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„Valerischer Biosprit“ Apfelbäumchen im Tank

12.05.2010 ·  Ein neues Ausweichmanöver der Biokrafstoff-Düsentriebs: Künftig sollen verarbeitete Holzreste in den Tank fließen. Erste Tests stimmen zuversichtlich.

Von Manfred Lindinger
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Der Energiebedarf der Weltbevölkerung steigt, die Öl- und Gasreserven schrumpfen, Treibhausgase werden weiter in der Luft endgelagert. Umweltschonende Energieversorgung ist das Thema der Stunde, und selbst vom Biosprit, das wegen ökologischer Bedenken und wegen der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion auch bei Politikern in Ungnade gefallen ist, erhoffen sich viele immer noch einiges. Jetzt bekommen diese Hoffnungen neue Nahrung. Die Lösung soll heißen: Weg von Zucker und Ölen, hin zum Holz.

Eine Forschergruppe der Firma Shell Global Solutions International in Amsterdam hat auf dieser Basis eine neue Generation von Biokraftstoffen entwickelt. Wie Jean-Paul Lange und seine Kollegen in der Zeitschrift „Angewandte Chemie“ (doi: 10.1002/ange.201000 655) berichten, können heutige Fahrzeuge bedenkenlos mit dem Sprit fahren und das derzeitige Tankstellennetz nutzen.

Lignocellulose aus der Zellwand

Die heute schon vermarkteten Biokraftstoffe basieren auf Zuckerverbindungen, auf Stärke und pflanzlichen Ölen. Da diese Rohstoffe vor allem als Nahrungsmittel genutzt werden, können sie die im Transportsektor benötigten Mengen an Treibstoff nicht decken. Eine vielversprechender Ausweg stellt Lignozellulose dar, aus der die Zellwand verholzter Pflanzen bestehen. Dieser Rohstoff ist günstig und leicht zugänglich, schließlich können Pflanzenabfälle verwertet werden. Allerdings ließ sich Lignozellulose bisher nur durch komplexe und teure Aufarbeitung zu Biokraftstoffen veredeln.

Es gibt aber eine Verbindung, die durch einfache saure Hydrolyse aus Lignocellulose gewonnen werden kann: Lävulinsäure. Sie ist ein Produkt, das üblicherweise aus Glukose gewonnen wird, und längst in der Kosmetik-, Kunststoff- und Textilindustrie genutzt wird. Aus Lävulinsäure ließen sich bisher jedoch noch keine brauchbaren Kraftstoffe erzeugen.

Schadlos nach 250.000 Kilometern

Das könnte sich nun ändern. Die Forscher um Lange haben zunächst Lävulinsäure zu Valeriansäure hydriert, die sie dann zu Valeraten verestern. Auf diese Weise entsteht eine neue Generation von Kraftstoffen, die „valerischen Biokraftstoffe“. Die lassen sich zu Biobenzin oder Biodiesel verarbeiten. Zudem können sie mit den aktuellen Kraftstoffen vermischt werden. Die Wagen müssen angeblich nicht umgerüstet werden. Zumindest haben das die Tests der Wissenschaftler ergeben: Zehn Fahrzeugte, neu und gebraucht, die ausschließlich mit einer Mischung aus normalem Benzin und fünfzehn Volumenprozent des valerischen Biobenzins betankt wurden, legten am Tag problemlos 500 Kilometer zurück. Nach 250 000 Kilometern Fahrtstrecke lautete das Ergebnis: Motoren, Tank und Leitungen ohne Schaden.

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Jahrgang 1962, Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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