Home
http://www.faz.net/-gwz-78y9q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bionik Mit dem 180. Auge sieht man mehr

Ein künstliches Facettenauge ist die jüngste Errungenschaft von amerikanischen Bionikern. Es erfasst alles, was sich in seinem Blickfeld von 160 Grad herumschwirrt.

© University of Illinois and Beckman Institute Vergrößern Großer Brummer mit einem künstlichen Facettenauge.

Insekten und andere Gliederfüßer sehen die Welt mit besonderen Augen - den Facettenaugen. Diese Sehorgane bestehen bei Zweiflüglern meist aus einigen tausend, bei großen Libellen aus einige zehntausend „Einzelaugen“. Zwar können die Insekten ihre Umwelt nicht so scharf wahrnehmen wie wir. Ihre Sehorgane verfügen aber über eine wesentlich höhere Tiefenschärfe und können ein recht weites Blickfeld erfassen. So entgeht den Insekten in ihrer Umgebung auch nicht die kleinste Bewegung. Aufgrund dieser Eigenschaften haben Facettenaugen das Interesse von Bionikern gefunden.

Mehr zum Thema

Manfred Lindinger Folgen:

Den bislang größten Fortschritt beim Nachbau eines Insektenauges haben jetzt Wissenschaftler von der University of Illinois in Urbana-Campaign erzielt. John Rogers und seine Kollegen haben eine Kamera entwickelt, die aus 180 einzelnen, in Form einer Halbkugel angeordneten Lichtsensoren besteht.

Aufblasbare Geometrie

Die Forscher haben für ihr etwa ein Zentimeter großes künstliches Facettenauge 180 Mikrolinsen aus einem transparenten Kunststoff in regelmäßigem Abstand auf einer elastischen Silikonunterlage plaziert. Jede Linse versahen sie mit einer lichtempfindlichen Photodiode, die sie über flexible elektrische Drähte miteinander verbanden. Anschließend wurde die ganze Anordnung aufgepumpt, was ihr die Gestalt einer Halbkugel verlieh. Tests zeigten, dass das künstliche Facettenauge alle Objekte und deren Bewegungen registrierte, die sich in einem Raumwinkel von etwa 160 Grad aufhielten. Komplizierte geometrische Figuren, die man davor stellte, ließen sich fast perfekt rekonstruieren.

Künstliches Facettenauge © University of Illinois Vergrößern Künstliches Facettenauge mit 180 Lichtsensoren, hier montiert auf einem Chip.

Das künstliche Auge hätte somit das Sehvermögen von Feuerameisen, deren Sehorgane aus wenigen hundert Einzelaugen bestehen, schreiben Rogers und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 497, S. 95). Da man keine beweglichen Linsen benötigt, sehen die Forscher in ihrem System vor allem eine Ergänzung zu konventionellen Digitalkameras. Das Bauteil ließe sich als Kamera für Endoskope, aber auch für Flugroboter und Drohnen nutzen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Brutparasitismus Geboren, um zu betrügen

Ruft er seinen Namen aus dem Wald, freut sich der Mensch. Weniger Grund zum Jubeln hat die übrige Vogelwelt. Denn die darf sich um die Kinder des Kuckucks kümmern. Bei diesem Knochenjob spielt niemand freiwillig mit. Mehr Von Georg Rüschemeyer

21.05.2015, 10:00 Uhr | Wissen
Thailand Hier gibt es Insekten als Gourmet-Snacks

Der thailändische Unternehmer Panitan Tongsiri will Insekten als Delikatesse zu einem neuen Image verhelfen und es in die Feinschmeckerläden von Bangkok bringen. Mehr

27.02.2015, 17:37 Uhr | Gesellschaft
Paläoanthropologie Steineklopfende Flachgesichter

In Kenia haben Forscher Steinwerkzeuge entdeckt, deren Alter sie auf 3,3 Millionen Jahren bestimmen, 700 000 Jahre älter als die frühesten bisher bekannten. Damit können sie kaum von Menschen angefertigt worden sein - wenn denn die Datierung stimmt. Mehr Von Ulf von Rauchhaupt

20.05.2015, 19:00 Uhr | Wissen
Auf den Spuren der Termite Die Bauroboter kommen

Termitenbauten sind oft meterhoch, obwohl die Tiere nicht besonders intelligent sind. Forscher der Harvard Universität in Massachusetts wollen nun das ihre Roboter bald das gleiche können wie die kleinen Insekten. Mehr

01.02.2015, 13:21 Uhr | Wissen
Leuchtende Küsten Künstliches Licht stört kleine Meerestiere

Kleine Meereslebewesen können durch künstliches Licht, das von menschlichen Siedlungen ausgeht, gravierend in ihrem Lebenszyklus gestört werden. Ihre Kolonien bleiben klein – oder wachsen plötzlich mehr als sonst. Mehr Von Christina Hucklenbroich

14.05.2015, 17:00 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.05.2013, 21:59 Uhr