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Das perfekte Handtuch : Alles eine Frage der Oberfläche

  • -Aktualisiert am

Zu Weiß greift man schon immer gerne, neuerdings setzen Hotels bei Handtüchern aber auf die Farbe „Stone“ oder Dunkelgrau. Bild: ddp Images

Tausendmal gewaschen und immer noch flauschig dank hoher Saugkraft, mit ausreichend vielen, aber auch nicht zu zahlreichen Kontaktpunkten: Die erstaunliche Materialkunde des Handtuchs.

          Hundert Prozent Baumwolle, verarbeitet zu sogenanntem Walkfrottier mit maximal saugfähigem Flausch – das ist die Formel für das perfekte Handtuch. Wer allerdings nicht so sehr auf wolkig-weich steht, für den wird die Baumwolle besser zu Zwirnfrottier gewebt. Kuschelextremisten wiederum entscheiden sich besser für Veloursfrottier, denn hier ist dank der aufgeschnittenen Schlingen der Samtfaktor extrem hoch. Zur Wahl stünde auch Frottier, das gewirkt und nicht gewebt wird. Oder Frottee, das jedoch weniger dicht und nicht so hochwertig wie Frottier ist.

          Die Vielfalt der Abtrocknungstextilien ist groß, vielleicht zu groß. „Die wichtigste Kaufentscheidung bei Handtüchern ist und bleibt die Farbe“, sagt Monika Pock vom Qualitätsmanagement des ehemals deutschen, heute österreichischen Herstellers Vossen, der Anfang der 1950er Jahre den Bademantel erfunden hatte. „Aber auch der Griff spielt eine Rolle, vor allem nach flauschigen Qualitäten wird häufig gesucht. Außerdem achten Konsumenten immer mehr darauf, woher die Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden.“

          Im Trockner wird das Handtuch flauschiger. Das hat seinen Preis

          Neben dem Gefühl beim Anfassen spielt auch das Gewicht eine Rolle. Die leichten Exemplare wiegen höchstens 500, die schweren mehr als 600 Gramm pro Quadratmeter. „Der Schluss, dass schwere Handtücher besser sind als leichte, gilt jedoch nicht. Es kommt immer auf die Konstruktion und auf das eingesetzte Garn an“, sagt Pock. Entscheidend ist die Saugkraft. Nur wenn diese hoch ist, spüren wir dieses warme, angenehme Gefühl auf der Haut.

          Immer wieder klingelt bei Vossen das Telefon, Kunden sind dran, die sich beklagen, die Qualität der Handtücher sei zwar gut, aber einfach nicht mehr das, was sie früher gewesen sei. Monika Pocks erste Nachfrage gilt dann dem Trockner. Das automatisierte Trocknen macht die Handtücher zwar flauschiger als beim gemütlichen Abhängen an der Luft, doch zu einem hohen Preis. Die enorme Hitze und der starke Abrieb verkürzen die Lebensdauer des Tuches dramatisch; die zahlreichen Flusen, die bei jedem Trockenvorgang verlorengehen, zeugen von dem Tod auf Raten.

          Perfekt erst nach der zweiten Wäsche

          Saugfähigkeit und Trocknungsverhalten – das sind in der Materialwissenschaft des Handtuchs die zwei entscheidenden Dimensionen. Die größte Saugfähigkeit hat das klassische Frottierhandtuch. „Bei dieser Webart werden Schlingen gebildet, welche die Aufgabe haben, die Oberfläche und das Volumen des Gewebes extrem zu vergrößern“, sagt Jan Beringer, Bereichsleiter Entwicklung beim Hohenstein Institut für Textilinnovation in Bönnigheim, zwischen Heilbronn und Ludwigsburg gelegen. Am besten wird dafür Baumwolle verwendet, die saugt das Wasser tief ins Innere ihrer Fasern, daher dauert es auch seine Zeit, bis es wieder entwichen ist. Und das Handtuch muss schon ein-, zweimal gewaschen sein, damit die Faser ihren Job bestmöglich erledigen kann, denn dadurch wird das verwendete Garn mechanisch geöffnet: Der in sich gedrehte und verzwirbelte Faden wird beim Waschvorgang auch in die andere Richtung gedreht, er geht auf und wird voluminöser. Das schafft mehr Oberfläche und damit Saugkraft. „Garne, die relativ bauschig und weniger gedreht sind, die sind mechanisch nicht so beständig wie die stärker gedrehten. Sie verlieren schneller Material, und auch der Flausch geht zurück“, erklärt Beringer.

          Ein bis zwei Jahre lang etwa behält ein qualitativ hochwertiges Handtuch seine Eigenschaften, abhängig davon, wie oft man es verwendet, es maschinell oder an der Luft trocknet. Wenn der Saum aufgeht, ist das eine der ersten Verschleißerscheinungen, manche Menschen merken tatsächlich auch, dass sie mehr Zeit brauchen zum Abtrocknen – das kann man nur dann nicht ändern. Es sei denn, man legt sich ein neues zu.

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