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Ressourcen : Der Schlüssel zu den Rohstoffen

  • -Aktualisiert am

Sie tragen die Last und den Rohstoff für unsere Handys. Bild: AFP

Die Jagd auf Metalle und Mineralien für die Stromquellen von morgen ist in vollem Gange. Wie lässt sich die Versorgung sichern und ein Engpass vermeiden? Ein Lagebericht.

          Riesige Wind- und Solarparks, neue Leitungstrassen und Speichermöglichkeiten für den Strom aus erneuerbaren Energiequellen - die Energiewende ist in vielerlei Hinsicht eine große technische Herausforderung, die viel Geld verschlingen wird. Doch die wahre Herausforderung könnte auf einem anderen, bislang wenig beachteten Gebiet liegen. Für die unzähligen Windräder und Solarmodule, die künftig die Stromproduktion sicherstellen sollen, benötigt man Rohstoffe in gewaltigem Ausmaß, ebenso wie große Mengen an Energie, um ebendiese Rohstoffe zu gewinnen und aufzubereiten. Geraten wir also nur vom Regen in die Traufe, wenn wir eine endliche Ressource - die fossilen Brennstoffe - durch eine andere - die mineralischen Rohstoffe - ersetzen?

          Metalle für grüne Energiequellen

          Wie sich die Rohstoffversorgung langfristig sichern lässt und mögliche Engpässe vermieden werden können, sind zentrale Fragen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. China etwa liefert mehr als 95 Prozent der Weltproduktion an seltenen Erden - einer Gruppe von Metallen, die für zahlreiche Hightech-Anwendungen benötigt werden -, hat aber die Ausfuhr in den vergangenen Jahren kräftig gedrosselt. Doch es sind nicht nur diese „grünen“ Metalle wie Neodym, das für Magnete in Windrädern verwendet wird, deren Verfügbarkeit Anlass zur Sorge geben könnte. Auch dem Bedarf an ganz gewöhnlichen Metallen wie Kupfer, Eisen oder Aluminium müsse verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden, mahnen französische Forscher in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/ngeo1993). Die Wissenschaftler um Olivier Vidal von der Universität Grenoble Alpes haben berechnet, was der Umbau der Stromversorgung von herkömmlichen Kraftwerken auf Windräder und Solarmodule bedeuten würde: Für die umweltfreundliche Variante benötigte man die neunzigfache Menge an Aluminium, die fünfzigfache Menge an Eisen und Kupfer.

          Zurzeit werden 400 Terawattstunden an elektrischem Strom durch Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugt. Diese Energiemenge wird in den kommenden Jahren gewaltig steigen. Nach Prognosen der Naturschutzorganisation WWF werden im Jahr 2035 bereits 12 000 Terawattstunden aus diesen Quellen kommen, 2050 wird sich die Energiemenge mehr als verdoppeln. Dafür würde man 3200 Millionen Tonnen Stahl benötigen, 310 Millionen Tonnen Aluminium und 40 Millionen Tonnen Kupfer. Der massive Ausbau der erneuerbaren Energien wird also enorme Rohstoffmengen verbrauchen.

          Noch mehr Energie für die Energiewende

          Um diesen gewaltigen Rohstoffbedarf in den kommenden Dekaden decken zu können, müssten die derzeitigen Fördermengen jedes Jahr um fünf bis 18 Prozent gesteigert werden, schätzen Vidal und seine Kollegen. Die Vorräte dürften in der Erdkruste ausreichend vorhanden sein. Allerdings fließen schon heute zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs in den Abbau und die Verarbeitung von mineralischen Rohstoffen. Will man die Energiewende vorantreiben, muss man noch mehr Energie investierten.

          Die französischen Forscher warnen davor, dass die Energiewende am Mangel an Rohstoffen scheitern könnte. Es müssen nach ihrer Ansicht frühzeitig die Weichen gestellt und ein umfassendes Rohstoffmanagement betrieben werden. „Die Umstellung auf erneuerbare Energien kann nur dann funktionieren, wenn alle Ressourcen gleichzeitig betrachtet werden“, so die Autoren um Vidal in ihrer Studie. Bei der Entwicklung von neuen Produkten müsse aber auch stets die Versorgung mit mineralischen Rohstoffen berücksichtigt werden.

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