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Wälder in Europa Ein Reservat für Schmetterlinge

 ·  Durch Abholzung und Holzverwertung haben in den Mittelwäldern im Elsass gefährdete Tagfalter eine neue Heimat gefunden. Das haben Landschaftsökologen aus Münster herausgefunden.

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Schmetterlinge sind rar geworden. Von der bunten Artenfülle, die einst Wälder und Wiesen bevölkert hat, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Wie die Forstwirtschaft hier womöglich gegensteuern könnte, haben Landschaftsökologen von der Universität Münster untersucht. Über ihre Ergebnisse berichten Thomas Fartmann, Cornelia Müller und Dominik Poniatowski jetzt in der Zeitschrift „Biological Conservation“ (doi: 10.1016/j.biocon.2012.11.024).

Kurz gehaltene Waldbäume

Das Forschungsobjekt von Fartmann und seinen Kollegen ist der Hartwald im Elsass, einer der wenigen Wälder in Mitteleuropa, die noch als sogenannter Mittelwald bewirtschaftet werden. Von den verschiedenartigen Laubbäumen, die dort wachsen, dürfen nur wenige groß und alt werden, um schließlich Bau- oder Möbelholz zu liefern. Die meisten eignen sich nur als Brennholz. Dafür werden sie immer wieder bis auf einen kurzen Stumpf zurückgeschnitten. Wenn die Wurzel intakt bleibt, treibt der Stumpf von Hainbuchen, Eichen, Linden und Eschen bald wieder aus, und nach dreißig bis vierzig Jahren ist das nachgewachsene Holz dann wieder erntereif.

Da jedes Jahr Brennholz eingeschlagen wird, jeweils auf anderen Teilflächen, entsteht ein Mosaik aus stark ausgelichtetem Wald, mehr oder minder dichtem Buschwerk und hochgewachsenen jungen Bäumen. In dieser abwechslungsreichen Waldlandschaft haben die Wissenschaftler eine ausgesprochen reichhaltige Schmetterlingsfauna entdeckt mit 36 verschiedenartigen Tagfaltern. Dreizehn davon gelten als gefährdet und stehen hierzulande auf der „Roten Liste“.

Ein  Refugium vieler Falterarten

Unter diesen Schmetterlingen finden sich neben Allerweltsarten wie Tagpfauenauge und Kohlweißling erwartungsgemäß typische Waldarten wie Kaisermantel und Waldbrettspiel. Von den dreizehn gefährdeten Tagfalterarten sind einige allerdings keine charakteristischen Waldbewohner. Magerrasen-Perlmuttfalter und Himmelblauer Bläuling tummeln sich sonst eher auf mageren Wiesen und kargem Weideland.

Reichlich Sonnenlicht bis in tiefe Lagen

Seit solche Biotope kaum noch als Schaf- oder Ziegenweide genutzt werden, sind sie vielerorts verschwunden und mit ihnen die dort heimischen Schmetterlinge. Für einige dieser Falter könnten traditionell bewirtschaftete Mittelwälder einen neuen Lebensraum bieten, ebenso wie für all jene Waldschmetterlinge, die sich nur dort heimisch fühlen, wo reichlich Sonnenlicht bis zum Waldboden dringt. Eine Fläche, auf der gerade Brennholz geschlagen wurde, bietet zwar nur wenige Jahre lang ein passendes Biotop. Doch wenn die Bäume, die aus den Stümpfen nachwachsen, zu dicht werden, müssen die Falter nicht weit fliegen, um wieder ein wohnliches Gebiet zu finden.

Positiver Nebeneffekt  von Brennholz

Dass hierzulande kaum noch solche Forstwirtschaft betrieben wird, hat einen einfachen Grund: Die traditionelle Waldnutzung lohnte sich nicht mehr, weil das anfallende Brennholz immer weniger gefragt war. In letzter Zeit haben stetig steigende Heizöl- und Gaspreise diesen Trend allerdings umgekehrt. Mit Holz zu heizen rechnet sich wieder. Deshalb könnte es auch wieder wirtschaftlich sinnvoll werden, einen Wald als Mittelwald zu nutzen. Wenn davon auch rare Schmetterlinge profitieren sollen, muss die Brennholzproduktion allerdings ähnlich gemanagt werden wie im Hartwald im Elsass: Die abgeholzten Flächen dürfen jeweils nur wenige Hektar groß sein, damit sich ein kleinräumiges Waldmosaik ausbilden kann, das zahlreichen Schmetterlingen und anderen Tieren immer wieder neuen Lebensraum bietet.

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