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Tierwelten Kläffende Piranhas

 ·  Die Raubfische produzieren eine Palette von Lauten. Alle Lautäußerungen sind mit mehr oder minder aggressivem Verhalten verbunden.

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Viele Fische sind keineswegs stumm. Dass auch Piranhas zu den lautstarken Wasserbewohnern zählen, ist seit langem bekannt: Frisch gefangene Exemplare geben in ihrer Bedrängnis deutlich hörbare Kläfflaute von sich. Dass die Piranhas mit solchen Tönen normalerweise ihresgleichen beeindrucken und bei eskalierenden Auseinandersetzungen auch noch andere Lautäußerungen ins Spiel bringen, ist jedoch erst kürzlich entdeckt worden.

Piranhas in Aquarienhaft

Wissenschaftler um Sandie Millot und Pierre Vandevalle von der Universität Liège ließen sich nicht davon abschrecken, dass diese Bewohner des Amazonas und anderer südamerikanischer Flüsse ein messerscharfes Gebiss haben. Den einen oder anderen Biss mussten sie wegstecken, als sie gut fingerlange Piranhas (Pygocentrus nattereri) in Aquarien einquartierten, um sie mit Filmkamera und Hydrophon beobachten zu können.

Lautenspiel mit der Lufblase

Anatomische Studien hatten zuvor ergeben, dass die Piranhas ihre typischen Kläfflaute mit speziellen Muskeln erzeugen. Da sich deren bandförmige Sehnen an den vorderen Teil der Schwimmblase schmiegen, können sie die mit Luft gefüllte Blase in Schwingungen versetzen. Das geschieht hauptsächlich dann, wenn zwei Piranhas in rasantem Tempo aufeinander zuschwimmen, kurz vor dem drohenden Zusammenprall stoppen und dann eine Weile in dieser Position verharren (http://jeb.biologists.org/content/214/21/3613/F2.expansion.html). Wenn sich die Fische um Futter streiten, belassen sie es freilich nicht bei solchen Konfrontationen. Stattdessen verfolgen die hungrigen Piranhas einander oft hartnäckig und beginnen dann regelrecht zu kämpfen und zu beißen.

Trommeln und krächzen

Die Geräusche, die solche Auseinandersetzungen untermalen, erinnern an kurze, dumpfe Trommelschläge. Wie die Kläfflaute, die mit bloßen Drohgebärden einhergehen, werden sie mit Hilfe der Schwimmblase produziert. Vermutlich kontrahieren sich die entsprechenden Muskeln bei jedem Trommelschlag aber nur ein einziges Mal. Die größten und angrifflustigsten Piranhas trommeln nicht nur besonders laut. Wenn sie einen fliehenden Artgenossen quer durchs Aquarium scheuchen, lassen sie auch eine ganz eigene akustische Begleitmusik hören. Sie geben kurze, auffällig hochfrequente Krächzlaute von sich, wobei sie deutlich sichtbar ihr Maul bewegen. Bei der Produktion dieser Geräusche scheint die Schwimmblase keine Rolle zu spielen.

Alle Lautäußerungen, die bislang bei den Piranhas beobachtet wurden, sind mit mehr oder minder aggressivem Verhalten verbunden. Manch andere Fische zeigen sich dagegen in einem friedlichen Kontext besonders stimmfreudig. Die Männchen des Lusitanischen Krötenfischs zum Beispiel werben lautstark um die Aufmerksamkeit artgleicher Weibchen. Deshalb stellt sich die Frage, ob paarungswillige Piranhas ebenfalls akustisch kommunizieren. Um eine Antwort zu finden, müssten die belgischen Wissenschaftler wohl eine Forschungsreise ins Amazonasgebiet unternehmen und die Piranhas in ihrem natürlichen Lebensraum studieren. Wenn es um eine Annäherung zwischen den Geschlechtern geht, sind diese berühmt-berüchtigten Raubfische derart sensibel, dass sie sich in Gefangenschaft kaum dazu aufraffen.

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