http://www.faz.net/-gwz-7k16y

Ressourcen : Der Schlüssel zu den Rohstoffen

  • -Aktualisiert am

Sie tragen die Last und den Rohstoff für unsere Handys. Bild: AFP

Die Jagd auf Metalle und Mineralien für die Stromquellen von morgen ist in vollem Gange. Wie lässt sich die Versorgung sichern und ein Engpass vermeiden? Ein Lagebericht.

          Riesige Wind- und Solarparks, neue Leitungstrassen und Speichermöglichkeiten für den Strom aus erneuerbaren Energiequellen - die Energiewende ist in vielerlei Hinsicht eine große technische Herausforderung, die viel Geld verschlingen wird. Doch die wahre Herausforderung könnte auf einem anderen, bislang wenig beachteten Gebiet liegen. Für die unzähligen Windräder und Solarmodule, die künftig die Stromproduktion sicherstellen sollen, benötigt man Rohstoffe in gewaltigem Ausmaß, ebenso wie große Mengen an Energie, um ebendiese Rohstoffe zu gewinnen und aufzubereiten. Geraten wir also nur vom Regen in die Traufe, wenn wir eine endliche Ressource - die fossilen Brennstoffe - durch eine andere - die mineralischen Rohstoffe - ersetzen?

          Metalle für grüne Energiequellen

          Wie sich die Rohstoffversorgung langfristig sichern lässt und mögliche Engpässe vermieden werden können, sind zentrale Fragen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. China etwa liefert mehr als 95 Prozent der Weltproduktion an seltenen Erden - einer Gruppe von Metallen, die für zahlreiche Hightech-Anwendungen benötigt werden -, hat aber die Ausfuhr in den vergangenen Jahren kräftig gedrosselt. Doch es sind nicht nur diese „grünen“ Metalle wie Neodym, das für Magnete in Windrädern verwendet wird, deren Verfügbarkeit Anlass zur Sorge geben könnte. Auch dem Bedarf an ganz gewöhnlichen Metallen wie Kupfer, Eisen oder Aluminium müsse verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden, mahnen französische Forscher in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/ngeo1993). Die Wissenschaftler um Olivier Vidal von der Universität Grenoble Alpes haben berechnet, was der Umbau der Stromversorgung von herkömmlichen Kraftwerken auf Windräder und Solarmodule bedeuten würde: Für die umweltfreundliche Variante benötigte man die neunzigfache Menge an Aluminium, die fünfzigfache Menge an Eisen und Kupfer.

          Zurzeit werden 400 Terawattstunden an elektrischem Strom durch Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugt. Diese Energiemenge wird in den kommenden Jahren gewaltig steigen. Nach Prognosen der Naturschutzorganisation WWF werden im Jahr 2035 bereits 12 000 Terawattstunden aus diesen Quellen kommen, 2050 wird sich die Energiemenge mehr als verdoppeln. Dafür würde man 3200 Millionen Tonnen Stahl benötigen, 310 Millionen Tonnen Aluminium und 40 Millionen Tonnen Kupfer. Der massive Ausbau der erneuerbaren Energien wird also enorme Rohstoffmengen verbrauchen.

          Noch mehr Energie für die Energiewende

          Um diesen gewaltigen Rohstoffbedarf in den kommenden Dekaden decken zu können, müssten die derzeitigen Fördermengen jedes Jahr um fünf bis 18 Prozent gesteigert werden, schätzen Vidal und seine Kollegen. Die Vorräte dürften in der Erdkruste ausreichend vorhanden sein. Allerdings fließen schon heute zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs in den Abbau und die Verarbeitung von mineralischen Rohstoffen. Will man die Energiewende vorantreiben, muss man noch mehr Energie investierten.

          Die französischen Forscher warnen davor, dass die Energiewende am Mangel an Rohstoffen scheitern könnte. Es müssen nach ihrer Ansicht frühzeitig die Weichen gestellt und ein umfassendes Rohstoffmanagement betrieben werden. „Die Umstellung auf erneuerbare Energien kann nur dann funktionieren, wenn alle Ressourcen gleichzeitig betrachtet werden“, so die Autoren um Vidal in ihrer Studie. Bei der Entwicklung von neuen Produkten müsse aber auch stets die Versorgung mit mineralischen Rohstoffen berücksichtigt werden.

          Weitere Themen

          Im Gespräch mit Peter Altmaier Video-Seite öffnen

          Ideen für die Energiewende : Im Gespräch mit Peter Altmaier

          Die Klimaziele sind in Gefahr, und das trotz einer Energiewende, die nach Meinung von Kritikern zu teuer ist. Wie geht es nach der Bundestagswahl weiter? F.A.Z.-Korrespondent Andreas Mihm im Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier.

          Topmeldungen

          Die Stimmung bei der AfD-Spitze ist angeschlagen. Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen (links) versucht in den eigenen Reihen für Ruhe zu sorgen.

          Streit in der AfD : Kein Wort, zu niemandem

          Kurz vor der Bundestagswahl kann auch die AfD keinen Skandal mehr gebrauchen. Wie der Vorsitzende Jörg Meuthen verhindern will, dass Äußerungen von Frauke Petry weitere Kreise ziehen.
          Martin Sonneborn am Donnerstag im Verwaltungsgericht in Berlin

          Martin Sonneborn im Interview : Vielleicht handeln wir bald mit Devisen

          Die Partei „Die Partei“ hat sich mit dem Verkauf von Geldscheinen ein nettes Zubrot verdient. Das war rechtens, sagt nun ein Gericht. Dabei hat schon Satire-Parteigründer Martin Sonneborn ein paar Ideen, wie die Partei sonst zu Geld kommen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.