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Veröffentlicht: 06.10.2014, 11:40 Uhr

Stockholm Nobelpreis für Erforscher des Gehirn-Navis

Der Nobelpreis für Medizin geht an die Hirnforscher John O’Keefe aus den Vereinigten Staaten sowie die Norweger May-Britt Moser und Edvard Moser. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, wie das innere Navigationssystem des Menschen funktioniert.

© Nobel Foundation, Mattias Karlén

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an John O’ Keefe aus den Vereinigten Staaten sowie May-Britt und Edvard Moser (beide Norwegen). Sie erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 870.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

© dpa, reuters Medizin-Nobelpreis für den Navi im Kopf

„Es ist ein Preis für eine grundlegende Entdeckung dessen, wie unser Gehirn funktioniert“, sagte Göran K. Hansson, Sekretär des Nobel-Komitees.

Infografik / Nobelpreis für Medizin 2014 / John O’Keefe © Nobel Foundation, Mattias Karlén Vergrößern

1971 habe John O’Keefe die ersten Komponenten des Navigationssystems entdeckt - ein Typ von Nervenzellen, der immer aktiviert wurde, sobald eine Ratte an einem bestimmten Ort innerhalb eines Raumes war. Andere Nervenzellen arbeiteten, wenn das Tier an anderen Stellen saß. O’Keefe schloss daraus, dass diese Ortszellen im Hirn eine Art Karte des Raumes formen.

Infografik / Nobelpreis für Medizin 2014 / May-Britt und Edvard Moser © Nobel Foundation, Mattias Karlén Vergrößern May-Britt Moser und ihr Ehemann Edvard Moser haben die Raster- oder Gitterzellen“ im Kopf entdeckt.

Mehr als drei Jahrzehnte später, im Jahr 2005, entdeckten May-Britt und Edvard Moser weitere Schlüsselkomponenten zur Orientierung. Sie nannten sie Rasterzellen, die dazu dienen, einen Weg zu finden. Danach ermittelten sie, wie Ortszellen und Rasterzellen bei der Orientierung zusammenarbeiten.

„Die diesjährigen Nobelpreisträger haben Schlüsselaspekte eines fortgeschrittenen Positionierungssystems im Gehirn herausgefunden“, sagte Ole Kiehn vom Karolinska-Institut. „Die Fähigkeit, zu wissen, wo wir sind und unseren Weg zu finden, sind bedeutend für unserer Existenz.“

In einer ersten Reaktion zeigte sich die Preisträgerin aus Norwegen überwältigt. Sie habe überhaupt nicht mit der Auszeichnung gerechnet, sagte May-Britt Moser laut dem Nobelkomitee. „Ich bin immer noch schockiert. Das ist so großartig.“

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Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr hatten der gebürtigen Deutschen Thomas Südhof sowie James Rothman und Randy Schekman aus Amerika die Auszeichnung erhalten. Sie hatten wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt, deren Defekte Grundlage von vielen Krankheiten sind. Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie.

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Von Joachim Müller-Jung

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