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Verhaltensforschung Bienen als Gedächtniskünstler

07.12.2006 ·  Wenn mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen werden, lernt es sich leichter. Diese Regel scheint auch für Honigbienen zu gelten. Das haben australische Forscher bei Experimenten mit künstlichen Blüten herausgefunden.

Von Diemut Klärner
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Wissenschaftler um Judith Reinhard von der Australian National University in Canberra halfen dem Gedächtnis von Honigbienen zunächst mit vertrauten Gerüchen auf die Sprünge. Um das Erinnerungsvermögen ihrer Versuchstiere überprüfen zu können, lockten die Forscher sie an künstliche Blüten, bestehend aus kleinen Glasschälchen mit nach Rosen duftendem Zuckerwasser. Als diese Futterspender wieder weggeräumt wurden, hörten die Bienen bald auf, danach zu suchen. Schließlich sind auch echte Blumen nicht grenzenlos freigebig. Strömte ein paar Stunden später jedoch ein Hauch von Rosenduft in den Bienenstock, so wurden die Nektarsammlerinnen prompt wieder munter. Zielstrebig steuerten sie die einstige Futterstelle an, obwohl es dort nichts mehr zu holen und nicht einmal etwas zu riechen gab. Offenbar weckte die vielversprechende Duftnote im Bienenstock nicht bloß die Erinnerung an eine lohnende Nahrungsquelle. Vielmehr konnten die Tiere auch die zugehörige Flugroute aus ihrem Gedächtnis abrufen.

Verwirrende Düfte

Hatten die Bienen in der Trainingsphase zwei unterschiedlich duftende Futterspender kennengelernt – der zweite war mit Zitronenaroma versehen worden –, dann ließen sie sich von jeder dieser Duftnoten zum Ausschwärmen verleiten. Dabei wählten sie auch die jeweils zugehörige Flugroute. Als die Wissenschaftler drei unterschiedliche Duftnoten anboten, waren die Bienen hingegen überfordert. Zwar merkten sie sich alle drei Gerüche und ließen sich von jedem einzelnen zu einem Ausflug bewegen. Sie bevorzugten aber nicht den zugehörigen Futterspender, sondern steuerten alle drei künstlichen Blüten ungefähr gleich häufig an. Anscheinend stößt die Gedächtnisleistung bei diesem Test an ihre Grenzen.

Wurden die drei verschiedenen Düfte dagegen mit drei verschiedenen Farben präsentiert, so zeigten die Bienen wieder eindeutige Vorlieben („Journal of Comparative Physiology“, A, Bd. 192, S. 409). Mit Zitronenduft aus dem Stock gelockt, landeten sie zum Beispiel meist auf dem gelben Futterspender, der in der Trainingsphase Zuckerwasser mit Zitronenduft geliefert hatte.

Vorliebe für eine Blütenart

Ob sie diesen Platz tatsächlich zielstrebig ansteuerten, ließ sich mit dem verwendeten Versuchsaufbau allerdings nicht genau feststellen. Denkbar wäre nämlich auch, daß die Bienen zunächst irgendeinen Futterspender anflogen, aber weitersuchten, wenn sie dort statt eines gelben Pappstreifens einen weißen oder blauen erblickten. Ob sie womöglich auf solchen Umwegen ans Ziel kommen, ließe sich nur klären, wenn man die Flugrouten genau verfolgte.

Die Gedächtnisleistung der Honigbienen ist um so bemerkenswerter, als diese Insekten natürlicherweise wohl selten in die Lage kommen, sich mehrere unterschiedlich duftende Nektarquellen einprägen zu müssen. Schließlich sind sie als „blütenstet“ bekannt: Wenn möglich, konzentriert sich jede Biene auf eine ganz bestimmte Art von Blüten und überläßt alle anderen ihren Kolleginnen. Daß der Blütenstaub zuverlässig zu artgleichen Pflanzen transportiert wird, ist ganz im Sinne der freigebigen Nektarspender.

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