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Organvergabe in Deutschland Eine Frage des Überlebens

 ·  Bei der Organvergabe liegt in Deutschland einiges im Argen. Das ganze System lädt zum Schummeln ein. Schnöde Bestechlichkeit ist nur eines der möglichen Motive.

Artikel Bilder (2) Interaktiv (1) Lesermeinungen (17)
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wiebke ullrich
wiebke ullrich (Holly88) - 10.01.2013 11:33 Uhr

@m.meier

Ich habe mal gehört das die Erde unter Überbevölkerung leidet. Ich habe auch davon gehört das die wenigsten Menschen mit fremden Organen noch wirklich lange weiter leben. Was ich sicher weiß das der Mensch nicht vernünftig mit diesen Dingen umgehen kann. es werden Strassenkinder überfallen um dann frisch operieret wieder genau dort abgesetzt zu werden. Und jetzt die nächsten leiden zu lassen nur damit Hans und Franz noch länger das Gesundheitssystem belasten und nicht arbeitsfähig durch die Welt zu geistern halte ich für absolut unrichtig. Wir haben hungernde Kinder in Deutschland, Alte die sich wochenlang von Kartoffeln und Zwiebeln ernähren müssen. Die Organspende ist ein luxusproblem der westlichen Welt und vollkommen überdimensioniert. Wir sollten lieber dafür sorgen, dass es wieder einen natürlichen Umgang mit dem Tod gibt. Das sterben beginnt mit der Geburt!

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.01.2013 18:23 Uhr
Marcel Meier

Auch Sie hängen an Ihrem Leben!

"Luxusproblem der westlichen Welt"

Es kann nicht jeder Mensch auf Erden nach westlichem Standard leben. Das funktioniert nicht und es zu versuchen wird immer scheitern. Sie können ja voran gehen und Ihr Hab und Gut spenden.

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Herbert Mayer

Leider inhaltlich falsch

Folgendes:
"Ich habe auch davon gehört das die wenigsten Menschen mit fremden Organen noch wirklich lange weiter leben."
Das hängt ganz vom Organ ab, bei der Niere leben nach 10 Jahren noch ca 70% der Transplantierten, bei Lebendtransplantationen sogar 90%. Bei Herzen und oder Lungen sieht das ganze schon viel schlechter aus.

"Die Organspende ist ein luxusproblem der westlichen Welt und vollkommen überdimensioniert."

Es wird auch in Pakistan, China, Indien und Südamerika transplantiert. Fakt ist: Es wird überall auf der Welt transplantiert. Leider nicht überall auf einem so hohen Standard wie zB in England.

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Marcel Meier

Organe in Tieren züchten!

Würde man die Gentechnik nicht als Teufelszeug verurteilen, wäre/ist es bestimmt möglich, in kurzer Zeit Organe in Tieren zu züchten.
Und die Kirche hält jetzt mal den Mund!

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Christian Wolff

Mangelsystem

Jedes mangelsystem macht irgendwann erfinderisch, das wissen besonders DDR-Bürger. Wo Schlangen stehen, helfen manchmal nur noch Beziehungen und der Handel "unterm Ladentisch". Der beste Schutz wäre ein Überangebot an Organen. Dann würde aber die Zeit zum Mangelfaktor, und man müsste mehr bezahlen, weil man nur einen Patienten zur Zeit auf den OP-Tisch legen kann und der Operateur auch mal an sich denken muss ( z.B. um zu schlafen). Es hilft nichts, die Zukunft liegt in den Stammzellen, dorthin sollte man seine Aufmerksamkeit und Energien lenken; Transplantationsmedizin ist in ethischer Honsicht fragwürdig, medizinisch ein primitives Prinzip, sie schafft Misstrauen und obige Phänomene. Vielleicht sollt man auch wieder lernen, den Tod zu akzeptieren. Er wird aus unserer Wahrnehmung systematisch verbannt. Keinem ist klar, dass das Hähnchen aus der Tiefkühltruhe kein Produkt ist, sondern ein Lebewesen war, das für uns geopfert wurde. Auch die menschliche Leber ist kein Produkt.

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Christian Heine

Der Hirntod ist kein echter Tod, lediglich ein juristisch-medizinisches Konstrukt.

Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Auch das unterschiedliche Länder unterschieldiche "Hirntodkonzepte haben". Tote Menschen können eben keine Organe mehr spenden, die Organe von gestorben Menschen sind für jedwede Spende ungeeignet.
Jeder gutherzige Oranspender sollte darüber genau nachdenken, bevor er sein eigenes Leben riskiert. Es gab im letzen Jahr wahrhaft genug Publikationen die angesprochen haben, das Patienten mit Spendeausweis auf der Intensiv recht schnell als Ersatzteillager eingestuft werden, anstatt wirklich alles zu geben und ihn zu retten. Zum Teil stehen die Angehörigen dann noch auf dem Flur und hoffen, während schon die Entnahme medikamentös vorbereitet wird, statt zu heilen.
Immerhin gibt es auch Fälle in denen Hirntote Jahre nach der Diagnose Schwangerschaften ausgetragen haben und ähnliches. Wäre das Gehirn wirklich komplett tot, sollte sowas völlig unmöglich sein, da die Körperfunktionen, Feebacks usw. alle zusammenbrechen würden und der Patient stürbe.

