02.07.2007 · Die Entwicklung des ersten stromproduzierenden Fusionsreaktors der Welt könnte bereits jetzt beginnen und nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren. Das hat der EU-Koordinator vorgeschlagen. So könne die klimafreundliche Technik früher genutzt werden.
Von Christian SchwägerlPhysiker und Ingenieure sollen mit der Entwicklung des ersten stromproduzierenden Fusionsreaktors der Welt bereits jetzt beginnen und nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren. Diesen Vorschlag des Koordinators der Fusionsforschung in der Europäischen Union, Chris Llewellyn Smith, prüft deren Kommission in Brüssel angesichts absehbarer Engpässe in der weltweiten Energieversorgung und des drohenden Klimawandels.
Dem aktuellen Zeitplan zufolge wird die kommerzielle Stromproduktion aus Kernfusion frühestens um die Jahrhundertwende zur Verfügung stehen. Smith, der auch das britische Fusionsforschungsprogramm leitet, hält es aber für möglich, die Entwicklung des ersten Fusionskraftwerks namens „Demo“ „erheblich“ zu beschleunigen, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Kommerzieller Reaktor erst zur Jahrhundertmitte?
Für fünf Milliarden Euro bauen die Europäische Union, Amerika, Japan, Indien und China in Südfrankreich die Fusionsanlage „Iter“. Sie soll beweisen, dass man aus der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium zehnmal soviel Energie gewinnen kann, wie nötig ist, das hundert Millionen Grad heiße Fusionsplasma zu unterhalten und mittels starker Magnetkräfte zu kontrollieren. Da die Rohstoffe für den Fusionsprozess unbegrenzt zur Verfügung stehen und weder Kohlendioxid freigesetzt wird noch hochradioaktiver Abfall entsteht, gilt die Technik als große Hoffnung. Doch „Iter“ hat einen Haken: Strom soll diese Anlage noch nicht produzieren.
Mit der Entwicklung des stromproduzierenden Reaktors „Demo“ wird nach bisherigen Plänen erst begonnen, wenn nach der für 2017 geplanten Inbetriebnahme von „Iter“ weiterführende Versuchsergebnisse vorliegen und auch die geplante Materialprüfungsanlage „Ifmif“, die ebenfalls 2017 in Betrieb gehen soll, Resultate vorweist. Für die Projektierung von „Demo“ werden mindestens zehn Jahre veranschlagt. Die früheste Inbetriebnahme eines ersten stromliefernden Reaktors wäre demnach um das Jahr 2037, der erste kommerzielle Reaktor würde zur Jahrhundertmitte hin folgen können. Smith hält es aber nicht für zwingend, so lange abzuwarten. „Wir könnten mit entsprechender Ausstattung erheblich schneller ans Ziel kommen, als bisher für möglich gehalten wurde“, sagte er.
Iter-Erkenntnisse in Demo-Vorbereitungen einbringen
Eine Arbeitsgruppe mit hundert Fachleuten und zusätzliche Investitionen von 100 bis 200 Millionen Euro jährlich seien dafür nötig. Der Kommission der Europäischen Union in Brüssel habe er detaillierte Vorschläge für diese „Demo Design Group“ unterbreitet, die derzeit geprüft würden. „Ich sage nicht, dass man es so machen muss, aber sehr wohl, dass diese Option besteht und ihre Vorteile hat“, sagte Smith. Viele Erkenntnisse könnten fortlaufend aus dem Iter-Projekt in die Demo-Vorbereitungen eingearbeitet werden.
Die Befürchtung, dass die Fusionstechnik insgesamt ein Flop sein könnte, sei völlig unbegründet. Eine stärkere Orientierung der Fusionsforschung auf die Stromproduktion würde es für die europäische Industrie attraktiver machen, eigene Mittel in die Technik zu investieren. Kollegen aus der Fusionsforschung sähen aber die Gefahr, dass Ressourcen von „Iter“ abgezogen würden. Das dürfe auf keinen Fall geschehen, sagte Smith.
Mit genuegend Investitionen laesst sich das erreichen
Rene Meyer (matrix1329)
- 02.07.2007, 22:54 Uhr
Energieunternehmen und Technologiemarkt (@ Stefan Pauly)
André Mengel (andre-m)
- 02.07.2007, 23:20 Uhr
???
Frank Geiser (geiser123)
- 03.07.2007, 05:45 Uhr
Boing macht in Photovoltaik!!
Thomas Gawehns (gatom)
- 03.07.2007, 10:43 Uhr