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Meteorologie : Ein Weltrekord aus Offenbach

  • -Aktualisiert am

Das wollen wir in Zukunft aber genauer wissen! Hoch- und Tiefdruckgebiete über Nordeuropa Bild: Röth, Frank

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes arbeiten von 2015 an mit einem verbesserten Modell für das globale Wetter. Was dürfen wir davon erwarten?

          Im Frühjahr 2007 erlebte die japanische Meteorologie ihre schwärzeste Stunde. Wochenlang hatte das Land wieder der Kirschblüte entgegengefiebert und damit dem Hanami-Fest. Da werden zur Feier der zarten Pracht alljährlich die begehrtesten Picknickplätze vorab gebucht und kostbare Urlaubstage genommen. Insofern es aber linder Frühlingsluft bedarf, damit die japanische Kirsche aufblüht, lastet auf Nippons Wetterbeamten erhebliche Verantwortung. Doch 2007 geschah das Undenkbare: Die Wettervorhersagen lagen in wichtigen Regionen wie Tokio um Tage daneben. Schuld waren die Computermodelle des Wetterdienstes. Am Ende musste sich der Chefmeteorologe im Fernsehen entschuldigend verbeugen.

          Ganz so schlimm kann es für den Deutschen Wetterdienst (DWD) nicht kommen. Dennoch ist es auch hierzulande nicht egal, wie treffsicher die Wettervorhersagen sind. Ungefähr achtzig Prozent der Schäden, die in Deutschland durch Natureinwirkung verursacht werden, gehen auf schlechtes Wetter zurück. Besonders die großräumigen Winterstürme verursachen immer wieder enorme volkswirtschaftliche Schäden. Vor solchen Bedrohungen muss der DWD als Behörde möglichst früh warnen. Außerdem fließen die Prognosen des DWD natürlich auch in die alltäglichen Wetterberichte inklusive Nebel- und Glatteiswarnungen ein.

          Software für Supercomputer

          All dies soll von Ende Januar 2015 an zuverlässiger werden. Denn dann rechnet der DWD mit einem neuen Computermodell. Solche Modelle berechnen die wahrscheinliche zukünftige Wetterentwicklung aus Daten, die ein weltumspannendes Beobachtungsnetz liefert. Zu dieser Infrastruktur gehören Satelliten, die große Gebiete der Erde im Blick haben, ebenso wie Messinstrumente am Boden und an Ballonen, Meldewesen für Beobachtungen auf Flugzeugen und auf Schiffen bis hin zu automatischen Wetterbojen in den Ozeanen. Alle diese Daten zeichnen ein Bild des Ist-Zustandes der Atmosphäre. Mit diesem füttern die Meteorologen ihre sogenannten numerischen Wettervorhersagemodelle, komplexe Computerprogramme, die auf Supercomputern laufen. Zwei davon stehen in der Offenbacher Zentrale des DWD.

          Deterministische Voraussagen, wie sie etwa Astronomen bei Mond- und Sonnenfinsternissen treffen können, sind beim Wetter aber auch mit den größten Superrechnern nicht möglich. Das verhindert die chaotische Natur der Troposphäre. Wetterberichte werden daher beispielsweise nie vorhersagen können, dass es nächsten Mittwoch in Berlin Pankow zwischen 12:30 und 13:00 regnen wird. Doch je genauer die Instrumente die Atmosphäre erfassen und die Wettermodelle deren Verhalten nachbilden, desto zuverlässiger werden die Prognosen. Die Genauigkeit einer Wettervorhersage nimmt dabei ab, je weiter sie in die Zukunft reicht. Das Problem beginnt schon beim Beobachtungsnetz, das den Ist-Zustand der Atmosphäre nicht lückenlos erfassen kann. Hinzu kommt, dass die Modelle die Wetterküche notgedrungen vereinfacht nachbilden. Denn eine Prognose des Wetters am Mittwoch, für die der Computer bis Donnerstag braucht, nützt niemandem.

          Einen halben Tag gewonnen

          „Eine Sieben-Tage-Vorhersage wird jede Stunde neu gerechnet“, erklärt Günther Zängl, der in Offenbach für die numerischen Wettervorhersagemodelle zuständig ist. Dort herrscht derzeit Aufbruchsstimmung. Der DWD hat gemeinsam mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg das brandneue Wettermodell „Icon“ entwickelt. Es soll das Wetter rund um den Globus wesentlich genauer als das Vorgängermodell GME erfassen, welches Ende Januar abgelöst wird. Testläufe, allerdings noch ohne Feinschliff, haben die Erwartungen der Offenbacher bereits übertroffen.

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