http://www.faz.net/-gwz-75xad
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.01.2013, 10:02 Uhr

Die Suche nach Rohstoffen Wir haben’s doch

Die nationale Rohstoffstrategie zeigt Wirkung: Die Bodenschätze, die von Freiberger Materialforschern mittlerweile gehoben werden, sollen teilweise „von Weltrang“ sein. Gleichzeitig wird nach neuen effizienten Wegen gesucht, metallische Rohstoffe wiederzugewinnen.

von Uta Bilow
© Jürgen Jeibmann HIF Quelle wertvoller Metalle: Kristallaggregat von Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende und Kalkspat

Metalle wie Tantal, Indium oder Neodym sind wichtige Ressourcen für die industrielle Gesellschaft heutigen Zuschnitts. Denn diese Elemente bilden die Basis gängiger Hightech-Produkte wie Mobiltelefone und Flachbildschirme, aber auch von Energiesparlampen, Windkraftanlagen oder Photovoltaikmodulen. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung - auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern - öffnet sich jedoch eine Schere zwischen Bedarf und Verfügbarkeit dieser Rohstoffe. Einige Fachleute warnen bereits davor, dass manche Metalle in Zukunft knapp werden könnten. In Europa gibt es nur noch wenige Lagerstätten für diese Metalle, die wichtigsten Vorkommen liegen in Lateinamerika, Asien und Afrika. China, das mit etwa 90 Prozent die Weltproduktion an seltenen Erden wie Neodym - einem Metall für Starkmagnete - dominiert, hat die Ausfuhr in den vergangenen Jahren kräftig gedrosselt. Die Ressourcenfrage wird für alle Länder dringlicher, und längst ist ein globaler Wettlauf um die begehrten Metalle in Gang.

Mehr zum Thema

Ambitionierte Ziele in Freiberg

Damit Deutschland bei diesem Rennen nicht völlig ins Hintertreffen gerät, hat die Bundesregierung im Oktober 2010 eine nationale Rohstoffstrategie ins Leben gerufen und ein Jahr später das Helmholtz-Institut Freiberg (HIF) für Ressourcentechnologie gegründet. Die zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) gehörige und eng mit der Bergakademie Freiberg kooperierende Einrichtung hat die Aufgabe, neue Technologien zur effizienten Nutzung von Ressourcen zu entwickeln. Dazu gehören etwa material- und energieeffiziente Verfahren zur Aufbereitung von Metallen. Außerdem suchen die Wissenschaftler nach Wegen, um Metalle aus Elektronikprodukten wiederzugewinnen. Ein weiterer Fokus liegt auf Rohstoffen aus heimischen Lagerstätten. Nun hat das Helmholtz-Institut im sächsischen Freiberg eine erste Bilanz seiner Aktivitäten vorgelegt.

Wertvolle DDR-Relikte

Rund um Freiberg, dem Sitz der ältesten Montanuniversität der Welt, haben die Wissenschaftler ein ergiebiges Betätigungsfeld gefunden. Denn im Erzgebirge wurde über Jahrhunderte hinweg Bergbau betrieben. Was nach dem damaligen Stand der Technik nicht verwertbar war und als wirtschaftlich uninteressant galt, wurde in Halden gelagert. Unter heutigen Gesichtspunkten sind diese Hinterlassenschaften durchaus interessante Quellen für Metalle wie Lithium, Zinn oder Indium. Deshalb untersuchen die Freiberger Forscher unter anderem Spülhalden in Altenberg, wo zu DDR-Zeiten Zinn gewonnen wurde. Die Reste aus der Aufbereitung des Erzes wurden in Spülteichen gelagert, die zum Teil mehrere Fußballfelder groß sind. „Bis zu fünfzig Prozent des Zinns stecken noch in diesen mittlerweile eingetrockneten Halden“, sagt Jens Gutzmer, Direktor des Helmholtz-Instituts für Ressourcentechnologie. Ähnlich verhält es sich in Freiberg, wo in den Spülteichen erhebliche Mengen an Zink, Blei, Germanium und Indium vermutet werden.

HIF-Direktor Jens Gutzmer © TU Bergakademie Freiberg, Detlev Müller Vergrößern TU Bergakademie Freiberg/ Detlev Müller, HIF-Direktor Jens Gutzmer

Die Sanierung ist mit inbegriffen

Mit Erkundungsbohrungen wollen die Forscher des Helmholtz-Instituts und der Bergakademie Freiberg nun untersuchen, wie die Metalle vorliegen, in welchen Konzentrationen und wie ihre Verteilung innerhalb der Halden ist. Anschließend soll ein technisches Konzept für die wirtschaftliche Gewinnung entwickelt werden. Dabei haben Gutzmer und seine Kollegen auch die Umweltaspekte im Blick. Denn viele der alten Spülteiche haben keine geeignete Abdichtung nach unten, das Regenwasser sickert einfach durch und schwemmt Schadstoffe in den Untergrund. „Wenn das aufgehaldete Material wieder aufgenommen wird, um die wertvollen Metalle zu entziehen, kann man die Standorte gleichzeitig ökologisch sanieren“, erklärt Gutzmer.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Alte Geräte Wenn der Paketdienst den Elektroschrott schluckt

Der zu schwache Föhn, der ausgediente DVD-Player oder das alte Handy: Im Alltag gibt es ständig Elektro-Geräte, die entsorgt werden sollen. Dabei muss der Handel mehr Verantwortung tragen. Und Verbraucher können ihren Elektroschrott zur Post bringen. Mehr

20.07.2016, 08:06 Uhr | Finanzen
Die Horden aus Wacken Kopie von Die Invasion der Metaller

Jedes Jahr Anfang August wird Wacken überrannt. Zu Zehntausenden strömen blasse, langhaarige und großflächig tätowierte Gestalten in das Dorf in der schleswig-holsteinischen Provinz. Die Horden sehen finster aus, doch keine Angst: Die tun nichts. Mehr Von Peter Badenhop und Frank Röth (Fotos)

02.07.2016, 18:27 Uhr | Politik
Industrie 4.0 Wir können dem Silicon Valley Paroli bieten

Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Reimund Neugebauer über sichere Datenräume, das Internet der Zukunft – und die Konkurrenz zu Google und Co. Mehr Von Uwe Marx

13.07.2016, 06:48 Uhr | Wirtschaft
Gipfeltreffen in Warschau Nato will weitere Truppen in Osteuropa stationieren

In Warschau hat am Freitag das Gipfeltreffen der Nato begonnen. Im Mittelpunkt des Treffens steht die Verlegung von zusätzlichen Militäreinheiten nach Osteuropa. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte an, in Polen, Lettland, Litauen und Estland jeweils ein Battalion von 500 bis 1000 Soldaten zu stationieren. Mehr

09.07.2016, 11:45 Uhr | Politik
Datenspeichertechnik Wohin mit den vielen Terabytes?

Datenspeicher werden immer billiger, und Platz brauchen sie auch fast keinen mehr. Wenn das so weitergehen soll, dann mit neuer Technik. Fragt sich nur, mit welcher. Mehr Von Katharina Menne

17.07.2016, 09:00 Uhr | Wissen