http://www.faz.net/-gwz-92145

Strahlende Partikel überall : Das passiert, wenn Kim oberirdisch zündet

Kim Jong-un präsentiert den angeblichen Sprengkopf einer Wasserstoff-Bombe. Bild: dpa

Würde Nordkorea seine Atomwaffen tatsächlich oberirdisch testen, könnte die ganze Welt zuschauen. Auch die Folgen wären überall zu spüren.

          Mit der Ankündigung Nordkoreas, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik zu zünden, droht der Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu eskalieren. Bisher hatte Pjöngjang seine Kernwaffentests unterirdisch im eigenen Land durchgeführt. Dadurch ist vor allem das Erdreich im Testgebiet radioaktiv kontaminiert worden. Verhältnismäßig wenig radioaktives Material ist dabei in die Atmosphäre gelangt und konnte sich mit der Luftströmung verbreiten. Ebenso kam es zu keinem gefährlichen Fallout. Zivile Opfer gab es vermutlich keine. Das alles könnte sich nun dramatisch ändern, wenn Nordkorea seine Drohung wahr macht und eine Wasserstoffbombe tatsächlich über dem Pazifik zur Explosion bringt. Unweigerlich kommen einem die oberirdischen Kernwaffentests der Amerikaner, Briten und Franzosen in den fünfziger, sechziger Jahren und frühen siebziger Jahren auf Atollen und Inseln im Pazifik in Erinnerung.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wollte Pjöngjang bisher vor allem die Funktionalität der Sprengkörper testen, geht es dem nordkoreanischen Machthaber vermutlich jetzt wohl vor allem darum, die Auswirkungen für alle sichtbar zu demonstrieren und so das Drohpotential weiter zu erhöhen. Dabei wird man die Waffe vermutlich in einigen hundert Metern Höhe zünden, ähnlich wie es beim Abwurf der beiden amerikanischen Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg erfolgt war. Denn so entwickelt die Bombe ihre optimale Sprengkraft. Zumal auch der Lichtblitz noch aus weiter Entfernung zu sehen sein wird.

          Fatale Folgen für Mensch und Tier

          Die bei der Explosion freigesetzte radioaktiven Substanzen würden direkt in die Atmosphäre freigesetzt und sich schnell über ein großes Gebiet verteilen. Mit dem Regen würden die radioaktiven Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen und zur Erdoberfläche transportiert. Mit fatalen Folgen für Menschen und Tiere in der Umgebung des Testgebiets. Aber auch in fernen Europa und Amerika wird man früher oder später die erhöhte Radioaktivität der Atmosphäre messen, wenn die strahlenden Partikel durch Wind und Luftströmungen über die Erde verteilt worden sind. So lässt sich noch immer eine erhöhte Radioaktivität in der Atmosphäre nachweisen, die von den amerikanischen und französischen Atomwaffenexplosionen im Pazifik  freigesetzt wurde. Auch europäische Böden und Gewässer enthalten – außer den Überbleibseln des Tschernobyl-Fallouts – auch heute noch Radio-Nuklide dieser oberirdischen Tests.

          Würde Nordkorea die Bombe über einer Insel zünden, hätte das noch verheerendere Auswirkungen. Zum einen käme das einen Angriff auf eine andere Nation gleich. Durch die Explosion würden zudem Erdreich oder anderes Material etwa das von Korallenbänken in die Luft geschleudert und rasch als radioaktiver Fallout wieder auf die Erde zurückfallen. Menschen, die im Umkreis der Detonation leben, würden so unweigerlich verstrahlt und mit großer Wahrscheinlichkeit später an Krebs erkranken. Wenn Kim Jong-un seine Drohung wahr macht, wird er vermutlich keine große Rücksicht auf Menschenleben nehmen. Über ein Sperrgebiet für Atomwaffentests im Pazifik verfügt Nordkorea nicht.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Zucht und Ordnung in Tokio Video-Seite öffnen

          Pro-Pjöngjang-Schulen : Zucht und Ordnung in Tokio

          Hwang Song-Wi lernt unter dem Porträt von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - mitten in Japans Hauptstadt Tokio. In so genannten Pro-Pjöngjang-Schulen können sich junge Koreaner auf ihre Wurzeln besinnen.

          Der Beginn von etwas ganz Besonderem

          Trump auf Asienreise : Der Beginn von etwas ganz Besonderem

          Zum Auftakt seiner Asienreise hält sich Donald Trump mit Drohungen gegenüber Nordkorea und dessen Diktator zurück – bis jetzt. Kurz nach dem Massaker in Texas rät er Japan hingegen zum Kauf „massiver Mengen“ amerikanischer Waffen.

          Training für den Ernstfall in Südkorea Video-Seite öffnen

          Amerikanisches Militär : Training für den Ernstfall in Südkorea

          Gemeinsam mit Verbündeten probten amerikanische Streitkräfte die Bombardierung wichtiger Ziele in Nordkorea. Wegen des Atom- und Raketenprogrammes in Nordkorea sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Pjöngjang und Washington seit Monaten besonders stark gespannt.

          Topmeldungen

          Sondierung gescheitert : Liberale brechen Jamaika-Verhandlungen ab

          Die Verhandlungen von CDU, CSU, FDP und Grünen über ein Jamaika-Bündnis sind gescheitert. Die Liberalen ziehen sich aus den Gesprächen zurück. „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, sagt FDP-Chef Christian Lindner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.