14.03.2007 · Was für Regenwaldhölzer schon gang und gäbe ist, etabliert sich möglicherweise auch für Korallenfische: der zertifizierte umweltschonende Handel. Statt die Korallen mit der Zyanid-Methode zu plündern, sollen die Fische in Zukunft mit Netzen gefangen werden.
Von Joachim Müller-JungWas für Regenwaldhölzer vielerorts schon gang und gäbe ist, etabliert sich möglicherweise auch für Korallenfische: der zertifizierte umweltschonende Handel. Statt die Riffe mit der seit Jahren um sich greifenden Zyanid-Methode zu plündern, indem man Gift in die Korallenstöcke spritzt und die betäubten – vielfach verletzten – Zierfische entnimmt, werden die Tiere mit Netzen gefangen.
Dieser sogenannte „MAC-Standard“ geht auf die Zusammenarbeit von Paul Holthus vom Marine Aquarium Council (MAC) und Tim Packeiser von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zurück. Die beiden hatten vor vier Jahren mit Geldern des Berliner Entwicklungshilfeministeriums auf den Philippinen begonnen, das Fischesammeln auf die schonende Fangmethode umzustellen.
Immer mehr Exporteure stellen ihren Handel um
Trainingszentren wurden gegründet, in denen die heimischen Fischesammler die Zierfischjagd mit den Netzen lernten – oder wieder erlernten, denn vor dem Zyanidfischen waren die Taucher längst damit vertraut gewesen. Inzwischen gibt es einige solcher Trainingszentren auf den Philippinen, in Indonesien und auf Fiji, und immer mehr Exporteure, berichten die beiden Organisationen, stellen ihren Handel um.
Sie nehmen nur noch Aquarienfische ab, die von den Tauchern gezielt mit Netzen gefangen und von den Importeuren in Übersee bestellt worden waren. Auch bei der Aufbewahrung in den Becken achtet man jetzt verstärkt darauf, dass die Tiere geschont werden und unverletzt bleiben. Freilich: Von den über zwanzig Millionen Tieren, die weltweit im Aquarienhandel landen, dürften bisher höchstens zwei Prozent aus MAC-zertifizierten Fanggebieten stammen.
Nachzuchten
Tobias Weisserth (Polarapfel)
- 14.03.2007, 04:09 Uhr
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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