07.07.2006 · Die genmanipulierte Gerste ist auf einem Versuchsfeld der Universität Gießen in dieser Woche vorzeitig geerntet worden. Die Hauptziele des bundesweit bisher beispiellosen Versuchs sind trotz einer Zerstörungsaktion nicht gefährdet.
Die genmanipulierte Gerste ist auf einem Versuchsfeld der Universität Gießen in dieser Woche vorzeitig geerntet worden. Ursprünglich hatten die Forscher um den Leiter des Instituts für Phytopathologie (Pflanzenkrankheiten), Professor Karl-Heinz Kogel, das Feld erst im August abräumen wollen. Nun haben sie aber entgegen ihrer Absicht nicht bis zur Reife der Ähren gewartet. Denn ein Fünftel der Ende April gesetzten 5000 Pflanzen war von Gentechnikgegnern am Pfingstwochenende zerstört worden.
Aus diesem Grund konnten die Wissenschaftler die Versuche zum Ertrag der Gen-Gerste nicht mehr mit der notwendigen Genauigkeit abschließen, wie Kogel berichtete. Auch seien keine Studien zum Befall des Getreides mit schädlichen Pilzen an Blättern und Ähren mehr möglich. Infolge des Angriffs auf das Versuchsfeld verzögerten sich die Abschlußarbeiten von Doktoranden. Die Hauptziele dieses bisher in Deutschland beispiellosen Experiments seien jedoch nicht gefährdet.
Vor langwierigen Laborexperimenten
Ein Teil der Pflanzen trägt ein Gen in sich, das die Gerste ein bestimmtes Eiweiß produzieren läßt, welches gegen Pilzerkrankungen wirkt. Der andere Teil weist eine Erbinformation aus einem Bakterium auf, das die Qualität der Gerste als Hühnerfutter verbessern soll. Bei dem auf drei Jahre angelegten Versuch im Rahmen des Biosicherheitsprogramms des Bundes wollen die Forscher laut Kogel herausfinden, ob die genetisch veränderten Pflanzen nur unerwünschte oder auch nützliche Pilze im Boden schädigen.
Auch interessieren sie sich dafür, ob sie widerstandsfähiger sind als nicht manipulierte Gerste - falls ja, wären bei ihrer Nutzung weniger Pflanzenschutzmittel notwendig als üblich. Zu diesem Zweck vergleichen sie die Besiedlung der Wurzeln von manipulierten und herkömmlichen Pflanzen. Dazu sind nach den Worten des Institutsleiters langwierige Laborexperimente mit mikroskopischen und molekularbiologischen Verfahren notwendig.
Polizei ermittelt weiter
Derweil wertet die Gießener Polizei, die am Pfingstwochenende noch größere Schäden an dem Versuchsfeld verhindert hatte, nach wie vor weiter die gesicherten Spuren aus. Gegen die militanten Gentechnik-Gegner wird wegen des Verdachts der der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Gießen weiter mitteilte. Sie hatten den Übergriff zuvor im Internet angekündigt. Der mutmaßliche Rädelsführer ist polizeibekannt, da er in der Vergangenheit schon mit ähnlichen Aktionen aufgefallen war.