http://www.faz.net/-gwz-72p0f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.09.2012, 06:00 Uhr

Hans G. Dehmelt Das isolierte Elektron

Hans Georg Dehmelt, ein Pionier der Atomphysik, wird heute neunzig.

von
© University of Washington Hans Georg. Dehmelt in seinem Labor in Seattle.

Vor sechzig Jahren erschienen den Pionieren der Quantenphysik Experimente mit einzelnen Teilchen noch völlig unmöglich. Mit speziellen Instrumenten  verschieben die Physiker heutzutage Atome und Moleküle auf Oberflächen, als handele es sich um Billardkugeln. Mit speziellen Käfigen lassen sich Atome oder Ionen für lange Zeit von der Umgebung isolieren.

Manfred Lindinger Folgen:

Die ersten Versuche, geladenen Teilchen mit magnetischen und elektrischen Feldern einzufangen und festzuhalten, unternahm in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Wolfgang Paul in Bonn. Mit dem nach ihm benannten Ionen-Käfig war es fortan möglich, geladene Teilchen lange Zeit zu speichern. Hans Georg Dehmelt  stellte Anfang der siebziger Jahre an der University of Washington in Seattle einen Rekord auf, als er ein einzelnes Elektron zehn Monate lang in der Schwebe hielt. Nur durch einen unachtsamen Studenten, der im Labor versehentlich den Strom abschaltete, sei das Experiment - so erzählt man sich - abrupt beendet worden.

Mehr zum Thema

Während Paul, der 1989 gemeinsam mit Dehmelt den Nobelpreis für Physik erhielt, die Ionenfallen-Technik perfektionierte, konzentrierte sich Dehmelt auf Präzisionsexperimente zunächst an Elektronen. So konnte er aufgrund der langen Speicherzeit den sogenannten g-Faktor, der die magnetischen Eigenschaften des Teilchens beschreibt, genau bestimmen. Solche Messungen sind ein wichtiger Test für die Quantenelektrodynamik. Ende der siebziger Jahre gelang es ihm zusammen mit Peter Toschek in Heidelberg, ein einzelnes Barium-Ion zu isolieren und zu beobachten. Das eröffnete den Weg zur Entwicklung genauer Atomuhren und Frequenzstandards. Hans Georg Dehmelt wurde in Görlitz geboren. Nach dem Studium in Göttingen ging er 1952 an die Duke University in Durham (North Carolina). Vodn Seit 1955 an lehrte und forschte er  an der University of Washington in Seattle. Hans Georg Dehmelt  feiert  an diesem  Sonntag seinen neunzigsten Geburtstag.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Datenspeichertechnik Wohin mit den vielen Terabytes?

Datenspeicher werden immer billiger, und Platz brauchen sie auch fast keinen mehr. Wenn das so weitergehen soll, dann mit neuer Technik. Fragt sich nur, mit welcher. Mehr Von Katharina Menne

17.07.2016, 09:00 Uhr | Wissen
Totengebet Muslime beten für die Opfer von München

Nach dem Amoklauf von München haben rund 1000 Muslime für die Toten und Verletzten gebetet. Auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter nahm an der Veranstaltung am Tatort am Olympia-Einkaufszentrum teil. Zu dem Totengebet hatten Münchner Imame und mehrere Gemeinden geladen. Mehr

28.07.2016, 13:00 Uhr | Gesellschaft
Medikamenten-Transport Nanocontainer für empfindliches Frachtgut

Winzige, fast unsichtbare Nanokapseln, die Wirkstoffe gezielt an einen bestimmten Ort im Körper transportieren, erleben einen Boom. Aber sind sie auch kontrollierbar? Forscher melden einen Durchbruch. Mehr Von Uta Bilow

27.07.2016, 08:08 Uhr | Wissen
Krypto Valley Eine Schweizer Stadt als Bitcoin-Pionier

Die Schweizer Stadt Zug will zum Krypto Valley werden und sich als Fintech-Standort positionieren. Als erste Stadt weltweit bietet sie ihren Bürgern an, kommunale Gebühren in Bitcoin zu bezahlen. Mehr

04.07.2016, 02:02 Uhr | Wirtschaft
Riskante Raumfahrt Leidet beim Mondflug das Herz?

Die Apollo-Astronauten flogen zum Mond und wurden berühmt – doch einige könnten einen hohen Preis dafür gezahlt haben. Hat die hohe Strahlung ihren Herzen geschadet? Mehr Von Manfred Lindinger

29.07.2016, 12:39 Uhr | Wissen