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Florian Adler

Betrüger sind keine Schummler oder Mogler

sondern Gauner, Schwindler, Schufte, Schurken, Schieber, Falschspieler, Bauernfänger, Beutelschneider, Blender, Rattenfänger, Lügner, Helfeshelfer, Hintermänner, Schwarzhändler, Hehler, Schlepper, Konjunkturritter …

Die Headline ist ein Volltreffer. „Eine Frage des Überlebens“ gilt für die sog. Hirntoten, gern als Spender etikettiert. Es gilt für Patienten, die vergeblich auf ein Organ gewartet hatten und warten und es gilt für die tatsächlichen Empfänger; und seien sie lediglich zum Transplantationstraining (Mortalitätsraten) missbraucht. Nützliche Idioten für die „herausragende Erfolgsbilanz“ der Chirurgen und der Transplantationszentren, für Fach-Veröffentlichungen, Hochglanzbroschüren sowie Bonus-, Umsatz- und Ertragszahlen. Möglicherweise auch Falschabrechnungen mit den KVen für nicht durchgeführte Therapiemaßnahmen (Dialysen).

Der in Frage stehende Unterschied: Die einen sterben den leiblichen Tod, die anderen haben nur die egomanische Sorge, ggf. den sozialen Tod zu sterben.

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Juan-Luis Wehmeier

Keine Whistleblower, seltene klare Statements à la Opelz, dafür Omertà und wenig Aufklärung

Zuerst die liebe Ärzteschaft: Es ist äußerst unglaubwürdig wenn die Branche so wenig Durchschlagskraft in der Aufdeckung eines Systems zeigt: Herr Opelz ist ein ziemlich einsamer Rufer, der Artikel bisher die Ausnahme.

Meiner beruflichen Erfahrung nach kennt JEDE Branche ihre unseriösen Praktiken, jeder Marktteilnehmer beäugt Konkurrenten aufs Genaueste ob ihrer kommerziellen oder sonstigen Erfolge.

2. Der liebe Rest: Die Schlußfolgerungen liegen auf der Hand. mE haben Politik, Medien bisher wenig mehr als volksberuhigende Routinearbeit geleistet. Die Justiz recherchiert hierüber hoffentlich besser.

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paul osten
paul osten (posten) - 08.01.2013 13:11 Uhr

Konsequent

Ich erwarte, dass alle, die diesen staatlich geförderten Kanibalismus unterstützen, sich öffendlich auch für den Verzehr von Menschenfleisch in Hungergebieten aussprechen!
Dann würde ich u.U. meine ablehnende Haltung noch einmal überdenken.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.01.2013 20:39 Uhr
Elisa Wald
Elisa Wald (E.Wald) - 08.01.2013 20:39 Uhr

Sind Sie selber konsequent?

Wer ist inkonsequent? Wer bereit ist, als Sterbender seine Organe jemandem zu spenden, der damit weiterleben kann und so mit seinem Organspendeausweis "diesen geförderten Kannibalismus unterstützt"?
Oder diejenigen, die zunächst nicht bereit sind, ihre eigenen Organe zu spenden, aber ihre Haltung "überdenken", sobald sie vor der Wahl stehen, selbst zu sterben oder ein fremdes Organ transplantiert zu bekommen.

Bleiben Sie meinetwegen ruhig bei Ihrer Ablehnung, ich werde Ihnen das nie vorwerfen. Aber seien Sie selbst dann bitte auch so konsequent, Ihren eigenen Tod oder den eines Nahestehenden in Kauf zu nehmen, wenn nur noch eine Transplantation helfen würde.

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Jean-Paul van de Mortyr

Wenn Geld über Moral und Ethik siegt

kommt unsere aktuelle Situation dabei raus. Im Gesundheitswesen, der Politik, dem Immobilienwesen usw.

Es scheint mir, niemand muss sich mehr verantworten. Wowereit und Gespann fahren ein ganzes Großprojekt an die Litfaßsäule und werden gelobt, Ärzte brechen nicht nur den hippokratischen Eid sondern begehen Verbrechen an der Menschheit und kommen meist ungeschoren davon, Kultur wird einfach plattgerollt für ausländische Investoren usw.

Verstaatlichung war mal ein gutes Mittel, um geldgerigen Vollidioten ihre Grenzen aufzuzeigen aber selbst der Staat verkauft sich mittlerweile selbst für Bares. Ich hab echt langsam keinen Bock mehr auf dieses System und auf die parlamentarische Demokratie pfeife ich auch langsam - funktioniert eh nicht mehr.

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Otto Meier

Überleben ist nicht alles. Oder doch?

Neben der zutiefst verabscheuungswürdigen und mit allen Mitteln zu unterbindenden Geschäftemacherei mit Organen stellt sich noch eine ganz andere Frage.

