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Kommentar : Ein Preis gegen Finanzkrisen

Der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, Per Strömberg, erklärt die Wahl. Bild: AFP

Alfred Nobel wollte Auszeichnungen für Leute, die die Menschheit voranbringen. Mit dem Wirtschaftspreis könnte er zufrieden sein.

          Dem Wirtschafts-Nobelpreis wird oft vorgeworfen, er sei gar kein richtiger Nobelpreis, sondern ein neoliberales Propagandainstrument. Namensgeber Alfred Nobel habe die Ökonomie gehasst, die schwedische Notenbank habe sich mit ihrem Preis nur an den Ruhm der anderen Preise angehängt, gegen den Willen der Familie.

          Wer das sagt, muss wissen: Nobel-Stiftung und Familie haben der Einrichtung des Preises zugestimmt. Der Wirtschaftsnobelpreis wird vergeben wie die Preise in Chemie und Physik. Als neoliberales Propagandainstrument taugt er nicht: Erstens werden die Preise gleichmäßig über das politische Spektrum verteilt, zweitens kommt die Auszeichnung für die meisten Preisträger erst nach dem Ruhm, so dass ihr Ansehen anschließend nicht mehr stark wächst. Das hat gerade eine Analyse zweier Historiker gezeigt.

          Dieses Jahr allerdings trifft der Nobelpreis zwei Träger, die in der Öffentlichkeit mehr Gehör verdient hätten. Ohne viel Aufhebens tragen Oliver Hart und Bengt Holmström mit ihrer Forschung dazu bei, dass sich die Finanzkrise der Jahre 2008 nicht so leicht wiederholt. Diese Krise entstand auch dadurch, dass Bankmanager Anreize hatten, mit riskanten Investitionen übergroße Boni für sich selbst zu verdienen – und dabei das Risiko für die Bank zu vernachlässigen. Hart und Holmström entwickeln in ihrer Vertragstheorie die Grundlagen für Arbeitsverträge, die diese Bonuskultur nicht mehr zulassen. Die Theorie kann aber auch für Verträge zwischen Ärzten und Krankenkassen verwendet werden oder für andere Bereiche, in denen man sich gerne gegenseitig übervorteilt.

          Der Homo Oeconomicus hat seine Vorteile

          Die Vertragstheorie ist sehr mathematisch. Sie geht oft vom rationalen, eigennützigen Menschen aus, dem Homo Oeconomicus. Beides ist in Verruf gekommen. Doch wer egoistische Arbeitnehmer daran hindern will, sich zulasten ihres Unternehmens zu bereichern, der muss vom Homo Oeconomicus ausgehen. Und dann braucht es auch Mathematik, um möglichst viele Schlupflöcher zu stopfen. Noch besser: Experimente weisen schon an vielen Punkten nach, dass die Vertragstheorie das Verhalten der Menschen durchaus richtig eingeschätzt hat.

          Die Vertragstheorie ist also eine Theorie, die die Menschheit voranbringt, sie ist mathematisch sauber argumentiert und experimentell überprüft. Nobel hat sich in seinem Testament gewünscht, dass diejenigen ausgezeichnet werden, die der Menschheit großen Nutzen gebracht haben. Er wäre mit der Wahl von Hart und Holmström bestimmt zufrieden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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          Quelle: F.A.Z.

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