21.07.2004 · Einst spielte er mit Einstein, Newton und Android Data Karten auf dem Raumschiff Enterprise. Doch jetzt muß Stephen Hawking alle Freunde der Science Fiction enttäuschen: Es gibt kein Paralleluniversum, sagt er.
Die geheimnisvollen Schwarzen Löcher im All zerstören nicht alles, was sie sie in sich aufsaugen, sondern sie stoßen Energie und Materie in veränderter Form wieder aus. Dies erklärte am Mittwoch der weltberühmte Astrophysiker Stephen Hawking auf einer Konferenz in Dublin. Er revidierte damit seine eigene, vor drei Jahrzehnten aufgestellte Theorie über die Eigenschaften Schwarzer Löcher.
Hawking präsentierte seine neuen Thesen auf der 17. Internationalen Konferenz über Allgemeine Relativitätstheorie und Gravitation in Dublin. Er versucht damit, einen bisher scheinbar unlösbaren Widerspruch zu erklären: Wie kann ein Schwarzes Loch alle Spuren der Materie und Energie, die es aufsaugt, zerstören - wie er bisher selbst dachte - wenn in der Quantenmechanik diese Teile in irgendeiner Form weiter existieren. Bislang versuchte Hawking das angebliche Verschwinden von Materie und Energie in den Schwarzen Löchern mit der Möglichkeit von Paralleluniversen zu erklären.
Keine Reisen in Paralleluniversen
„Es gibt kein Baby-Universum, wie ich einst dachte“, hieß es in dem kurz vor Hawkings Rede verteilten Manuskript. Alles bleibe in unserem Universum. Er bedauere sehr, daß er die Science-Fiction-Gemeinde enttäuschen müsse. Aber seinen Erkenntnissen zufolge gebe es keine Möglichkeit, durch Schwarze Löcher in andere Universen zu reisen.
Hawking erklärte, die Schwarzen Löcher sammelten über Äonen alle
Materie und Energie, um sie bei ihrem Zerfall in veränderter Form
wieder auszustoßen. „Wenn Sie in ein Schwarzes Loch springen, dann kommt ihre Massenenergie wieder zurück ins Universum, aber in veränderter Form, die zwar die Informationen über Sie enthält, wie Sie einst waren, aber in unerkennbaren Form.“
Die rund 800 Zuhörer lachten amüsiert bei der Erklärung Hawkings. Er fügte hinzu, es sei großartig, ein Problem zu lösen, das ihn schon seit 30 Jahren beschäftigt habe, auch wenn die Antwort weniger aufregend sei als die ursprünglichen Alternativen.
29 Jahre alte Wette eingelöst
Hawking löste auch eine Wette ein, die er vor 29 Jahren mit dem Astrophysiker John Preskill eingegangen war, der schon damals darauf beharrt hatte, daß Materie in einem Schwarzen Loch nicht zerstört werden könne. Beide hatten um eine Enzyklopädie gewettet. Hawking übergab Preskill das Referenzwerk „Total Baseball, The Ultimate Baseball Encyclopedia“, die er extra aus den USA hatte einfliegen lassen. Er hätte ihm ja auch eine Enzyklopädie über Cricket angeboten, aber Preskill sei von der Überlegenheit der Sportart nicht zu überzeugen gewesen.
Preskill dankte Hawking höflich, fügte aber hinzu: „Um ehrlich zu sein, die Rede habe ich nicht verstanden.“ Er sehe jetzt gespannt dem detaillierten Text der Forschungen Hawkings entgegen, die im kommenden Monat veröffentlicht werden sollen.
Schwarze Löcher im All können beim Zusammenbruch von Sternen entstehen. Ihre Anziehungskraft wird dann so stark, daß selbst das Licht nicht entweichen kann.