Home
http://www.faz.net/-gx7-72p0f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hans G. Dehmelt Das isolierte Elektron

 ·  Hans Georg Dehmelt, ein Pionier der Atomphysik, wird heute neunzig.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Vor sechzig Jahren erschienen den Pionieren der Quantenphysik Experimente mit einzelnen Teilchen noch völlig unmöglich. Mit speziellen Instrumenten  verschieben die Physiker heutzutage Atome und Moleküle auf Oberflächen, als handele es sich um Billardkugeln. Mit speziellen Käfigen lassen sich Atome oder Ionen für lange Zeit von der Umgebung isolieren.

Die ersten Versuche, geladenen Teilchen mit magnetischen und elektrischen Feldern einzufangen und festzuhalten, unternahm in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Wolfgang Paul in Bonn. Mit dem nach ihm benannten Ionen-Käfig war es fortan möglich, geladene Teilchen lange Zeit zu speichern. Hans Georg Dehmelt  stellte Anfang der siebziger Jahre an der University of Washington in Seattle einen Rekord auf, als er ein einzelnes Elektron zehn Monate lang in der Schwebe hielt. Nur durch einen unachtsamen Studenten, der im Labor versehentlich den Strom abschaltete, sei das Experiment - so erzählt man sich - abrupt beendet worden.

Während Paul, der 1989 gemeinsam mit Dehmelt den Nobelpreis für Physik erhielt, die Ionenfallen-Technik perfektionierte, konzentrierte sich Dehmelt auf Präzisionsexperimente zunächst an Elektronen. So konnte er aufgrund der langen Speicherzeit den sogenannten g-Faktor, der die magnetischen Eigenschaften des Teilchens beschreibt, genau bestimmen. Solche Messungen sind ein wichtiger Test für die Quantenelektrodynamik. Ende der siebziger Jahre gelang es ihm zusammen mit Peter Toschek in Heidelberg, ein einzelnes Barium-Ion zu isolieren und zu beobachten. Das eröffnete den Weg zur Entwicklung genauer Atomuhren und Frequenzstandards. Hans Georg Dehmelt wurde in Görlitz geboren. Nach dem Studium in Göttingen ging er 1952 an die Duke University in Durham (North Carolina). Vodn Seit 1955 an lehrte und forschte er  an der University of Washington in Seattle. Hans Georg Dehmelt  feiert  an diesem  Sonntag seinen neunzigsten Geburtstag.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1962, Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Die Bändigung des Klons

Von Joachim Müller-Jung

Das Klonen von Embryonen muss gezügelt werden. In der Praxis dürfte sich der biotechnische Fortschritt ohnehin als unbrauchbar erweisen. Die Alternativen sind vielversprechend. Mehr 21 52