Home
http://www.faz.net/-gwz-76ha4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Roboterforschung Seidenspinner am Lenkrad

Ein Insekt, das einen Roboter steuert? Was wie Fantasterei klingt, ist japanischen Forscher tatsächlich gelungen. Sie haben männliche Seidenspinner an das Lenkrad eines Vehikels gesetzt und deren Fahrkünste mit einem Sexualhormon erprobt.

© Universität Tokio Ein Seidenspinner-Männchen steuert dieses dreirädrige Vehikel.

Ein ungewöhnlicher Fahrer sitzt am Steuer dieses dreirädrigen Roboters. Es ist ein männlicher Seidenspinner, der mit einem aufgeklebten Stäbchen an seinem Rücken an dem Gefährt fixiert ist. Mit seinen Beinchen läuft das Insekt auf einem Kunststoffball, der  auf einem  Luftpolster schwebt. Der Ball  hat die Funktion eines Lenkrades und steuert die Fahrtrichtung des Roboters auf ähnliche Weise wie eine Computermaus die Bewegung des Bildschirmcursors. Die Anweisung, wohin der Roboter fahren soll, erteilt der Seidenspinner mit seinen Beinchen, die den Ball in die entsprechende Richtung rollen. Stimuliert wird der Krabbler mit einem Sexualhormon, einem Pheromon, das weibliche Falter produzieren und dessen Duft in Richtung des Insekts geblasen wird (“Bioinspiration and Biomimetics“, doi: 10.1088/1748-3182/8/1/016008).

Mehr zum Thema

Manfred Lindinger Folgen:

Die Wissenschaftler um Noriyasu Ando von der Universität in Tokio, die sich dieses Experiment ausgedacht haben, wollten untersuchen, inwieweit sich die Fähigkeiten von Insekten, Duftstoffe oder gefährliche Chemikalien wahrzunehmen, für die Robotik und bessere mobile Sensoren nutzen lassen. Denn Insekten reagieren im Allgemeinen deutlich schneller auf flüchtige Substanzen als elektronische Sensoren.

Seidenspinner auf dem Fahrersitz © Foto Universität Tokio Vergrößern Roboter wird von Seidenspinner gesteuert. Das Lenkrad ist ein Kunststoffball, der auf einem Luftkissen schwebt.

Im Zickzackkurs immer geradeaus

In ihren Versuchsreihen übergaben Ando und seine Kollegen insgesamt vierzehn Seidenspinnermännchen die Kontrolle über den Roboter. Zunächst hatte jeder Falter die einfache Aufgabe, den Roboter innerhalb von dreieinhalb Minuten in die Richtung der Quelle des Pheromons zu steuern. Dazu mussten die Insekten nur 60 Zentimeter lediglich geradeaus fahren. Doch das war für die Tierchen nicht ganz so einfach. Wird nämlich ein männlicher Seidenspinner mit Pheromon gereizt, dann fängt er üblicherweise an, im Zickzack und um die Kurve zu laufen sowie sich im Kreis zu drehen. Entsprechend kurvig verliefen auch die Pfade, aber kein Schmetterling verfehlte sein Ziel.

Noch härtere Bedingungen

Dann wurden die Bedingungen verschärft. Zunächst nahm man den Faltern die Sicht auf die Umgebung. Jetzt landete schon ein Sechstel im Nirwana. Anschließend manipulierten die Wissenschaftler den Roboter so, dass er sich in eine Richtung leichter lenken ließ als in die andere und schließlich auf die Bewegung der Insekten verzögert reagierte. Nun hatten die Seidenspinner arg zu kämpfen und brauchten zum Ziel weit länger als die vorgegebene Zeit. Etwa die Hälfte erreichte das Löschpapier mit dem Pheromon überhaupt nicht und fuhr nach einer längeren Irrfahrt gegen die Wand. Für die Forscher war erstaunlich, wie einige Insekten ihr Verhalten änderten und sich auf die Widrigkeiten einstellten.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Artensterben Ist das Sterberegister der Natur außer Kontrolle?

Die Wissenschaft sagt: Der Artenschwund ist noch viel größer als in Roten Listen ausgewiesen. Unser FAZ.NET-Comic-Video erklärt, warum das Thema unterschätzt wird. Mehr Von Anne Bäurle

19.08.2015, 10:35 Uhr | Wissen
Südkorea Roboter springt so gut wie ein Wasserläufer

Südkoreanische Wissenschaftler haben einen bionischen Wasserläufer entwickelt. Der Prototyp des Roboters wiegt nur 68 Milligramm, hat einen zwei Zentimeter langen Körper und vier lange und dünne Beine. Der Mini-Roboter kann sich nicht nur auf der Wasseroberfläche halten, sondern auch aus dem Wasser abspringen. Mehr

31.07.2015, 15:46 Uhr | Wissen
Was Sie heute erwartet Neue Milliardenhilfen für Griechenland sind unterwegs

Nach dem Ja des Bundestags zum dritten Griechenland-Paket fließen neue Milliardenhilfen nach Athen. Mehr

20.08.2015, 06:53 Uhr | Wirtschaft
Verhaltensforschung Kakerlaken mit Persönlichkeit

Wissenschaftler von der Freien Universität Brüssel setzten Kakerlaken auf eine helle Fläche und maßen, wie schnell sie in Verstecke flüchten. Dabei stellten sie fest, dass manche Insekten mutiger sind und länger im Bereich des Lichts bleiben. Mehr

13.03.2015, 15:07 Uhr | Wissen
Was Sie heute erwartet Reform-Verschiebung für Griechenland

Wenn Ministerpräsident Tsipras Neuwahlen ansetzt, kann das die Reformen im Land verzögern. Aber Deutschland sollte vielleicht lieber auf andere Länder gucken. Mehr

21.08.2015, 07:31 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 19.02.2013, 15:10 Uhr