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Zum Tod von Hans-Peter Dürr : Der Unbequeme

Querdenker und Quantenphysiker: Hans-Peter Dürr Bild: Peter Ludwig

Er war ein Schüler von Werner Heisenberg, hat seine Doktorarbeit bei Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, geschrieben. Der Querdenker und Träger des alternativen Nobelpreises ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

          Es gibt nicht viele Forscher, die sich über ihr eigenes eng umgrenztes Wissensgebiet hinaus mit weiter ausgreifenden Zusammenhängen beschäftigen, insbesondere dann, wenn sie die Sphären der Esoterik berühren. Zu ihnen durfte man ohne Zweifel Hans-Peter Dürr zählen. Der Elementarteilchenphysiker, der zu den einflussreichsten Forschern des zwanzigsten Jahrhunderts zählte, hat sich eingemischt, wo immer er Widersprüche wahrgenommen hat - selbst auf die Gefahr hin, seinen Ruf als ehemaliger Heisenberg-Schüler zu gefährden.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ende der siebziger Jahre, als die Diskussion um die Kernenergie ausbrach, bezog Dürr eindeutige Position gegen deren friedliche wie militärische Nutzung. In den achtziger Jahren engagierte er sich für die Friedensbewegung. Zuletzt stritt der Träger des alternativen Nobelpreises (1987) und einstige Vermittler zwischen Ost und West gegen die Ausbeutung der Natur und für eine allumfassende Sichtweise der Welt.

          Zwei äußerst Verantwortungslose

          Dürr, am 7. Oktober 1929 in Stuttgart geboren, erweckte bisweilen den Eindruck, als gebe es für alle Probleme in der Welt eine Lösung, man müsse den Verantwortlichen nur kräftig auf die Füße treten. Und hätte die Menschheit mehr Verantwortung für die Schöpfung übernommen, wäre es mit der Natur gar nicht erst so weit gekommen. Zwei Verantwortungslose hatte  Dürr in jungen Jahren getroffen. Der eine war sein Vater, der sich freiwillig in den Krieg meldete: nicht weil er dem Vaterland dienen wollte, sondern aus einer tiefen Depression heraus, die es ihm unmöglich machte, länger Verantwortung für sein Leben und das seiner Familie zu übernehmen, wie er selbst einmal erzählte.

          Der andere war Edward Teller gewesen, zu dem es den jungen Physiker 1953 zog. Der Miterfinder der Wasserstoffbombe wurde Dürrs Doktorvater gerade zu jener Zeit, da er seinen Streit mit Robert Oppenheimer ausfocht. Und obwohl Dürr nicht an der Bombe arbeitete, erkannte er doch die Ambivalenz seiner Forschertätigkeit: Das, was philosophisch und erkenntnistheoretisch ungeheuer interessant erscheine, sei gleichzeitig etwas, das eine große Zerstörung anrichten könne, sagte er einmal.

          Die Quantenwelt im Alltagsleben

          Dürr, der bis zu seiner Emeritierung 1997 viele Jahre Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München gewesen war, fühlte sich auch bei den nordamerikanischen Indianern hingezogen und heimisch. Es fällt bisweilen schwer, den Mann einzuordnen. War  er ein visionärer Kopf, oder steckte in ihm doch noch der Quantenphysiker, der das Weltbild der Atome und Moleküle zur Philosophie gemacht hat: niemals berechenbar zu sein, Neues entstehen zu lassen, aber sich stets daran zu erinnern, was war?  Hans-Peter-Dürr ist am Sonntag in München im Alter von 84 Jahren gestorben.

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