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Hängebrücken : Mister Bridge und sein Rekord

  • -Aktualisiert am

Die Europabrücke von Randa bei Zermatt - eine der schönsten Luftnummern in den Alpen. Bild: dpa

Nichts für schwache Nerven: Im Wallis gibt es seit kurzem die weltweit längste Fußgängerhängebrücke. Ein Treffen mit ihrem Konstrukteur.

          Es grenzt schon fast an Blasphemie, das Matterhorn einen Berg zu nennen. „Ds Hore“ (das Horn), wie die Walliser sagen, ist ein geologisches Heiligtum und die vielleicht schönste Zacke, welche die Natur je geformt hat. Doch ausgerechnet ein von Menschenhand erschaffenes Bauwerk stiehlt dem Matterhorn nun in Sachen Nervenkitzel und Ästhetik ein wenig die Show. Die Rede ist von der längsten Fußgängerhängebrücke der Welt. Seit diesem Sommer hängt sie ein paar hundert Meter über dem unscheinbaren Alpendorf Randa, einige Kilometer nördlich von Zermatt.

          Ankunft am Bahnhof, der sich um neun Uhr noch im Bergschatten befindet. Randa liegt eingepfercht im Walliser Gebirgsmassiv. In dem U-förmig ausgehobelten Tal floss während der letzten Eiszeit ein gigantischer Eisstrom. Der Gletscher hat steile Hänge hinterlassen, das Eis hat sich in die letzten Winkel der Berge zurückgezogen. Übrig geblieben ist eine Sohle, in der heute exakt 444 Einwohner leben – das Mattertal.

          Geht man vom Bahnhof aus zum Ortseingang, erreicht man irgendwann eine verlassene Straße. Von weitem nähert sich ein Geländewagen. Am Steuer sitzt Theo Lauber, 56, Ingenieur und Erbauer jener Brücke, die das kleine Randa gerade weltberühmt macht. „Mister Bridge“ hat ihn das amerikanische Fernsehnetzwerk CBS getauft, das im September mit einem Kamerateam die Schweiz besuchte. Aus der ganzen Welt waren schon Filmteams hier, heute hat sich die ARD angekündigt. Der Brückenbauer steigt aus seinem Wagen, reicht die Hand: „Sag Theo zu mir“, ruft er. „Die Welt ist schon kompliziert genug.“ Dann deutet er auf sein Werk, das auf dem gegenüberliegenden Hang mit bloßem Auge zu erkennen ist. Der Gipfel ist noch in Nebel gehüllt, darunter hängt die Stahlkonstruktion wie ein dünner Faden in der Luft. Theo ist guter Dinge, dass sich die Schwaden bald auflösen. „Wenn die Sonne kommt, kommt auch der Hubschrauber“, verspricht er.

          Spaziergang in 85 Meter Höhe

          Höhenangst ist eine schlechte Voraussetzung, um einen Tag mit Theo Lauber zu verbringen. Nachdem die Sonne den Nebel verdampft hat, kommt der Hubschrauber angeflogen. Der Heli hebt ab, überfliegt die Brücke, macht einen Schlenker nach links und setzt seine Passagiere an einer Hütte ab. Es dauert nur eine Minute, ehe man am 34 Kilometer langen Europaweg steht, der als eine der spektakulärsten Wanderstrecken des Wallis gilt. Er führt in zwei Tagen von Grächen nach Zermatt. Sein schönster Abschnitt ist jetzt exakt 494 Meter lang und überspannt in 85 Meter Höhe eine Geröllhalde.

          Trotz frühen Wintereinbruchs sind erstaunlich viele Wanderer unterwegs. Es ist die Brücke, die die Menschen hier hochzieht, da ist sich Theo sicher. Der Schweizer trägt Jeans, Holzfällerhemd und hat manchen Geschlechterwitz auf den Lippen. Als er im Frühling hier am Berg stand, um das Gelände zu vermessen, sei keine Menschenseele am Berg gewesen. Bevor die Brücke im Sommer montiert wurde, mussten die Wanderer 500 Höhenmeter ins Tal absteigen und wieder hochkraxeln. Das konnte man niemandem zumuten.

          Hat jetzt auch ein offizielles Zertifikat vom Guinnessbuch: Theo Lauber

          Von der Hütte geht es bergab zur Brücke. Nach zwanzig Minuten ist der Brückeneinstieg auf 2080 Meter Höhe erreicht. Auf einer Holzbank bereiten zwei junge Franzosen Käsefondue zu, dahinter inspizieren zwei Norddeutsche die Brückenfundamente. Theo Lauber gesellt sich zu ihnen. Vier Wochen habe es gedauert, bis die Löcher in das Gestein gebohrt waren, erzählt er. Zwölf Meter tief reichen die Brückenfundamente nun. An ihnen hängt das Gesamtgewicht von 58 Tonnen. Das ist vergleichsweise leicht.

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