http://www.faz.net/-gwz-78y9q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.05.2013, 21:59 Uhr

Bionik Mit dem 180. Auge sieht man mehr

Ein künstliches Facettenauge ist die jüngste Errungenschaft von amerikanischen Bionikern. Es erfasst alles, was sich in seinem Blickfeld von 160 Grad herumschwirrt.

von
© University of Illinois and Beckman Institute Großer Brummer mit einem künstlichen Facettenauge.

Insekten und andere Gliederfüßer sehen die Welt mit besonderen Augen - den Facettenaugen. Diese Sehorgane bestehen bei Zweiflüglern meist aus einigen tausend, bei großen Libellen aus einige zehntausend „Einzelaugen“. Zwar können die Insekten ihre Umwelt nicht so scharf wahrnehmen wie wir. Ihre Sehorgane verfügen aber über eine wesentlich höhere Tiefenschärfe und können ein recht weites Blickfeld erfassen. So entgeht den Insekten in ihrer Umgebung auch nicht die kleinste Bewegung. Aufgrund dieser Eigenschaften haben Facettenaugen das Interesse von Bionikern gefunden.

Mehr zum Thema

Manfred Lindinger Folgen:

Den bislang größten Fortschritt beim Nachbau eines Insektenauges haben jetzt Wissenschaftler von der University of Illinois in Urbana-Campaign erzielt. John Rogers und seine Kollegen haben eine Kamera entwickelt, die aus 180 einzelnen, in Form einer Halbkugel angeordneten Lichtsensoren besteht.

Aufblasbare Geometrie

Die Forscher haben für ihr etwa ein Zentimeter großes künstliches Facettenauge 180 Mikrolinsen aus einem transparenten Kunststoff in regelmäßigem Abstand auf einer elastischen Silikonunterlage plaziert. Jede Linse versahen sie mit einer lichtempfindlichen Photodiode, die sie über flexible elektrische Drähte miteinander verbanden. Anschließend wurde die ganze Anordnung aufgepumpt, was ihr die Gestalt einer Halbkugel verlieh. Tests zeigten, dass das künstliche Facettenauge alle Objekte und deren Bewegungen registrierte, die sich in einem Raumwinkel von etwa 160 Grad aufhielten. Komplizierte geometrische Figuren, die man davor stellte, ließen sich fast perfekt rekonstruieren.

Künstliches Facettenauge © University of Illinois Vergrößern Künstliches Facettenauge mit 180 Lichtsensoren, hier montiert auf einem Chip.

Das künstliche Auge hätte somit das Sehvermögen von Feuerameisen, deren Sehorgane aus wenigen hundert Einzelaugen bestehen, schreiben Rogers und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 497, S. 95). Da man keine beweglichen Linsen benötigt, sehen die Forscher in ihrem System vor allem eine Ergänzung zu konventionellen Digitalkameras. Das Bauteil ließe sich als Kamera für Endoskope, aber auch für Flugroboter und Drohnen nutzen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Seltsamer Meeresbewohner: Ein maritimer Schmetterling

Die Flügelschnecke Limacina helicina bewegt sich im Wasser wie ein Vogel in der Luft. Ihre faszinierenden Fähigkeiten inspiriert auch die Erbauer von Miniaturdrohnen. Mehr Von Diemut Klärner

14.08.2016, 22:32 Uhr | Wissen
Thailand Hund mit Prothesen begeistert das Netz

Ein Hund hat im Juli in Thailand die ersten Schritte mit künstlichen Vorderbeinen gemacht. Das Video einer Tierschutzorganisation wurde im Internet fleißig angeklickt. Mehr

02.08.2016, 19:37 Uhr | Gesellschaft
Wetteraukreis Behörde warnt vor Kaninchenseuche

Im Wetteraukreis sind viele Kaninchen an einer Seuche gestorben. Die Krankheit ist nicht auf den Menschen übertragbar. Es gibt aber Möglichkeiten, die Tiere zu schützen. Mehr

12.08.2016, 16:00 Uhr | Rhein-Main
Bevölkerungsentwicklung Immer mehr Menschen im Iran sind unfruchtbar

Der Iran kämpft mit einem Problem - bei Männern sinkt die Spermienqualität, bei Frauen setzt die Menopause oft zu früh ein. Wer das Geld hat, lässt sich künstlich befruchten - doch in dem konservativen Land bringt das ganz eigene Probleme mit sich. Mehr

20.08.2016, 16:00 Uhr | Gesellschaft
Renaturierung der Nidda Erholung am Fluss und Schutz am Teich

Die Renaturierung der Nidda lässt sich die Stadt einiges kosten. Wie sich das und andere Projekte für Mensch und Tier auszahlen, zeigt eine Tour durch den Westen der Stadt. Mehr

21.08.2016, 14:06 Uhr | Rhein-Main
Anzeige
Folgende Karrierechancen könnten Sie interessieren:
Weitere Stellenangebote