15.04.2004 · Mit dem erstmals vergebenen, mit einer Million Euro dotierten Millennium-Preis würdigt die unabhängige Stiftung Finnischer Technologiepreis die Erfindung des World Wide Web.
Für die Erfindung des World Wide Web erhält der britische Physiker Tim Berners-Lee den neuen mit einer Million Euro dotierten Millennium-Technologiepreis. Das Web habe zahlreichen Menschen den Zugang zu wichtigen Informationen bedeutend erleichtert, begründete der Juryvorsitzende der finnischen Technologiepreis-Stiftung, Pekka Tarjanne, am Donnerstag in Helsinki die Wahl.
Der 48jährige Berners-Lee ist der erste Träger der neu gestifteten Auszeichnung für herausragende technologische Leistungen, die das Alltagsleben positiv verändert haben. Der Millennium-Technologiepreis soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.
Anknüpfen an neue soziale Netze
„Das Web ermuntert das Anknüpfen an neue soziale Netzwerke, fördert Transparenz und Demokratie und eröffnet neue Möglichkeiten für das Informationsmanagement und die Geschäftsentwicklung“, sagte Tarjanne. Der jetzt in den USA am Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitende Berners-Lee hatte als junger Physiker einen Weg gefunden, mit dem Internetnutzer heute per Mausklick von einem Dokument zum nächsten springen können. Diese Entwicklung machte spezielle technische Kenntnisse bei der Nutzung von Informationen aus dem Computernetz weitgehend überflüssig. 1991 wurde das daraus resultierende Web am Europäischen Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Zunächst nur für sich und seine CERN-Kollegen hatte Berners-Lee 1989 das sogenannte W3-Protokoll geschrieben. Es legt fest, wie unterschiedliche Computertypen Texte, Bilder oder andere Daten austauschen. Teil von W3 sind die sogenannten Hyperlinks-Verweise, die über einen Mausklick ein neues Dokument öffnen. Dazu erfand Berners-Lee das Hypertext-Transferprotokoll „http“, mit dessen Kürzel Web-Adressen (URL) beginnen.
WWW populärster Dienst im Internet
Um Daten über weite Entfernungen zu transportieren, nutzte Berners-Lee das bereits vorhandene Internet. Im Internet stellen Kabel und Satelliten die Verbindungen zwischen zehntausenden Computernetzwerken her. Das WWW ist inzwischen der populärste Dienst im Internet und wird oft identisch mit dem Begriff Internet gebraucht.
Die Sprache, in der die Dokumente des WWW geschrieben sind, trägt den Namen HTML (Hypertext Markup Language). Berners-Lee programmierte auch den ersten Browser. Browser stellen die in HTML geschriebenen Dokumente am Bildschirm dar. HTML und seine Abkömmlinge sind längst zur Standardsprache im World Wide Web geworden. Zahlreiche Firmen und Behörden nutzen die Hyperlink-Technik zudem, um ihre internen Netzwerke zu organisieren, den Wareneinkauf zu regeln oder Güter über das Internet zu verkaufen.
Berners-Lee soll den Preis Mitte Juni im Rahmen einer Technologie-Konferenz in der finnischen Hauptstadt überreicht bekommen. Das Preisgeld stammt teils aus staatlichen Zuschüssen und teils von privaten Sponsoren. Es wird von einer privaten Stiftung verwaltet. Dem Preiskomitee gehören vier finnische Forscher und vier aus den USA, Japan, Frankreich und Schweden an.