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Aktualisiert: 07.10.2016, 12:08 Uhr

Friedensnobelpreis Auszeichnung für den Pokerspieler Santos

Der Friedensnobelpreis für den kolumbianischen Präsidenten Santos würdigt dessen Eintreten für ein Ende des Bürgerkriegs. Damit wird seine Wandlung vom „Falken“ zur „Taube“ belohnt.

von , São Paulo
© AFP Juan Manuel Santos (Mitte) nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit dem Rebellen-Führer Timochenko im September

Von Juan Manuel Santos weiß man, dass er ein leidenschaftlicher Pokerspieler ist. Das sieht man ihm auch an. Seine Stimme ist stets fest, sein Blick immer ruhig, seine Gesten sind allzeit kontrolliert. Zuletzt hat der Pokerspieler in der Rolle des Präsidenten Kolumbiens alles auf eine Karte gesetzt: Es ist die Karte des Friedens, den er seinem Land nach mehr als einem halben Jahrhundert Bürgerkrieg zu bringen entschlossen ist.

Matthias Rüb Folgen:

Am vergangenen Sonntag schien er alles verloren zu haben. Der Friedensvertrag mit den marxistischen Farc-Rebellen, den er nach rund vier Jahren zähen Verhandlungen in Havanna vereinbart hatte, fiel beim Referendum mit knapper Mehrheit durch. Santos stand – und steht – vor einem politischen Scherbenhaufen. Die Volksabstimmung hätte er gar nicht ausschreiben müssen. Der Handschlag mit Farc-Kommandeur Rodrigo Londoño alias Timochenko in Havanna von Ende Juni und zumal die Unterzeichnung des fast 300 Seiten langen Vertrags mit dem Rebellen-Kommandeur am 26. September in Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste hätten genügt, um dem Frieden in Kolumbien politische Legitimität und Rechtskraft zu verleihen. Doch Santos wollte dem Volk das letzte Wort geben, weil er sicher war, es würde für den Friedensvertrag stimmen – und verzockte sich.

Mit dem Friedensnobelpreis ist Santos nun gewissermaßen die fehlende Karte zum „Royal Flush“ zugeflogen. Das Land mit seinen gut 48 Millionen Einwohnern ist kriegsmüde. Alle wollen den Frieden: die Parteien von Santos‘ Regierungskoalition sowie, auch die Opposition unter dem früheren Präsident Álvaro Uribe, die erschöpften knapp 6000 Farc-Rebellen und ihre Führung, die sieben Millionen Binnenvertriebenen, das ganze kolumbianische Volk. Der Nobelpreis für Santos ist für alle zusätzlich Ansporn, die letzten Hindernisse bei den Nachverhandlungen zum Vertrag von Havanna zu überwinden.

© Reuters, reuters Friedensnobelpreis geht an Kolumbiens Präsidenten

Santos, geboren am 10. August 1951 in Bogotá, entstammt einer einflussreichen und wohlhabenden liberalen Familie. Sein Weg ins höchste politische Amt Kolumbiens war ihm fast in die Wiege gelegt. Sein Großonkel Eduardo Santos war von 1938 bis 1942 Präsident und zudem Eigentümer von „El Tiempo“, der größten Tageszeitung des Landes. Sein Vetter Francisco Santos war von 2002 bis 2010 Vizepräsident unter Uribe. Juan Manuel Santos selbst übernahm nach dem Studium der Volkswirtschaft, der Rechte und der Diplomatie in Kansas, London und Cambridge in Massachusetts zunächst Posten in der Privatwirtschaft und bei „El Tiempo“, ehe er sich ganz der Politik widmete. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

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Schon 1991 wurde er Außenhandelsminister, seinen Durchbruch auf die nationale politische Bühne erreichte er aber als Uribes Verteidigungsminister von 2006 bis 2009. In dieser Zeit fügten die kolumbianischen Streitkräfte unter Uribes und Santos‘ Führung den Farc schwere Verluste zu. Schon bald nach seiner Wahl ins Präsidentenamt 2010 folgte der „Falke“ Santos seiner neuen Berufung zur „Taube“ und trieb die Verhandlungen mit den Farc voran. Nun ist es ihm fast schon gelungen, als Friedensstifter von internationalem Rang in die Geschichte einzugehen und nicht nur als Präsident aus einer kolumbianischen Politiker-Dynastie. Es fehlt nur noch der Frieden in Kolumbien. Vor dem 2. Oktober war der Frieden so gut wie erreicht. Jetzt ist er nur noch einen Schritt entfernt. Mit einem Friedens-Nobelpreisträger im höchsten Staatsamt müssten ihn die Kolumbianer vollends gehen können.

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