Wozu ist der Mensch im Angesicht des eigenen Todes bereit? Denn es ist angesichts der Inanspruchnahme von Lebendspenden aus der "Dritten Welt" kaum anzunehmen, daß das Problem einzig bei den Medizinern liegt. Menschen sind durchaus bereit, alle ethisch-moralischen Bedenken über Bord zu werfen, wenn es an das eigene Leben geht.

Für diejenigen, die Geld genug haben, spielt die Frage einer Organspende keine große Rolle. Die beschaffen sich das passende Organ schon irgendwie, wenn sie es wollen. Und für die, die das notwendige Kleingeld nicht besitzen, spielt die Frage der Organspende auch keine Rolle. Für die gibt es nur die ansonsten unverwertbaren Reste.

Aber der ethisch-moralische Aspekt ist für alle gleich. Wie lebt es sich mit einem Organ, welches nur durch fragwürdige Umstände den Besitzer gewechselt hat?

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.01.2013 09:25 Uhr
Marcel Meier

Ethisch-moralischer Aspekt?

Jeder hängt an seinem eigenen Leben- auch Sie!

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Hans-Eberhard Fischer

Organspenden und Skandale

Ich will mich hier nicht zum Für und Wider der Organspende äußern und auch nicht zu all‘ diesen Skandalen.
Soviel aber doch:
Jeder Organspender bringt einen »Umsatz« von geschätzt mindestens einer Million Euro, wovon dessen Angehörige jedoch nicht einen einzigen Cent sehen, weil man keine Kommerzialisierung dulden will.
Die aber gibt es längst, sonst wären die Transplantationszentren nicht so versessen darauf, die Anzahl »ihrer Fälle« möglichst stark zu erhöhen.
Dass »man« den Angehörigen aber nicht wenigstens die Kosten für ein anständiges (!) Begräbnis des Spenders bezahlt, ist mehr als schäbig: Das ist eine wahre Schande.

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Kathleen Lange

Herr Fischer,

Ihre Einwände sind durchaus nachvollziehbar. Ich möchte da nichts wegdiskutieren, es ist ein offensichtliches Problem, dass DRG(also Fallpauschalen)+Bildung von Kompetenzzentren+die Aushandlung Pauschalbeträge, die Allgemeinmediziner pro Quartal erwirtschaften dürfen zu einem großen Mißstand in unserem Gesundheitssystem geführt haben. Hier wird die Hinwendung zum Patienten vorausgesetzt, aber die Kommerzialisierung verdrängt diese zunehmend. Sie, wir, als Patient können auch was dagegen tun: Politisch aktiv werden. Bezüglich ihres Kommentares finde ich die Argumentation zu emotional: Ein Lazarussyndrom ist keine gezielte Abwehr, das sollte man streng differenzieren. Es vernachlässigt auch keiner einen Patienten. Was hier zunehmend vernachlässigt wird, sind Grundsatzideale und zwar auf vielen Gebieten. Das ist unser Problem. Einseitige Diskussionen und Schuldzuweisungen bringen nichts, wir müssen unsere Gesellschaft+Miteinander selbst gestalten.

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Closed via SSO

Wer Organe zu spenden bereit ist, gefährdet sich selbst - wie FAZ.net vom 18.82012 ("Hirntod") zeigt

Dort steht erschütternd eindringlich beschrieben, dass und wie

> Ärzte jene Patienten, die ihre Organe zu spenden bereit sind, ab einem gewissen Zeitpunkt und ohne Aufklärung der Angehörigen Patienten nur noch organzentriert, nicht aber mehr patientenzentriert behandeln, sprich: vernachlässigen;

> Patienten ruhiggestellt werden müssen, weil sie bei der Organentnahme ansonsten verzweifelt um sich schlagen und sich aufrichten, um sich trotz angeblichen "Hirntodes" gegen das Herausreissen zu wehren, denn wer "hirntot" ist, der lebt noch.

Wenn Ärzte es fertigbringen, einen künstlichen Hirntod als Tod zu definieren, Krankenakten zu manipulieren und auf diese Weise kranken Patienten einer anderen Klinik Spenderorgane vorzuenthalten und lebenden Menschen Organe zu entnehmen - liegt es dann so fern, einen Patienten früher als nötig organzentriert statt patientenzentriert zu behandeln, um so an Transplantate zu kommen?

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Closed via SSO

Nicht nur Organe, der ganze ..

Medizinsektor ist dem Virus "Geldmachen" zum Fraße vorgeworfen worden. Bahr (FDP) spielt seine Rolle als jugendlich-unbekümmerter Brandbeschleuniger. Man kann jedem nur den banalen Rat geben: Tu selber alles, um dem Arzt, der Pille, dem Krankenhaus zu entgehen. Wenn Du mal gefangen bist, wirst Du möglichst lebenslang "behandelt". Der Ethik verpflichtete Ärzte werden vom System unterdrückt.

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08.01.2013, 10:24 Uhr

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