17.03.2004 · Gemeinsam gegen den Rest der Welt! Während in Deutschland zumeist die Männchen ihre Stimme erheben, singen bei afrikanischen Vögeln die Weibchen häufig im Duett mit ihrem Partner.
Amsel, Drossel, Fink und Star - es ist eine männliche Vogelschar, die im Frühling ihren Gesang erschallen läßt. Die Weibchen singen, wenn überhaupt, nur selten und mit gedämpfter Stimme. Doch andere Länder, andere Sitten. Im tropischen Afrika erweisen sich manche Vogelweibchen als eifrige Sängerinnen.
So flöten zum Beispiel die weiblichen Flötenwürger mit ihrem Partner im Duett. Auf diese Weise bekunden die beiden ihren gemeinschaftlichen Besitzanspruch auf ein bestimmtes Revier. Und wenn sie ihr Eigentum wieder einmal erfolgreich verteidigt haben, schmettern sie ein Duett als Siegeshymne. Das beobachteten Ulmar Grafe und Johannes Bitz vom Biozentrum der Universität Würzburg bei ihren Freilandstudien im Comoé-Nationalpark im Nordosten der Elfenbeinküste.
Singen festigt die Partnerschaft
Der Flötenwürger (Laniarius aethiopicus) ist in den Savannenlandschaften Westafrikas ebenso heimisch wie im Osten des Kontinents. Anders als der Rotrückenwürger oder Neuntöter, der hierzulande im Frühjahr sein Nest baut, den Winter aber im südlichen Afrika verbringt, bleibt er seßhaft. Verpaarte Vögel halten das gesamte Jahr über ein Revier besetzt, in dem sie zu gegebener Zeit brüten und ihren Nachwuchs großziehen.
Wenn so ein Paar im Duett singt, festigt es damit vermutlich die Partnerschaft. Zugleich zeigt es den Nachbarn, wo sie nichts zu suchen haben. Trotz der stets gleich lautenden Botschaft sind die Duette der Flötenwürger aber durchaus abwechslungsreich. Die Würzburger Forscher konnten ein Dutzend Varianten unterscheiden, einige immer vom Weibchen initiiert, andere vom Männchen.
Eine Art Triumphgeschrei
Eine bestimmte Variante wurde meistens erst dann vorgetragen, wenn die neugierigen Wissenschaftler ihre Ausrüstung gerade wieder zusammenpackten und sich auf den Heimweg machten. Das Vogelmännchen brachte dann in Sekundenabständen helle Flötentöne hervor, während das Weibchen jeweils eine Viertelsekunde später in einer tieferen Tonlage einstimmte.
Daß sich dieses spezielle Duett tatsächlich als eine Art Triumphgeschrei interpretieren läßt, bestätigen einschlägige Experimente, wie die Forscher in der Online-Zeitschrift "BMC Ecology" berichten. Dabei wurden etliche Flötenwürger-Paare mit dem Gesang fremder Artgenossen konfrontiert. Zwei Paare zogen sich daraufhin bald zurück, sei es, daß sie das Spiel durchschauten, sei es, daß sie sich einschüchtern ließen. Doch die übrigen nahmen die Herausforderung an und hielten mit eigenen Gesängen eifrig dagegen, bis die Forscher das Bandgerät abschalteten.
Nach einer mehr oder minder langen Pause stimmten die meisten Paare dann das fragliche Duett an. Anscheinend verkünden sie so ihren Sieg in einem akustischen Duell. Das triumphierende Duett wird nicht nur weitaus stimmgewaltiger vorgetragen als andere Varianten. Siegreiche Flötenwürger-Paare singen auch von ungewöhnlich hoher Warte, etwa der Spitze eines Baums. So können sie über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus ihre Siegesnachricht verbreiten. Derart gezielte und weitreichende Bemühungen um einen guten Ruf wurden bislang bei keiner anderen Vogelart nachgewiesen.