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Weltzustandsbericht : WWF: „Größtes Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier“

  • Aktualisiert am

Orang-Utans fühlen sich fast nur noch im Zoo wohl Bild: AP

Gewässerverschmutzung, Brandrodungen der Regenwälder, der sich überall ausbreitende Mensch: Dies sind einige der Gründe für einen dramatischen Schwund der Artenvielfalt auf der Erde, vor dem der WWF in seinem Weltzustandsbericht eindringlich warnt.

          Die Vielfalt der Arten auf der Erde nimmt dramatisch ab, während der Mensch deutlich über seine Verhältnisse lebt. Die Folge sei eine beispiellose Umweltzerstörung, vor der die Umweltstiftung WWF in ihrem nun vorgelegten Zustandsbericht für den Planeten Erde warnt. Die Welt erlebe zur Zeit „das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier“, heißt es im „Living Planet Report 2006“. „Wenn der Verbrauch an natürlichen Ressourcen so weitergeht wie bisher, werden wir bis zum Jahr 2050 zwei Planeten benötigen, um unsere Bedürfnisse nach Nahrung, Energie und Infrastruktur zu decken“, kritisierte der World Wide Fund for Nature (WWF) am Dienstag in Frankfurt am Main.

          Forscher hatten für den WWF-Bericht die Bestandsdaten von mehr als 1300 Tierarten analysiert. Die Zahl der Wildtierarten in dieser Analyse sank von 1970 bis 2003 um 30 Prozent. Besonders gravierend fiel der Rückgang mit minus 55 Prozent in den Tropen aus, wo die tier- und pflanzenreichen Wälder zu Gunsten von Acker- und Weideflächen abgeholzt werden. „Seit den achtziger Jahren hat der Index für Artenvielfalt einen starken Sinkflug hingelegt“, sagte WWF-Naturschutzdirektor Christoph Heinrich. „In den letzten Jahren hat er sich auf einem alarmierenden Niveau stabilisiert.“

          Sumatra leidet besonders stark

          Auf der indonesischen Insel Sumatra etwa gefährde die hemmungslose Zerstörung der Regenwälder „das artenreichste Ökosystem überhaupt auf der Welt“, betonte Heinrich. Der Orang-Utan sei in weiten Teilen der Inselwälder bereits verloren, der Sumatra-Tiger komme ebenfalls nur noch vereinzelt vor. Auch der Verlust des Sumatra-Nashorns und der asiatischen Elefanten auf der Insel sei kaum noch abzuwenden. „Bis 2015 droht nach einer Studie der Weltbank der Totalverlust der Tieflandregenwälder auf Sumatra, die in Palmöl- und Zellstoffplantagen umgewandelt werden“, sagte Heinrich. Dasselbe Problem drohe in allen anderen südasiatischen Regenwäldern.

          Ökologische Katastrophe: Verbrannter Wald auf Sumatra
          Ökologische Katastrophe: Verbrannter Wald auf Sumatra : Bild: REUTERS

          Die am stärksten gefährdeten Ökosysteme seien derzeit aber Flüsse und Seen. Diese Süßwasserlebensräume würden durch Verschmutzung und Dammbau zerstört. „Lachse und Störe sind bei uns in Europa die prominentesten Opfer dieser Entwicklung“, erläuterte Heinrich. In den Tropen seien unter anderem die stark bedrohten Flußdelphine betroffen. „Staudämme verwandeln Flüsse in Seen, die Delphine können nicht mehr wandern - daran können sich die Tiere nicht anpassen.“

          Mensch überstrapaziert die Biokapazität der Erde

          Während immer mehr Lebensräume für Wildtiere verlorengingen, steige der sogenannte ökologische Fußabdruck des Menschen ungebremst weiter. Dieser Index mißt den Verbrauch der natürlichen Ressourcen in Form von fossilen Brennstoffen, Wohnfläche oder Ackerland. Rein rechnerisch steht der Studie zufolge jedem Erdenbürger eine Fläche von 1,8 Hektar zur Verfügung, um seinen Bedarf zu decken. Tatsächlich verbrauche jedoch jeder Mensch 2,23 Hektar. Damit werde die Biokapazität der Erde schon um knapp ein Viertel überschritten - im Jahr 2004 war es erst ein Fünftel.

          Der ökologische Fußabdruck der Deutschen hat sich der Untersuchung zufolge in den vergangenen zwei Jahren leicht von 4,8 auf 4,5 Hektar pro Person verbessert. „Grund ist die greifende Energieeffizienz, möglicherweise auch die schwache Wirtschaftsleistung der vergangenen Jahre“, berichtete Heinrich. Zudem stagniere der Kraftstoffverbrauch, und der Flächenverbrauch sei deutlich zurückgegangen. „Dies ist ein Signal, daß sich Umweltschutz lohnt.“

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