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Kailash Satyarthi : Kämpfer gegen Kindersklaverei

  • -Aktualisiert am

Im Fokus der Berichterstatter: Kailash Satyarthi in Delhi kurz nach der Bekanntgabe des Friedensnobelpreis-Komitees Bild: Reuters

Seit Jahrzehnten hat sich Kailash Satyarthi dem Kampf gegen Kinderarbeit verschrieben. Längst beschränkt sich sein Engagement nicht mehr auf Indien. Für das Komitee in Stockholm steht der Friedensnobelpreisträger in der Tradition Mahatma Gandhis.

          Kailash Satyarthi war sechs Jahre alt, als er auf dem Weg zur Schule auf der anderen Straßenseite einen Jungen in seinem Alter bemerkte. Doch der andere Junge ging nicht wie er zur Schule. Er hatte nicht die Möglichkeit, in den kargen Klassenräumen der Dorfschule Lesen und Schreiben zu lernen. Denn der fremde Junge saß zusammen mit seinem Vater am Bordsteinrand und putzte Schuhe. Jeden Tag, von morgens bis abends. Kailash schämte sich für die Chancen, die er hatte und die dem anderen Jungen verwehrt blieben.

          Wie jenem Jungen aus Satyarthis Kindheit ergeht es alleine in Indien schätzungsweise 12,6 Millionen Kindern. Sie alle müssen Tag für Tag arbeiten, eine unbeschwerte Kindheit wird ihnen nicht gewährt. Sie putzen Schuhe, sammeln Müll, schlagen Steine, verkaufen Obst oder servieren Tee. Nach ihren Träumen und Wünschen fragt niemand. Nur nach dem Geld, dass sie abends nach Hause bringen. Es ist ein grauenvoller Missstand, den Kailash Satyarthi seit jenem Schultag nicht hinnehmen wollte. Es dauerte nicht lange, da wurde er selbst aktiv. Mit gerade einmal 11 Jahren begann er Geld zu sammeln für Familien, die ihre Kinder aus finanziellen Gründen nicht in die Schule schicken konnten.

          Einsatz unter Lebensgefahr

          Im Alter von 26 Jahren fasste Satyarthi den Entschluss, sich voll und ganz dem Kampf gegen Kindersklaverei zu widmen. Seinen Beruf als Elektroingenieur gab er kurzerhand auf und gründete die Organisation „Bachpan Bachao Andolan“ (Bewegung zur Rettung der Kindheit). Sie umfasst inzwischen mehr als 470 Partnerorganisationen in Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch, Bhutan und Sri Lanka und ist weltweit eine führende Institution im Kampf gegen Kinderarbeit. In Indien wurden zudem 18 Rehabilitationszentren für ehemalige Kindersklaven eingerichtet.

          Satyarthi und seine Mitstreiter retteten seither allein in seiner Heimat mehr als 80.000 Kinder aus Sklaverei und Schuldknechtschaft, teils unter lebensgefährlichem Einsatz. Denn meist sind Fabriken, in denen Kinder arbeiten müssen, durch Sicherheitskräfte streng bewacht. Satyarthi sagt selbst, dass er mehrfach brutal angegriffen wurde.

          „Weltweiter Marsch“

          och Satyarthis Arbeit beschränkt sich nicht auf Indien: Er trug dazu bei, Menschen auf der ganzen Welt auf das Thema Kinderarbeit aufmerksam zu machen. Die Gründung des so genannten Rugmark-Siegels trug dazu bei, Konsumenten beim Einkauf auf die Herkunft von Produkten aufmerksam zu machen. Das Siegel kennzeichnet Produkte (vor allem Teppiche), die in überprüften Betrieben ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Seit der Einführung des Siegels und einer gleichnamigen Organisation soll die Kinderarbeit in der Teppichindustrie um etwa zwei Drittel zurückgegangen sein.

          Solche Erfolge spornten Satyarthi weiter an. 1998 organisierte er den „Weltweiten Marsch gegen Kinderarbeit“, der über mehr als 80.000 Kilometer durch Asien, Afrika, Amerika, Australien und Europa führte und schließlich in Genf endete. Nicht Indien, nicht die Einkaufsläden im Westen, die ganze Welt wollte er auf das Thema Kinderarbeit hinweisen. „Wir wollen bis zur Jahrtausendwende die Welt frei von Kinderarbeit machen“, sagte er damals. Das gelang ihm leider nicht. Trotz einiger Erfolge werden nach Angaben der Internationalen Arbeiterorganisation noch immer weltweit mehr als 168 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen.

          „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ und „Wenn nicht Du, wer sonst?“ Es sind solche Fragen, die Kailash Satyarthi häufig stellt. Nicht vorwurfsvoll. Vielmehr veranschaulichen sie den inneren Antrieb des 60 Jahre alten Inders. „Wenn wir in der Lage sind, diese Fragen zu beantworten, können wir vielleicht den Schandfleck der Kindersklaverei ausmerzen“, sagt Satyarthi.

          Für sein unermüdliches Engagement hat Satyarthi zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 1994 den Aachener Friedenspreis und 1999 den Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung. Nun, im Alter von 60 Jahren, hat Kailash Satyarthi zusammen mit der pakistanischen Kinderrechtlerin Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis erhalten. Das Komitee in Stockholm sagte, Satyarthi stehe in der Tradition von Mahatma Gandhi, indem er friedlich gegen die grausame Ausbeutung von Kindern kämpfe.

          Satyarthi selbst widmete seine Auszeichnung den Kindern, für deren Rechte er seit Jahrzehnten kämpft. „Mit diesem Preis finden die Stimmen von Millionen von Kindern Gehör - Stimmen, die bislang nicht gehört wurden“, sagte Satyarthi dem indischen Nachrichtensender NDTV. Die Auszeichnung könne alle Menschen in Indien glücklich machen, sagte Satyarthi. „Es ist eine Ehre für die 1,25 Milliarden Inder. Es ist das erste Mal, dass ein Inder den Friedensnobelpreis gewonnen hat.“

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