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Wale Es quietscht in der Tiefsee

24.01.2005 ·  Wenn Pottwale auf Nahrungssuche gehen, tauchen sie hinab in lichtlose Tiefen. Dort unten hilft ihnen ihr Sonar beim Orten der Beutetiere.

Von Diemut Klärner
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Pottwale sind stimmgewaltiger als jedes andere Lebewesen. Ihr tonnenförmiger Kopf birgt ein Sonarsystem, das mit Schalldruckpegeln weit über der Schmerzgrenze menschlicher Ohren arbeitet. Hinter dem Kopf eines Pottwals wurden bis zu 190 Dezibel gemessen. Direkt vor die Nase hat diesen Tieren noch niemand ein Mikrophon gehalten. Wahrscheinlich werden dort sogar Schalldruckpegel von mehr als 220 Dezibel erreicht.

Ähnlich wie Fledermäuse scheinen die Wale ihre Stimmkraft dazu zu nutzen, durch Echo-Ortung ihre Beute aufzuspüren. Dabei lassen sie sich freilich nicht so leicht beobachten wie die geflügelten Säugetiere. Wenn Pottwale abtauchen, zuweilen mehr als tausend Meter tief, kann ihnen kein Mensch folgen. Wer den riesigen Meeressäugern dennoch auf die Spur kommen will, muß ihnen eine entsprechende Ausrüstung mit auf den Weg geben. Gemeinsam mit Kollegen der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts hat Patrick Miller von der University of St. Andrews nun etliche Pottwale auf diese Weise belauscht.

Zügige Taucher

Bei den Untersuchungen im Golf von Mexiko sowie im Ligurischen Meer galt es zunächst, die Tiere aufzuspüren und sich mit dem Schiff behutsam anzupirschen. Mit einer zwölf Meter langen Stange versuchten die Forscher dann, einen tellergroßen Saugnapf auf dem Rücken eines Wals zu plazieren. In der daran befestigten Kapsel war ein Sortiment von Meßgeräten verstaut, das Schallwellen ebenso registrierte wie Tauchtiefe und Bewegungsrichtung. Wenn alles gutging, machte dieses Instrumentarium mehrere Tauchgänge mit, ehe es sich wieder von der Walhaut löste. Über einen kleinen Sender konnten die Wissenschaftler dann die inhaltsreiche Kapsel orten und aus dem Wasser fischen.

Wie die Aufzeichnungen der Mikroprozessoren belegen, tauchen Pottwale ebenso zügig in die Tiefsee hinab, wie sie wieder zur Wasseroberfläche emporsteigen. Den größten Teil der Zeit verbringen sie in einer mehr oder minder konstanten Tiefe. Daß die aufeinanderfolgenden Tauchgänge immer wieder in dieselbe Region führen, läßt dort einen reich gedeckten Tisch vermuten. In dieser Tiefe benutzen die Pottwale auch ihre Stimme auffallend eifrig: Statt nur etwa einen Klicklaut pro Sekunde auszusenden, steigern sie sich mitunter auf bis zu fünfzig Signale pro Sekunde ("Proceedings of the Royal Society of London", Teil B, Bd. 271, S. 2239). Für menschliche Ohren verschmelzen die nur hundert Mikrosekunden langen Klicks dann zu einem langgezogenen Quietschlaut, der nicht selten mehr als zehn Sekunden andauert.

Der Trick mit dem Klick

Nach Einschätzung der Forscher haben derart quietschende Pottwale ein Beutetier entdeckt und die Verfolgung aufgenommen. Dafür sprechen nicht nur die rasanten Drehungen und Wendemanöver, die währenddessen oft stattfinden. Ein vergleichbarer akustischer Endspurt läßt sich auch bei Fledermäusen beobachten, die hinter fliegenden Insekten herjagen. Kurz bevor sie zupacken, stoßen sie ihre Ortungslaute in dichter Folge aus. So erhalten sie in diesem entscheidenden Moment ein präzises Hörbild mit hoher zeitlicher Auflösung, das ihnen gute Erfolgschancen sichert.

Daß Pottwale bei der Jagd auf Fische und Tintenfische mit demselben Trick arbeiten, ist eine plausible Vermutung. Angenommen, fast jeder Quietschlaut endet mit einer Mahlzeit, so verspeist ein ausgewachsener Pottwal mehr als dreihundert Beutetiere pro Tag. Das stimmt recht gut mit dem errechneten Nahrungsbedarf überein. Zwar überwältigen die bis zu dreißig Tonnen schweren Kolosse zuweilen riesige Tintenfische, die einige Zentner wiegen und mitsamt ihren Fangarmen eine Länge von etlichen Metern erreichen. Doch gewöhnlich begnügen sie sich mit viel kleineren Happen, im Durchschnitt kaum mehr als ein Kilogramm schwer. Wie es den Pottwalen gelingt, solche Beute in der Tiefsee aufzuspüren und zu fangen, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2005, Nr. 20 / Seite 34
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