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Star Wars : Was erwacht da eigentlich?

Pünktlich vor Weihnachten in den Kinos: Der finstere Kylo Ren (links) zeigt Finn und Rey ein schlagendes Argument für die dunkle Seite der Macht. Bild: LucasFilm Ltd./Disney

Auch in der neuen Star-Wars-Episode geht es um „die Macht“. Anmerkungen zu einem heimlichen Kernbegriff der Gegenmoderne.

          „Star Wars“ war 1977 ein ziemlich cooler Film. Doch gibt es dort eine Szene, die dem jugendlichen Zuschauer damals mehr zusetzte als die Schreie getroffener Piloten, kurz bevor ihre X-Flügler auf dem Todesstern zerschellen. Sie spielt kurz vor der finalen Schlacht in einem Hangar. Luke Skywalker, der Held der Geschichte, besteigt seinen Jet, da spricht ihn sein Gefährte Han Solo an. Verdruckst wie ein Teenager, der eine Fürbitte vorlesen soll, murmelt er: „Möge die Macht mit dir sein.“

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bekennen kann richtig peinlich sein, zumal für einen Ex-Gauner, der, nachdem er gut 60 Filmminuten zuvor mit der „Macht“ als der zentralen Vokabel der Lichtschwert-bewehrten Jedi-Ritter bekannt gemacht wurde, nur bemerkt: „Kitsch-Religionen und antike Waffen sind nichts gegen einen guten Blaster“, womit er seine Laserpistole meint.

          Am Donnerstag kommt nun die siebte Episode des Weltraummärchens in die Kinos – „Das Erwachen der Macht“. Zu dem wenigen, was bislang über die Handlung zu erfahren war, gehört, dass sie drei Jahrzehnte nach der Episode sechs spielt. Und obgleich diese den Titel „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ trägt, kennen die jugendlichen Protagonisten der Fortsetzung die Jedi offenbar nur aus Legenden. „Es ist wahr, alles davon“, erklärt ihnen ein gealterter Han Solo im Filmtrailer und schaut dabei nicht weniger verlegen aus der Wäsche als damals in der Hangar-Szene von 1977.

          Liturgischer Jedi-Segen

          Irgendetwas ist offenbar sehr seltsam an dieser „Macht“, und zwar sowohl in der imaginierten Welt der Star-Wars-Filme als auch in unserer Realität, in der diese Imagination ein globales Kulturphänomen hervorgebracht hat – nicht nur im Westen und auch keineswegs nur in entwickelten Ländern. Weltweit ist der Jedi-Segen längst zur obligatorischen Grußformel unter Star-Wars-Fans avanciert. Auf Englisch klingt sie geradezu liturgisch: „May the force be with you. Always.“

          Den Kulturwissenschaften bleibt gar nichts anderes übrig, als sich damit zu befassen. Tatsächlich fehlen Erörterungen jener Macht („Force“) in kaum einem der inzwischen recht zahlreichen gelehrten Texte, die den generationenübergreifenden Erfolg des Weltraummärchens zu ergründen und seinen soziokulturellen Einfluss zu ermessen versuchen. Als Inspirationsquelle, die den Star-Wars-Schöpfer George Lucas beim Entwurf der Jedi-Spiritualität geleitet haben mag, wird vor allem der Taoismus identifiziert. Die Lehre des sagenhaften chinesischen Weisen Lao Tse kennt einen transzendenten Urgrund der Welt und die Entstehung und Umwandlung aller Dinge durch die Dynamik der beiden polaren Prinzipien Yin und Yang, Wörter, die ursprünglich „schattig“ und „sonnig“ bedeuteten. Bei Lucas wird daraus eine immaterielle Entität, eben die Macht, die auf unklare Weise mit dem Phänomen des Lebens zusammenhängt und von der es eine dunkle und eine helle Seite gibt. Die beiden sind im globalen Gleichgewicht zu halten, können aber lokal von geeignet begabten Lebewesen (vor allem den Jedi oder ihren Gegenspielern, den Sith) quasi verstärkt und zu außergewöhnlichen Taten genutzt werden, was sich die Action-Szenen der Filme dann ausgiebig zunutze machen.

          Ein Erbe der Hippie-Zeit?

          Neben taoistischen werden auch andere Einflüsse auf das Lucassche Machtkonzept diskutiert, vorzugsweise fernöstliche. Und so ist der Weg kurz zur Hippie-Generation, welcher der 1944 geborene Lucas gerade noch angehört. Doch wenn man „Star Wars“ mit den Hippie-Jahren in Verbindung bringen möchte, denn allenfalls als Antithese dazu. Der Film von 1977 muss für alle, die 1968 im Herzen behielten, das schiere Grauen gewesen sein: von der symphonischen Filmmusik, den Elementen aus klassischen Western, der positiven Darstellung von Hierarchien, auch militärischen, bis hin zu einer Schlussszene, die Leni Riefenstahl vielleicht kaum anders inszeniert hätte.

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