen Standardmodell darstellt. Damit hat sie unser Verständnis von der Welt vervollständigt, die neben der von den Preisträgern enträtselten Starken Wechselwirkung (zwischen kleinsten Teilchen, den Quarks) auch von der Schwachen Wechselwirkung (wichtig für die Energieproduktion der Sonne) und der elektromagnetischen Kraft (zwischen geladenen Teilchen) zusammengehalten wird. „Dank der Entdeckung von David Gross, David Politzer und Frank Wilczek“ ist die Physik der Erfüllung ihres großen Traums einen Schritt näher gekommen: eine einheitliche Theorie zu formulieren, die auch die Schwerkraft einschließt - eine Weltformel“, würdigt die Jury die herausragende Leistung des Forschertrios. An dieser „großen vereinheitlichten Theorie“, die die Wechselwirkungen aller Fundamentalkräfte miteinander erklären würde, beißen sich die klügsten Köpfe der Physik bisher die Zähne aus.
Die drei Wissenschaftler erhalten den Preis zu gleichen Teilen. Der 63jährige Gross arbeitet am Kavli Institut für theoretische Physik der Universität von Kalifornieren in Santa Barbara. Politzer ist am California Institute of Technology aktiv, und der 53 Jahre alte Wilczek arbeitet am renommierten MIT, dem Massachusetts Institute of Technology in Cambridge vor den Toren Bostons.
Dotiert mit 1,1 Millionen Euro
Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Im vergangenen Jahr hatten die drei Forscher Alexej Abrikosow (Vereinigte Staaten/Rußland), Vitali Ginsburg (Rußland) und Anthony Leggett (Vereinigte Staaten/Großbritannien) den Physik-Nobelpreis für ihre Arbeiten zur verlustfreien Leitung von Strom erhalten.
Am Mittwoch folgt die Bekanntgabe der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger. Traditionsgemäß werden alle Nobelpreise am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.