Home
http://www.faz.net/-gx7-6w23o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mikromaschinen Die Dampfmaschine für die Mikrowelt

20.12.2011 ·  Stuttgarter Wissenschaftlern ist es gelungen, eine funktionierende Dampfmaschine zu bauen, die nur wenige Mirkometer groß ist. Statt mit einem Arbeitsgas, Zylinder und Kolben, arbeitet sie mit einem Kunststoffkügelchen und zwei Laserstrahlen.

Von Manfred Lindinger
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Die kleinste Dampfmaschine der Welt misst nur wenige tausendstel Millimeter und entstammt dem Labor von zwei Wissenschaftlern der Universität Stuttgart. Die  winzige Vorrichtung ist in der Lage, wie ihr großes Vorbild - die vor rund zweihundert Jahren von Robert Stirling erfundene Wärmekraftmaschine - Wärme in mechanische Energie zu verwandeln und so Arbeit zu verrichten.

Ausgeklügeltes Laserspiel

In einem Stirlingmotor wird üblicherweise ein Zylinder immer wieder erhitzt und abgekühlt, wodurch sich das darin befindliche Gas ausdehnt und zusammenzieht. Dabei wird ein Kolben auf und ab bewegt, der etwa ein Rad antreibt. Bei dem Miniaturmodell der Stuttgarter Forscher übernimmt die Rolle des Gases eine drei Mikrometer große Kunststoffkugel, die in einer mit Wasser gefüllten Kammer schwimmt und von einem gebündelten Laserstrahl - dem Kolben - mit periodisch schwankender Intensität hin und her bewegt wird. Kurze Pulse eines zweiten Lasers erhitzen das Kügelchen schlagartig auf 90 Grad und lassen es ebenso rasch wieder auf Raumtemperatur abkühlen. Auf diese Weise ist es Clemens Bechinger und Valentin Blickle gelungen, die Kompressions- und Expansionsphasen des Stirlingprozesses zu simulieren, wie sie in der Zeitschrift "Nature Physics" (doi: 10.1038/NPHYS2163) berichten.

Stotternder Motor

Die geleistete Arbeit zeigt sich jedoch nur indirekt und zwar an periodischen Schwankungen des Laserfeldes, das die Kugel bewegt. Allerdings läuft die Maschine nicht "rund". Der Grund sind zufällige Zusammenstöße der Wassermoleküle mit dem Kunststoffkügelchen, wodurch Energie ausgetauscht und verloren geht. Dadurch schwankt die "gewonnene" mechanische Energie von Zyklus zu Zyklus.

Erstaunt hat die beiden Forscher, dass die Maschine dennoch im Mittel genauso viel Energie pro Takt in Arbeit umsetzt und unter Volllast ähnlich  effizient läuft wie ihr makroskopisches Pendant. Auch wenn alles vortrefflich funktioniert, eine Anwendung gibt es derzeit noch nicht, da es noch an entsprechenden Apparaten mangelt. 

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1962, Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7