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Veröffentlicht: 10.03.2017, 04:14 Uhr

Autonomes Fahren Mensch, Auto, ich rede mit dir!

Blickkontakt, Handzeichen, Rufe: Wenn Autos in Zukunft völlig selbständig fahren sollen, müssen sie uns ähnlicher werden.

von Piotr Heller
© Allstar/Disney / Pixar Lightning McQueen aus dem Film „Cars“ (2006) - so etwa stellen sich auch Ingenieure ein Auto-Auto vor.

Im Jahr 2013 hielt eine ältere Dame die Zukunft auf. Damals versuchte sich Daimler an der sogenannten „Bertha-Benz-Fahrt“. Die Ingenieure des Konzerns wollten, so wie Bertha Benz im Jahre 1888, die Strecke von Mannheim nach Pforzheim zurücklegen. Jedoch nicht in einem gewöhnlichen Auto: Eine zum selbstfahrenden Fahrzeug umgebaute Oberklasselimousine sollte autonom durch das nördliche Baden-Württemberg navigieren. Zwar saß dennoch ein menschlicher Fahrer am Steuer, um im Notfall einzugreifen, doch alles lief gut. Bis an einem Zebrastreifen eine alte Dame auftauchte.

„Unser Testwagen nahm an, dass die alte Dame den Zebrastreifen überqueren wollte, und blieb stehen“, erzählt Alexander Mankowsky, der bei Daimler für die Zukunftsforschung zuständig ist. Da hatte sich der Wagen geirrt - die Dame wollte ihn vorbeilassen und danach ganz in Ruhe die Straße überqueren. „Also hat sie dem Auto gewinkt, nach dem Motto: ,Fahr du erst mal! Ich brauche meine Zeit.‘ Das war ein ganz normales Sozialverhalten“, sagt Mankowsky. Weil Maschinen aber keine gute soziale Wahrnehmung besitzen, dafür jedoch geduldig sind, habe das Auto gewartet. Für die Dame sei das ein unhöfliches Verhalten gewesen, sagt Mankowsky. Schließlich habe sich der Fahrer gezwungen gesehen, die Automatik auszuschalten und eigenhändig über die Zebrastreifen zu fahren.

Fast alle großen Hersteller arbeiten derzeit an selbstfahrenden Autos. Doch die Begebenheit bringt eine ihrer Schwierigkeiten auf den Punkt. Denn noch sind Autos im Straßenverkehr eine Art Einheit aus Mensch und Maschine. Wenn man den Menschen aus dieser Einheit entfernt, weil man ein autonomes Auto entwickelt, dann muss das Auto selbst menschlicher werden. Es muss mit Fußgängern und menschlichen Autofahrern kommunizieren und sich in gewissen Situationen über Verkehrsregeln hinwegsetzen. Aber das ist nicht so einfach.

Berthold erforscht die Eigenheiten der Kommunikation im Verkehr

An der Universität der Bundeswehr in München erforscht Berthold Färber die Eigenheiten der Kommunikation im Straßenverkehr. Eine Reise nach England hat ihn vor langer Zeit auf diese Idee gebracht. „Damals habe ich bei unklaren Verkehrssituationen immer den Fahrer des anderen Autos angeschaut, doch der hat keine Miene verzogen“, sagt Färber. Sein Fehler war, dass er aus Gewohnheit den Beifahrern ins Gesicht sah, schließlich sitzen die in England auf der Seite, auf der unsereiner den Fahrer vermutet. Das sei ein Schlüsselerlebnis gewesen. Ihm sei klargeworden, wie wichtig die Kommunikation zwischen Verkehrsteilnehmern ist. „Das ist weit mehr, als man sich vorstellt“, sagt Färber.

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Für ein Auto-Auto heißt das, dass es zunächst die Absicht eines Fußgängers erkennen muss. Anders als bei anderen Kraftwagen kann man beim Fußgänger nicht aus seiner Position und Geschwindigkeit berechnen, wo er sich in einigen Sekunden befinden wird. „Fußgänger sind hochdynamische Elemente, die können relativ schnell die Richtung ändern“, sagt Färber. Woran erkennt man also zum Beispiel, ob ein Fußgänger, der auf die Straße zugeht, sie wirklich überqueren will? Färber hat dazu ein Experiment gemacht.

Er zeigte Testpersonen Videos einer solchen Situation. In manchen davon war der Fußgänger komplett von einem grauen Kasten verdeckt. Die Testpersonen sahen also weder Blickrichtung noch Beine oder andere Details. In diesem Fall konnte kaum jemand vorhersagen, ob der Fußgänger die Straße überqueren würde. Dann legte Färber immer mehr Teile des Fußgängers frei: „Sahen die Testpersonen das Gesicht und den Blick, konnten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob der Fußgänger gehen wird“, sagt Färber.

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