Von Bakterien und Flechten ausgenommen scheint es nichts Widerstandsfähigeres in der belebten Natur zu geben als Zecken. Sie überleben ein extremes Vakuum von weit unter einem Pascal Druck und sogar gleichzeitig die energiereiche Strahlung in einem Rasterelektronenmikroskop. Das gilt zumindest für asiatische Zecken der Art Haemaphysalis flava, die von Forschern der Kanazawa Medical University in Kahoku-gun getestet wurde. Eng verwandte Arten dieses in Japan häufigen Blutsaugers sind auch in Europa beheimatet. Ausgangspunkt der Experimente war ein Zufall: Die Forscher hatten, wie sie in der Online-Zeitschrift „PlosOne“ (Bd. 7, S. e32676) berichten, eines Tages lebende Zecken aus einer Vakuumpumpe gefischt und sich überlegt, ob man die Tiere auch unter dem Elektronenmikroskop beobachten könne.
Noch nie zuvor hat man lebende Tiere in solch luftleeren strahlungsintensiven Umgebungen gefilmt. Die ungewöhnlichen winzigen Bärtierchen, die einen eigenen Tierstamm bilden und auch weit verbreitet sind in allen Lebensräumen, haben zwar auch schon Reisen durch den Weltraum überlebt - allerdings in einem dehydrierten quasileblosen Ruhezustand. Die japanischen Zecken hingegen bewegten auch nach 30 Minuten in der Mikroskopkammer ihre Beinchen und überlebten die Tortur noch tagelang. Ein Film von dem Experiment ist auf unserer Webseite www.faz.net/zecke zu sehen.
Ein neues Forschungsfeld
Herbert Sax (H.Sax)
- 11.04.2012, 14:05 Uhr