Wenn Rinder grasen oder sich auf der Weide zum Ausruhen hinlegen, sind ihre Körper meistens annähernd nordsüdwärts ausgerichtet. Das glauben jedenfalls Forscher um Sabine Begall und Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen beobachtet zu haben. Wie sie in der aktuellen Online-Ausgabe der "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten, ließ sich dieses Phänomen auch auf Luftaufnahmen (Google Earth) aus beiden Hemisphären der Erde erkennen.
Überdies tritt es den Forschern zufolge auch bei Rot- und Rehwild auf. Als Beleg führen die Duisburger Zoologen Beobachtungen an rund 8500 Rindern von 308 Weiden sowie an insgesamt knapp 3000 Hirschen und Rehen von 241 Stellen an. Aufgrund der vorherrschenden Wetterverhältnisse könne man ausschließen, dass die Orientierung nach Norden hin durch Sonne oder Wind verursacht worden sei.
Viele Tiere nehmen Magnetfeld wahr
Als wahrscheinlichste Erklärung komme ein Einfluss des Erdmagnetfeldes in Frage. So habe sich außerdem gezeigt, dass in Regionen mit großer magnetischer Deklination, wo der Kompass nicht zum geographischen Pol weist, die Körperachse der Tiere wiederum vorwiegend zum magnetischen Nordpol hin ausgerichtet gewesen sei.
Die Forscher räumen ein, dass sich ihre Annahme nur auf Beobachtungen stützt. Die Fähigkeit zur Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes ist im Tierreich weit verbreitet. Belegt ist sie zum Beispiel für etliche Vogelarten, aber auch für mehrere Säuger, etwa den Afrikanischen Graumull, den Dsungarischen Zwerghamster und die Große Braune Fledermaus. R.W.